Toxikologie

Vergiftungsgefahren zur Osterzeit

Auch der hartnäckigste Winter räumt einmal das Feld. Das frische Grün und die Farbtupfen der Frühblüher locken uns in die Natur und das Osterfest bietet einen Anlass, den Frühling in die Wohnung zu holen. Doch Vorsicht ist geboten beim Umgang mit den zum Teil hochgiftigen Pflanzen. Für Kinder sind die bunten Osterdekorationen besonders verlockend und nicht selten landet etwas davon im Mund. In welchen Fällen ist das gefährlich und wie soll man reagieren? Das Giftinformationszentrum Erfurt informiert jedes Jahr ausführlich und aktuell über Vergiftungsgefahren zur Osterzeit.

Nicht nur im Herbst gibt es bei den Giftinformationszentren Anfragen zu Giftpilzen. Auch im Frühling wachsen Pilze. So galt die Frühjahrslorchel früher als Speisepilz, der nach mehrmaligem Abkochen genießbar sei. Doch der hochgiftige Inhaltsstoff Gyromitrin wird auch durch Abkochen nicht vollständig zerstört, so dass es zu lebensgefährlichen Vergiftungen kommen kann.

Giftpilze wachsen auch im Frühling

Viele nutzen den Frühlingsspaziergang auch zum Sammeln von Wildpflanzen und -kräutern. Besonders beliebt ist der Bärlauch (Allium ursinum). Angeblich wollten sich unsere germanischen Vorfahren durch die Zubereitung von Bärlauchblättern etwas von der Kraft des Bären aneignen, denn dieser verschlang nach dem Winterschlaf große Mengen der auch als Waldknoblauch bekannten Pflanze.

Heute steht Bärlauch in dem Ruf, das Immunsystem zu stärken, die Potenz zu verbessern, Verdauungsstörungen zu lindern, zu desinfizieren und den Blutdruck zu senken. Nicht zuletzt ist das würzige Kraut schmackhaft und hinterlässt nach dem Genuss keinen Knoblauchduft.

Der Verzehr von Bärlauch ist also empfehlenswert und gesund. Man sollte ihn aber besser aus kontrolliertem Anbau beziehen, denn beim Sammeln von wilden Bärlauchblättern besteht Gefahr durch die Verwechslung mit Giftpflanzen. Die Blätter von Herbstzeitlose und Maiglöckchen sollten keinesfalls im Bärlauchstrudel landen.

Tödlich: Verwechslung von Bärlauch mit Herbstzeitlose

Die Herbstzeitlose enthält in der ganzen Pflanze den Mitosehemmer Colchicin. Die höchste Konzentration des starken Gifts findet sich im Frühjahr in der Frucht. Bereits fünf Gramm Samen und 50 bis 60 Gramm Blätter gelten für einen Erwachsenen als tödlich. Symptome treten nach zwei bis zwölf Stunden auf. Zuerst als Brennen und Kratzen im Mund, Schluckbeschwerden, Durst, Übelkeit, Erbrechen, später kommt eine akute Gastroenteritis mit starken, oft wässrig-schleimigen, teils blutigen Durchfällen dazu. Im weiteren Verlauf kann es dann zu Hypotonie, Temperaturabfall, Kreislaufstörungen bis zum Kreislaufkollaps, Krämpfen, Schock, Atemnot bis zur Atemlähmung und Multiorganversagen kommen. Dokumentiert sind zwei tödlichen Vergiftungen durch die Blätter der Herbstzeitlose. Folgende Unterscheidungsmerkmale sollten beim Sammeln von Bärlauch unbedingt beachtet werden: Bärlauchblätter sind gestielt und riechen beim Zerreiben deutlich nach Knoblauch. Blätter der Herbstzeitlose, die sich eben nicht nur im Herbst zeigen, sind dagegen stiellos und geruchlos. Im unteren Bereich der Blätter sitzt versteckt die Frucht, eine dreiteilige Kapsel mit schwarzen Fädchen an der Spitze.

Giftigkeit von Maiglöckchen wird überschätzt

Maiglöckchenblätter sind zwar wie Bärlauch gestielt und wachsen häufig gemeinsam mit diesem an einem Standort. Doch auch den Maiglöckchenblättern fehlt der lauchartige Geruch.

Maiglöckchen enthalten in allen Pflanzenteilen herzwirksame Glykoside, die aber relativ schlecht resorbiert werden. Für Kinder sind vor allem die auffälligen Blüten und Früchte interessant. Die harten Samen werden nach dem Verschlucken meist unverändert ausgeschieden, so dass keine Giftstoffe frei werden. Durch den hohen Anteil von Steroidsaponinen tritt außerdem frühzeitig Erbrechen auf. Schwere Vergiftungen mit Herz-Kreislauf-Symptomen sind erst nach Verzehr vieler Blüten, Beeren oder ganzer Blätter zu erwarten. Das Trinken von Blumenwasser ist entgegen einiger Pressemeldungen ungefährlich.

Blumenzwiebeln nicht in Hände von Kleinkindern!

Das gilt auch bei anderen Frühlingsblumen wie Krokussen, Tulpen, Hyazinthen, Osterglocken und Schneeglöckchen. Hier ist die Zwiebel der giftigste Pflanzenteil. Vor allem bei der Osterglocke kann es durch Verwechslung mit Küchenzwiebeln zu massiven Vergiftungserscheinungen kommen. Schon nach Verschlucken geringer Mengen muss ärztliche Hilfe gesucht werden.

Bei Schneeglöckchen ist dagegen erst nach dem Verzehr größerer Mengen mit starken Symptomen zu rechnen. Wurden weniger als drei Zwiebeln gegessen, genügt es, viel zu trinken.

Solche praktischen Hinweise zur Soforthilfe bei Vergiftungen veröffentlicht das Giftinformationszentrum der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (GGIZ) in Erfurt immer aktuell nach Jahreszeit auf seinen Internetseiten.

Informationen zu folgenden Frühjahrspflanzen sind zu finden unter www.ggiz-erfurt.de:

  • Efeu
  • Forsythie
  • Frühjahrslorchel
  • Goldregen
  • Hahnenfuß
  • Herbstzeitlose
  • Hyazinthe
  • Löwenzahn
  • Maiglöckchen
  • Osterglocke
  • Osterkaktus
  • Robinie
  • Schneeglöckchen
  • Schöllkraut
  • Traubenhyazinthe
  • Tulpe

Reizende Frühlingsboten

Manche Frühlingsboten verderben schon beim bloßen Hautkontakt die Freude an der wiedererwachten Natur. So bildet der Scharfe Hahnenfuß das stark reizende Protoanemonin, welches auf der Haut zur Blasenbildung führen kann.

Der Milchsaft von Schöllkraut und Löwenzahn ist zwar nicht giftig, sollte aber nicht in die Augen oder auf Schleimhäute kommen, denn ebenso wie der Zwiebelsaft der Hyazinthe kann er eine starke Entzündung hervorrufen. Bei Tulpen finden sich in allen Pflanzenteilen reizende oder allergieauslösende Stoffe.

Ostereierfarben in der Apotheke? Nicht apothekenüblich!


Abgepackte künstliche oder natürliche Ostereierfarben sind laut Apothekenbetriebsordnung keine apothekenüblichen Waren, daher dürfen sie in der Apotheke nicht abgegeben werden. Dagegen können Ausgangsmaterialien, die auch für das Färben von Ostereiern verwendet werden können, als Droge oder Chemikalie abgegeben werden, nicht aber als Ostereierfarben. Dazu zählen Birkenblätter, getrocknete Heidelbeeren oder Curcumawurzeln sowie Pottasche. Generell gilt: Pflanzen und Drogenmaterialien zum Färben von Ostereiern müssen unbedenklich sein, da immer Farbstoffe durch die Poren oder Haarrisse der Eierschalen eindringen und das Ei oberflächlich anfärben können. Ostereierfarben müssen als Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen sein.

Ungefährlicher Osterschmuck

Sicherheit geht vor Schönheit. Niemand, der kleine Kinder hat, käme auf die Idee, einen Osterstrauß mit Goldregen oder Robinie zu binden. Doch auch Efeu sollte nicht in Gestecken verwendet werden, solange sich kleine Entdecker die Welt durch den Mund erschließen. Bei längerem Hautkontakt droht eine Entzündungsreaktion, nach dem Verschlucken von mehr als fünf Beeren oder eines Blattes sollte das Kind einem Arzt vorgestellt werden.

Doch nicht alle aufgelisteten Pflanzen müssen aus der Wohnung verbannt werden. So ist der leuchtend gelbe Forsythien-Strauch relativ ungiftig. Der Verzehr von Blüten oder Blättern kann zwar zu Bauchschmerzen, Erbrechen oder Durchfall führen, die aber nach ausreichender Flüssigkeitszufuhr bald vorübergehen.

Im Osterkaktus finden sich gar keine giftigen Inhaltsstoffe und auch das Körbchen mit süßen oder gefärbten Ostereiern stellt, wenn man von einer übermäßigen Zufuhr von Kalorien einmal absieht, keine Gefahr für die Gesundheit dar.

Kein Gift im Osterkörbchen

Ostereierfarben müssen als Lebensmittelfarben zugelassen sein. Die meisten synthetischen Farben gehören zu den Azoverbindungen, die ein gewisses Allergisierungsrisiko bergen. Das versehentliche Verschlucken ist aber ungefährlich. Das Gleiche gilt für die meisten Naturfarben, wobei auch giftige Pflanzen wie Efeu oder krebserregende Stoffe wie Krappwurzel als Naturfarben eingesetzt werden können.

Und was ist mit dem Ostergras? Normales Gras aus der Samentüte ist ungiftig und kann durch seine Unverdaulichkeit höchstens zu Magen-Darm-Beschwerden führen. Wenn Wildgräser als Dekoration für Innenräume gedacht sind, sollte zuvor nach versteckten Giftkräutern geschaut werden. Und die für viele Osterkörbchen verwendete gefärbte Papier- oder Holzwolle ist ebenfalls ungiftig. Beim Verzehr größerer Mengen kann es wie beim echten Gras zu Passagehindernissen im Magen-Darm-Trakt kommen.

Am besten hält man sich an die gefärbten Hühnereier und süßen Ostereier, deren Ungiftigkeit auch in hoher Dosierung als absolut erwiesen gilt.


Quelle

Giftinformationszentrum der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (GGIZ), www.ggiz-erfurt.de


Anschrift der Verfasserin

Ute Richter

Krügerstr. 4

01326 Dresden