Arzneimittel und Therapie

Clopidogrel/Omeprazol-Interaktion ohne Folgen?

Nicht nur die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA rät davon ab, bei einer Clopidogrel-Behandlung den Protonenpumpenblocker Omeprazol einzusetzen. Auch die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft empfiehlt, nach Möglichkeit auf die routinemäßige Behandlung mit Protonenpumpeninhibitoren wie Omeprazol zu verzichten. Denn durch Interaktionen kann die Wirksamkeit des Thrombozytenaggregationshemmers Clopidogrel herabgesetzt werden. Das Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko soll steigen. Eine neue Metaanalyse kann diesen Zusammenhang nicht bestätigen.
Hohes Reinfarktrisiko? Bei der Entscheidung, ob Protonenpumpeninhibitoren zusammen mit Clopidogrel eingesetzt werden, müssen ein potenziell erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko gegen gastrointestinale Blutungen abgewogen werden.
Foto: Boehringer Ingelheim

Patienten, die mit Clopidogrel behandelt werden, erhalten oft einen Protonenpumpenblocker, um das gastrointestinale Blutungsrisiko zu reduzieren. Clopidogrel ist ein Prodrug. Es muss mithilfe des CYP450-Enzyms CYP2C19 in seine aktive Form überführt werden. Arzneistoffe, die dieses Enzym hemmen, können die Umwandlung verhindern. Zu niedrige Wirkstoffspiegel sind dann nicht mehr auszuschließen, das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko könnte steigen. So war in einer retrospektiven Fall-Kontrollstudie eine erhöhte Reinfarktrate bei Patienten festgestellt worden, die nach einem Myokardinfarkt Clopidogrel erhalten hatten und zusätzlich mit einem CYP2C19-hemmenden Protonenpumpeninhibitor wie Omeprazol behandelt worden waren.

Nun haben britische Wissenschaftler eine Metaanalyse durchgeführt, um zu klären, welchen Einfluss Protonenpumpeninhibitoren auf kardiovaskuläre Ereignisse und die Sterblichkeit bei Clopidogrel-Behandlung haben. In die Analyse wurden 23 Studien mit insgesamt 93.278 Patienten einbezogen. Die Wissenschaftler fanden weder in randomisierten Studien noch in Studien mit durch Zuordnung eines ähnlichen Falles erzeugten Vergleichsgruppen (propensity matched trials) eine Bestätigung dafür, dass unter der Kombination von Protonenpumpeninhibitoren und Clopidogrel das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko steigt. In Beobachtungsstudien wurde dagegen eine signifikante Steigerung gefunden. Obwohl die Daten inkonsistent und zum Teil widersprüchlich sind, fordern die Autoren der Metaanalyse die Ärzte auf, den Focus auf das hohe gastrointestinale Blutungsrisiko unter Clopidogrel zu legen. Sie dürften nicht aus den Augen verlieren, dass gerade Patienten mit einem hohen Blutungsrisiko von Protonenpumpeninhibitoren profitieren.

Quelle Kwok CS; Loke YK: Metanalysis: the effects of proton pump inhibitors on cardiovascular events and mortality in patients receiving clopidogrel. Alimentary Pharmacology & Therapeutics (2010) 31: 810 – 823. du

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