Gesundheitspolitik

Geschätzter Großhandel

Beim Phagro-Großhandelstag gibt es viel Zuspruch

Berlin (ks). Der vollsortierte pharmazeutische Großhandel wird von seinen Partnern – Industrie, Apotheken und Krankenkassen – sowie der Politik hoch geschätzt. Dies wurde auch beim Großhandelstag deutlich, zu dem der Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels (Phagro) am 19. Mai in Berlin geladen hatte. Rund 300 Gäste kamen und befassten sich mit Themen rund um den Arzneimittelmarkt.

Daniel Bahr (FDP), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, hob die besondere Rolle des Großhandels für den gesamten Arzneimittelmarkt hervor. "Bei der schnellen und flächendeckenden Versorgung der Bevölkerung mit dem Schweinegrippe-Impfstoff konnte man sehen, wie wichtig die Leistungen des vollversorgenden, herstellerneutralen Großhandels sind", so Bahr. Er bekräftigte, dass die Koalition beabsichtige, zum 1. Januar 2011 die Vergütungsstruktur umzustellen. Die genaue Ausgestaltung der Zahlen befinde sich noch in der Diskussion. "Sie wird aber die hohe Leistungsfähigkeit des Pharmagroßhandels berücksichtigen", versicherte Bahr.

Hilfe bei Rabattverträgen

Welche Bedeutung der Großhandel für die gesetzlichen Kassen hat, erläuterte der Vize-Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg, Dr. Christopher Hermann, am Beispiel der Rabattverträge: Gerade hier sei eine umfassende und konzertierte Bevorratung von Apotheken mit Rabatt-Arzneimitteln – insbesondere zu Vertragsbeginn – unverzichtbar. Um dies sicherzustellen brauche man einen funktionstüchtigen Großhandel mit bestmöglicher Logistik, so Hermann. Angesichts des geringen Anteils der Grossisten in der Wertschöpfungskette sieht auch er Handlungsbedarf bei der Honorierung. Funktionsrabatte für Apotheken hält Hermann für unnötig. Bei der Vergütungsumstellung stecke jedoch "der Teufel im Detail". Nun komme es auf die konkrete Ausgestaltung an.

Hermann nutzte seine Redezeit zudem erneut dazu, die AOK-Rabattverträge zu preisen. Keinesfalls seien sie eine Bedrohung für den Pharma-Mittelstand: Die Umsetzungsquote liege bei rund 60%, dies zeige, dass auch die Nicht-Vertragspartner weiterhin ihren Anteil hätten. Dass die Regierung nun bei den Rabattverträgen Hand anlegen will, kann Hermann nicht verstehen. Es sei kontraproduktiv, auch das Kartellrecht zur Anwendung kommen zu lassen, wenn schon das Vergaberecht gelte und faire und transparente Ausschreibungen sicherstelle. Auch die beabsichtigte Mehrkostenregelung lehnt die AOK ab.

Belieferungsanspruch

Auch das Recht kam nicht zu kurz: Prof. Elmar Mand von der Universität Marburg, setzte sich mit der Frage auseinander, ob nach der 15. AMG-Novelle jedem vollversorgenden Großhändler gegenüber jedem Hersteller ein individueller Belieferungsanspruch zusteht. Seiner Einschätzung nach ergibt sich aus dem Gesetz ein unmittelbarer Kontrahierungszwang: "Die Nichtbelieferung einzelner Großhändler stellt eine Behinderung und Diskriminierung gegenüber den belieferten Großhandlungen dar", so Mand. Demzufolge könne jeder Großhändler grundsätzlich von allen Herstellern die Lieferung seines inländischen Bedarfs verlangen und notfalls auch gerichtlich einklagen. Der Phagro-Vorsitzende Dr. Thomas Trümper äußerte sich abschließend zufrieden: "Es hat sich deutlich gezeigt, dass der vollversorgende, herstellerneutrale Großhandel bei allen relevanten Playern im Gesundheitssystem größte Anerkennung genießt". Er zeigte sich zuversichtlich, dass die rechtliche Absicherung eines fairen Vergütungsmodells bald komme. Dabei, so Trümper, gehe es nicht darum, dass der Großhandel mehr Geld wolle. Es müsse aber sichergestellt sein, "dass uns weitere Veränderungen nicht noch mehr schröpfen".

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