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Finger weg von Urlaubskürzungen!

Die Tarifverhandlungen mit dem ADA über einen neuen Gehaltstarifvertrag stocken seit Wochen, weil die Arbeitgeber den Gehaltstarif nur zusammen mit einem neuen Bundes-Rahmentarifvertrag (BRTV) abschließen wollen. Hier ist die Neuregelung des Urlaubsanspruchs zwischen den Tarifparteien strittig. Eine Neuformulierung des bisherigen § 11 BRTV in dem vom ADA gekündigten BRTV ist durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz nötig geworden.

Weil der ADA eine Gleichbehandlung aller Angestellten auf niedrigerem Niveau – ohne Bestandsschutz – durchsetzen will, würden insbesondere ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhebliche Abschläge hinnehmen müssen. Dazu Tanja Kratt, im ADEXA-Vorstand für den Bereich Tarife zuständig: "Die Forderungen des ADA gehen zu weit. Dagegen wehrt sich ADEXA mit aller Entschiedenheit!"

Täglich treffen in der Hauptgeschäftsstelle Protestnoten gegen die Pläne des ADA ein. Sie zeigen: Dieses Ansinnen der Arbeitgeber trifft einen besonders empfindlichen Nerv – und die Frustrationstoleranz ist mehr als ausgeschöpft.

Hier einige Auszüge aus den Schreiben:


Ich bin 46 Jahre alt und arbeite als angestellte Apothekerin in einer Apotheke.

Meine reguläre Arbeitszeit beträgt 40 Stunden pro Woche. Meine tatsächliche Stundenzahl passe ich flexibel den Bedürfnissen des Betriebes an. So habe ich gerade eine 64-Stunden-Woche hinter mir, da mein Chef im Urlaub war und ich keine Vertretung hatte.

Auf meine Urlaubstage werde ich auf keinen Fall verzichten, für mich sind sie wichtiger als Geld. Auch für meine Überstunden kann ich nach meinen Wünschen freinehmen, selbstverständlich in Abstimmung mit den Kollegen und dem Chef. So sollte es auch bleiben!


Liebe Arbeitgeber,

wir können unsere Leistung auch auf das Niveau unserer Bezahlung drosseln. Dabei riskieren wir, dass die Apotheke schließen muss? Na und? Immerhin können wir umschulen zu einem Beruf, in dem wir unsere Rente sichern können und uns alleine über Wasser halten können. Irgendwie wird es trotzdem immer weitergehen. Und noch mehr absinken als Frau geht fast gar nicht mehr.

Meine Warnungen an Praktikantinnen und Schulabsolventen, keinen Beruf in einer Apotheke auszuüben bzw. zu erlernen, waren bisher sehr erfolgreich, und der ADA ist mir dabei sogar sehr, sehr hilfreich. Machen Sie so weiter und schneiden sich dabei ins eigene Fleisch!


Hiermit möchte ich gegen die Verzögerung des Abschlusses eines neuen Gehaltstarifvertrages von Seiten des ADA protestieren und fordere die Arbeitgeber auf, schnellstens zu einem Tarifabschluss zu kommen, um den tüchtigen und engagierten Apothekenmitarbeitern nicht länger die für das tägliche Leben dringend benötigten Gehaltssteigerungen vorzuenthalten.


Letztlich zeigen die Zahlen ab Seite 14 der PZ 16/2008, dass der Gesamtumsatz der Branche gestiegen ist; der Autor (ABDA) beschreibt die Apotheken als stark und stabil. Das Personal in Apotheken sollte daher nicht mit einem schlechteren Tarifabschluss als andere Branchen "gesegnet" sein. 3,1% Inflation März 2008 und um 2,4% gestiegenen Kosten für die Lebenshaltung lassen keinen Spielraum für Bescheidenheit.


Ich protestiere ganz entschieden gegen eine Kürzung des Urlaubsanspruches bei allen Berufsgruppen in der Apotheke, insbesondere bei den älteren Angestellten.

Die Belastungen im Apothekenbetrieb sind immens gestiegen!

Gerade in der heutigen Zeit haben sich die Angestellten einen ungekürzten Urlaub erst recht verdient!

Hiermit unterstütze ich unsere ADEXA-Tarifkommission und lege Protest gegen die unzumutbare Haltung des ADA hinsichtlich der Tarifauseinandersetzung ein! Dies stellt eine Brüskierung unserer Arbeitnehmerschaft dar und wird in keinster Weise den Anforderungen der Zukunft gerecht, zumal sich die Arbeitgeber, gerade der öffentlichen Apotheken, gerne durch die besondere Qualifizierung des Personals von der Konkurrenz der Internetapotheken abheben wollen und sich ständig bei der Politik über die ach so schlechte Politik beklagen!

ADA-Apotheker!

Rennen Ihnen die PTAs die Türen ein?

Winseln die Apothekerinnen in ganz Deutschland täglich um einen Arbeitsplatz bei Ihnen?

Wendet sich niemand vom Fachpersonal anderen Branchen und Nischen zu?

Finden Sie überall mit Leichtigkeit Personal?

Ja, wenn das so ist und die Arbeitsbedingungen und Gehälter in deutschen Apotheken so überdurchschnittlich gut sind – dann können Sie natürlich ohne Weiteres die Urlaubstage vermindern, und alle potenziellen Arbeitnehmer stehen weiterhin Schlange vor den Apotheken ...


Ich weiß wirklich nicht, was wir noch alles hinnehmen müssen, so langsam reicht es.

Ist es nicht schon genug, dass man heute mit einem Vollzeitjob nicht leben kann?

Muss man jetzt auch noch die Erholungsphasen sprich Urlaub kürzen? Das ist eine Frechheit.


Sehr geehrte Damen und Herren des ADA,

schämen sollten Sie sich!

Als aufgeklärter Mensch des 21. Jahrhunderts erschrecken mich sowohl die Verhandlungsweise als auch die Verhandlungsangebote Ihrerseits. Sie erinnern nicht nur an Bismarcks Zeiten, sondern werfen uns auch in diese Zeit zurück. Denkt denn der Arbeitgeberverband, mit seiner autoritären Art zeitgemäß zu sein und mit solcher Vorgehensweise Mitarbeiter in Apotheken zu motivieren und dort halten zu können?

Es ist ein Hohn, wenn ich an den täglich zu erbringenden Einsatz an diesem mit immer neuen Herausforderungen kommenden Arbeitsplatz denke, mit solchen vorsintflutlichen Angeboten abgespeist werden zu sollen. Ganz zu schweigen beim Vergleich mit den Tarifverhandlungen in anderen Wirtschaftsbereichen.

Es ist ein Hohn in Anbetracht der Leistung und Verantwortung, die von uns als selbstverständlich erwartet wird. Gerade die Mitarbeiter, die die Umsätze erarbeiten, haben ein Anrecht auf eine angemessene Vergütung.

Ich bin nun 25 Jahre als Apothekerin tätig – die Ansprüche bei den Leistungen sind kontinuierlich gestiegen, die Entlohnung soll jedoch fallen?! Dies ist sowohl eine eklatante Missachtung unserer Arbeitsleistung als auch ein respektloser Umgang mit den Menschen, die die Arbeit an der "Front" machen.

Auf solche Angebote bzw. Praktiken kann man nur mit Arbeitsniederlegung von unserer Seite reagieren.

Urlaubsanspruch in anderen Branchen

Vergleicht man den Urlaubsanspruch nach BRTV mit den Ansprüchen anderer Branchen (Quelle: Hans-Böckler-Stiftung), dann wird deutlich: Die Apothekenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter sind keineswegs besonders großzügig bedacht. Während in den meisten Branchen mit einer 5-Tage-Woche 30 Tage Urlaub üblich sind, beträgt der tarifliche Anspruch in den Apotheken bei einer 6-Tage-Woche bis zur Vollendung des 29. Lebensjahres 31 und ab dem 30. Lebensjahr 34 Werkstage.

Dr. Sigrid Joachimsthaler
Kommentar

Urlaubskürzung? – nicht mit uns!

Im Gegenzug für eine moderate Gehaltserhöhung will der ADA den Rotstift bei den Urlaubstagen ansetzen – und das bei einer Regelung, die im Branchenvergleich ohnehin nicht üppig ist.
Man sollte auf Arbeitgeberseite den Bogen nicht überspannen – ein Zurück in die alte, innovationsfeindliche Haltung und die früher verbreitete Gutsherrenmanier können sich die deutschen Apotheken nicht leisten.
Gerne können alle Angestellten in Apotheken uns ihre Meinung dazu unter info@adexa-online.de mitteilen (Stichwort Urlaub).
Barbara Neusetzer
Foto: Fotolia/Arcyd

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