Arzneimittel und Therapie

Bundesweit stark erhöhte Influenzaaktivität

In Deutschland hat die Grippewelle in diesem Jahr früher begonnen, wie aus den Meldungen an das Nationale Referenzzentrum für Influenza am Robert Koch-Institut hervor geht. Die Aktivitäten des Grippevirus sind bundesweit deutlich angestiegen und befindet sich weiterhin auf einem stark erhöhten Niveau. Besonders betroffen waren bisher vor allem der Norden und Westen, jetzt treten vermehrt Fälle auch in den südlichen Bundesländern auf. Dass sich die Grippe von Norden her ausbreitet statt wie in den vergangenen Jahren von Süden her, ist eher untypisch.
Heftige Grippewelle Der Praxisindex zeigt hier die Daten zu akuten respiratorischen Erkrankungen der aktuellen Saison (rot) im Vergleich zu 2006/2007 (grün) und 2007/2008 (blau). Die Aktivität der akuten respiratorischen Erkrankungen ist zurzeit bundesweit – auch in den südlichen Bundesländern – deutlich angestiegen und befindet sich weiterhin auf einem stark erhöhten Niveau. Indexwerte bis 115 entsprechen der Hintergrundaktivität.

Ausgewertet wurde der Praxisindex, der die über alle meldenden Praxen gemittelte relative Abweichung der beobachteten akuten respiratorischen Erkrankungen (ARE) gegenüber einem für jede Praxis ermittelten "Normalniveau" darstellt. Unterschiede, die durch Praxisspezialisierung (Pädiater, Internisten, Allgemeinärzte) und Praxisgröße der am Meldesystem beteiligten Ärzte verursacht sind, werden dadurch reduziert und räumliche Vergleiche ermöglicht. Wie die Abbildung zeigt, ist er bundesweit in der 4. Kalenderwoche deutlich angestiegen. Dabei gilt:

  • Praxisindex von 116 bis 135: geringfügig erhöhte Aktivität akuter respiratorischer Erkrankungen;
  • Praxisindex 136 bis 155: moderat erhöhte Aktivität akuter respiratorischer Erkrankungen;
  • Praxisindex 156 bis 180: deutlich erhöhte ARE-Aktivität;
  • Praxisindex > 180: stark erhöhte ARE-Aktivität

Eine nomale Aktivität (Hintergrund) wird beim Praxisindex bis zu Werten von 115 angenommen. Auch die Werte der Konsultationsinzidenzen für Deutschland sind in der 4. Kalenderwoche im Vergleich zur Vorwoche in allen Altersgruppen leicht angestiegen. Als eine Ausnahme hervorzuheben ist ein deutlicher Anstieg in der Gruppe der Kinder und Jugendlichen (0 bis 14 Jahre). Die Konsultationsinzidenz ist die berechnete wöchentliche Anzahl von Ersterkrankungen bei den akuten respiratorischen Erkrankungen, die bei einem Arzt zur Vorstellung kommen, bezogen auf die Bevölkerung. Dabei wird die beobachtete Zahl der Konsultationen mit der geschätzten von den meldenden Praxen betreuten Bevölkerung in Beziehung gesetzt und auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet.

Lassen Sie sich noch impfen!

Für die 4. Kalenderwoche des laufenden Jahres sind im Nationalen Referenzzentrum für Influenza am Robert Koch-Institut bei insgesamt 491 Proben 315 Influenzaviren nachgewiesen worden (275 (87%) Influenza A/H3N2-Viren, 21 (7%) A/H1N1-Viren und 19 (6%) Influenza B-Viren). Die Positivenrate lag bei 64%. Bei 794 seit der 40. Kalenderwoche in Europa hinsichtlich ihrer antigenen Eigenschaften untersuchten und genetisch charakterisierten Viren bezüglich ihrer Verwandtschaft mit den aktuellen Impfstämmen zeigt sich eine gute Übereinstimmung der H3- und H1-Isolate mit den im Impfstoff vorhandenen Antigenen. Daher gehen die Behörden nach wie vor davon aus, dass die Grippeimpfung in diesem Jahr eine gute Wirkung erzielt und einen guten Schutz vor den jetzt zirkulierenden Influenzaviren bietet: Vor allem älteren Menschen und chronisch Kranken wird daher geraten, sich auch jetzt noch impfen zu lassen. Vor allem in Familien, in denen ältere Personen und Kinder gemeinsam lebten, sollten sich die Großeltern unbedingt gegen Grippe impfen lassen, um die Kinder nicht anzustecken.

Viele europäische Länder melden Influenzafälle

In der dritten Woche 2009 breitete sich die Influenza in Europa weiter aus und die meisten Länder meldeten eine Influenzaaktivität von mittlerer bis hoher Intensität: Österreich, Dänemark, Irland, Luxemburg und die Schweiz meldeten hohe Intensität, 15 Länder meldeten mittlere Intensität und nur einige östlich und nordöstlich gelegene Länder meldeten Grippeaktivität von niedriger Intensität. In Portugal und England scheint der Höhepunkt der diesjährigen Influenzawelle überschritten zu sein.

Zunehmend Resistenzen gegen Oseltamivir

Wurden im letzten Jahr nur wenige Resistenzen gegen Neuraminidaseinhibitoren beobachtet, so zeigten schon im Dezember 2008 in den USA zu Beginn der aktuellen Saison 49 der ersten 50 von den Centers for Disease Control and Prevention untersuchten Stämme vom Virusstamm A (H1N1) eine verminderte Empfindlichkeit. Für Europa teilten die European Centers for Disease Control and Prevention in Stockholm mit, dass bei 19 von 20 untersuchten H1N1-Viren eine Oseltamivirresistenz gefunden wurde. Gegen die Stämme A H3N2 und die Influenza B war Oseltamivir dagegen immer wirksam. Diese Zunahme der Resistenzen gegenüber Oseltamivir war für die Centers for Disease Control and Prevention insofern unerwartet, da der Neuraminidasehemmer im letzten Jahr kaum eingesetzt wurde. Es wird daher vermutet, dass die Resistenzen ihren Ursprung in Ostasien haben, wo Oseltamivir häufiger angewendet wird.

 

 

Quelle
Influenza-Wochenbericht für die 4. Kalenderwoche 2009, Robert Koch-Institut (RKI) in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI), dem Nationalen Referenzzentrum für Influenza (NRZ) am RKI und dem Deutschen Grünen Kreuz (DGK). www.rki.de/agi.

 

ck

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