Feuilleton

Isidor Mamlock – ein Leben für Pharmazie und Zionismus

In Kulm im damaligen Westpreußen aufgewachsen und nunmehr 17 Jahre alt, begann Isidor Mamlock 1895 in Langfuhr bei Danzig eine Apothekerlehre. Wenig später wurde er ein begeisterter Zionist und bereite sich auf die Auswanderung nach Palästina vor. Dort hat er fast 50 Jahre lang als Apotheker gewirkt.

Nachdem Mamlock als Apothekergehilfe u. a. in Danzig und Halberstadt gearbeitet hatte, studierte er 1901/02 drei Semester Pharmazie an der Universität Straßburg und leistete parallel dazu den einjährigen freiwilligen Dienst als Militärapotheker im Straßburger Garnisonslazarett ab. 1903 bestand er in Rostock die staatliche Prüfung als Lebensmittelchemiker und dachte nun daran, sich selbstständig zu machen. So erwarb er Ende 1904 die Görlitzer Apotheke in Berlin-Kreuzberg, die er bald darauf umbauen ließ, aber schon 1907 wieder verkaufte. 1908 eröffnete er mit einem Partner ein chemisches Laboratorium am Kursfürstendamm.

Schon früh begeisterte sich Mamlock für den Zionismus, d. h. für die planmäßige Auswanderung von Juden nach Palästina, in das "Land der Väter". Persönlich nahm er von 1903 bis 1909 an drei Zionistischen Kongress in Basel bzw. in Den Haag teil. Ab 1907 wohnte er zeitweise in Palästina, das damals zum Osmanischen Reich gehörte. Dabei ging seine Ehe 1906 geschlossene Ehe zu Bruch, weil seine jüdische Frau ihre Zukunft nicht in Palästina, sondern in Deutschland sah.

Im März 1914 wurde Mamlock, der sich damals in seiner neuen Heimat aufhielt, als Oberapotheker der Landwehr zum preußischen Militärdienst einberufen, den er in Berlin beim Gardekorps ableistete. An eine Rückkehr nach Palästina war vorerst nicht mehr zu denken. 1916 übernahm er die Leitung der Firma Deutsche Priestley-Gesellschaft in Berlin, die medizinischen Sauerstoff herstellte.

1921 wanderte Mamlock endgültig nach Palästina aus, das nunmehr als Völkerbund-Mandat unter britischer Verwaltung stand. Im selben Jahr heiratete er zum zweiten Mal und fand eine Anstellung in Petach Tikve, der nordöstlich von Jaffa gelegenen, damals größten jüdischen Siedlung in Palästina. Bald darauf wechselte Mamlock an die Krankenhausapotheke der Templer in Jaffa, einer Gruppe württembergischer Pietisten, die um 1900 aus religiösen Gründen ins Heilige Land ausgewandert waren; 1924 pachtete er die Apotheke in der Templer-Siedlung Sarona. Eine von ihm entwickelte Spezialität, die er sogar nach Deutschland exportierte, waren Knoblauchpillen. Da die Templer während des 2. Weltkriegs von den Briten enteignet und interniert wurden, eröffnete Mamlock 1944 – mittlerweile schon 67 Jahre alt – eine eigene Apotheke in Givatayim östlich von Tel Aviv, die er bis an sein Lebensende leitete. Mamlock starb kurz vor Vollendung seines 93. Lebensjahres.

Da sich die Zeugnisse seiner Ausbildung und viele Dokumente seines Berufslebens erhalten haben, war es möglich, diese lesenswerte Biographie zu schreiben.

cae