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"DocMorris hat sich gelohnt"

BERLIN (ks). Nach 21 Jahren Wachstum muss der Stuttgarter Pharmahandelskonzern Celesio für 2008 mit einem Gewinnrückgang rechnen. Vorstandschef Fritz Oesterle gibt sich dennoch zuversichtlich. Er ist auch knapp zwei Jahre nach der Übernahme der holländischen Versandapotheke DocMorris überzeugt, dass sich dieser Kauf gelohnt hat – selbst wenn die von ihm stets beschworene Liberalisierung auf dem deutschen Apothekenmarkt nicht kommen sollte.
Ein Komplettservice für Apotheken ist laut Celesio-Vorstandschef Fritz Oesterle eine Möglichkeit, das Betätigungsfeld des Pharma­großhandels lukrativ auszuweiten.
Foto: DAZ/Alex Schelbert

Im vergangenen Dezember hat der Generalanwalt am Europäischen Gerichtshof (EuGH) das deutsche Fremdbesitzverbot für Apotheken in seinen Schlussanträgen als europarechtskonform gewertet. Seitdem gibt sich Celesio zurückhaltender, wenn es um die zukünftige Apothekenlandschaft in Deutschland geht. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Ausgabe vom 17. Februar) erklärt Oesterle, für den Fall der Liberalisierung in Deutschland seien ohnehin nur 30 bis 50 Apotheken im ersten Jahr geplant gewesen. Zudem habe sich der Kauf von DocMorris "auch gelohnt, falls die Liberalisierung nicht kommt". DocMorris sei Europas größte Versandapotheke, "die auch schön wächst". Mittlerweile würden zuweilen mehr als 8000 Arzneimittelpäckchen an einem Tag ausgeliefert. Außerdem seien dem DocMorris-Franchisesystem mittlerweile fast 200 Apotheken in allen Bundesländern beigetreten. Die im Herbst gestartete Eigenmarke mit zunächst drei Produkten laufe zwar langsam an, weil für jedes Produkt eine eigene Zulassung nötig sei, "aber nach drei Monaten will ich noch nicht ungeduldig werden", sagte Oesterle. Vom EuGH erwartet er nun, dass dieser bei seiner Entscheidung im DocMorris-Fremdbesitzverfahren alle Argumente berücksichtigt. Vor allem müsse er sich mit der Frage beschäftigen, warum man einem Arzt in einer börsennotierten Klinik zutraue, dass er ordnungsgemäß operiert, nicht aber, dass ein bei einer börsennotierten Kette angestellter Apotheker seine Kunden verantwortungsvoll bedient.

Oesterle kündigte zudem an, das starke Gewicht von Celesio in Großbritannien zu reduzieren. Allein 135 Mio. Euro der 2008 zu verzeichnenden Ergebnisbelastung von insgesamt mehr als 200 Mio. Euro resultierten aus unerwarteten staatlichen Maßnahmen, überwiegend in Großbritannien, aber auch in Frankreich und in Norwegen. Zudem habe die Schwäche des britischen Pfunds das Ergebnis um weitere 50 Mio. Euro geschmälert. Nun sei man auf der Suche nach neuen "Wachstumsoptionen außerhalb des Pfund-Raums". Zudem solle die Abhängigkeit von Märkten, in denen die Vergütung von staatlicher Regulierung geprägt ist, verringert werden. Für Pharmagroßhändler gebe es beispielsweise interessante Märkte in Russland, der Ukraine, China, Südamerika, Mexiko und den Vereinigten Staaten. Ein Markteintritt in einem dieser Länder steht laut Oesterle jedoch nicht unmittelbar bevor.

Wachstumschancen sieht Oesterle zudem außerhalb des angestammten Geschäfts für Patienten, Apotheker und Pharmahersteller. Hier wolle Celesio künftig viel breiter als bisher tätig sein. "Welchen Auftrag auch immer die Pharmaindustrie an externe Dienstleister vergibt: Wir wollen das möglichst komplett abdecken." Dabei gehe es etwa um die medikamentöse Versorgung von Patienten zu Hause, das sogenannte Homecare-Geschäft. Ein zweiter Bereich sei "die Versorgung von Apotheken mit allem, was sie brauchen". Das sei nicht nur die pünktliche Lieferung von Arzneimitteln, sondern reiche von Apothekensoftware bis zu Werbemitteln.

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