Arzneimittel und Therapie

Schmerzreduktion verbessert Therapieerfolg

Schmerzen im Rahmen einer Depression verringern die Chance, die Erkrankung insgesamt erfolgreich behandeln zu können. Umgekehrt steigt die Wahrscheinlichkeit für einen langfristigen Therapieerfolg, wenn komorbide Schmerzen frühzeitig auf eine Behandlung ansprechen. Der duale Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Duloxetin (Cymbalta®) erweist sich gerade im Hinblick auf eine frühe Schmerzreduktion als wirksam und verbessert damit die Aussichten auf eine erfolgreiche Depressionstherapie mit anhaltender Remission.

Depressionen und Schmerzen Viele der Patienten, die ursprünglich wegen körperlicher Symptome wie Kopf- oder Rückenschmerzen einen Arzt aufsuchten, werden später als depressiv diagnostiziert. Schmerzen werden heute als integraler Bestandteil einer depressiven Erkrankung verstanden. Zumal Neurotransmitter wie Serotonin und Noradrenalin in den absteigenden inhibitorischen Schmerzbahnen des Rückenmarks als Mediatoren wirken und Teil des schmerzverarbeitenden Systems des Körpers sind.

Foto: Lilly Deutschland/Boehringer Ingelheim

Die Depression ist keineswegs nur eine psychische Störung. Mehr als zwei Drittel aller später als depressiv diagnostizierten Patienten suchen sogar ausschließlich aufgrund körperlicher Symptome einen Arzt auf. Im Vordergrund stehen dabei Schmerzen, vor allem Kopf-, Rücken-, Gelenk-, Brust- und Bauchschmerzen. Solche Beschwerden werden heute als integraler Bestandteil einer depressiven Erkrankung verstanden.

Belastend und kostenträchtig

Komorbider Schmerz bei Depression beeinträchtigt nicht nur die Betroffenen in ihrer Lebensqualität mehr als wenn ausschließlich affektive Symptome auftreten, sondern bedingt auch höhere Gesamtkosten der Depression. So fallen depressive Patienten mit körperlicher Symptomatik mehr als doppelt so häufig bei der Arbeit aus wie Patienten mit rein psychischen Symptomen (9,4 vs. 4,5 Arbeitsunfähigkeitstage pro Monat). Außerdem nehmen sie mehr Gesundheitseinrichtungen (z. B. Krankenhaus oder Physiotherapie) in Anspruch und haben einen höheren Substanzgebrauch (Medikamente, Alkohol). Bei ihnen wird im Schnitt häufiger die Therapie gewechselt, und sie benötigen schmerzlindernde Begleitmedikation.

Schmerzen als ein Prognosefaktor

Auch wenn Depressions-begleitende Schmerzen also individuell und sozioökonomisch bedeutsam sind, werden sie dennoch oft unterschätzt und nicht ausreichend in die Behandlung einbezogen. Dabei spielen sie auch im Hinblick auf Therapieerfolg und Prognose eine entscheidende Rolle. Es hat sich gezeigt, dass die Schmerzstärke ein wichtiger Prädiktor für Therapieresponse ist: je ausgeprägter die Schmerzsymptomatik, desto schlechter die Chancen, dass eine antidepressive Therapie greift. Was sich aber auch herausgestellt hat: Je besser man die Schmerzen therapeutisch in den Griff bekommt, desto größer sind die Chancen für eine Remission der Depressionserkrankung. Dagegen haben Patienten mit verbleibenden Schmerzsymptomen auch ein erhöhtes Risiko für depressive Rezidive.

Was die Depression kostet

Nach WHO-Prognosen wird die Depression bis zum Jahr 2018 in den Industrieländern die Erkrankung sein, welche die höchste Invalidität bedingt. Die Gesamtkosten der Depression werden in Deutschland auf ca. 2500 Euro pro Patient und Episode beziffert. Den Löwenanteil machen dabei mit 82% die indirekten Kosten (Produktivitätsausfall) aus. Die direkten Kosten belaufen sich auf 18%, wobei die Kosten für Antidepressiva mit lediglich 9% zu Buche schlagen.

Behandlungsziel frühzeitige Schmerzreduktion

Innerhalb der breiten Palette verfügbarer Antidepressiva sind die Wirkspektren unterschiedlich. Eine Substanz, die auch direkte Wirkung auf körperlich-schmerzhafte Beschwerden hat, ist z. B. Duloxetin. Als kombinierter Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer reguliert Duloxetin offenbar nicht nur auf ZNS-Ebene den gestörten Neurotransmitter-Haushalt und damit die Stimmungslage, sondern wirkt auch auf der Ebene des Rückenmarks. Nach derzeitigem Verständnis regenerieren Serotonin und Noradrenalin dort die physiologische Inhibition absteigender Schmerzbahnen. Dadurch vermag nicht mehr jeder nozizeptive Reiz einen Schmerz auszulösen. Ob Duloxetin tatsächlich über eine frühzeitige Schmerzlinderung den langfristigen Therapieerfolg beeinflussen kann, untersuchte an über 3000 Patienten die Anwendungsbeobachtung Padre (Painful Physical Symptoms in Depressed Patients: Relation to Treatment Outcomes in Clinical Practice). Es zeigte sich, dass die Patienten, die nach vierwöchiger Behandlung mit Duloxetin bereits eine mindestens 50-prozentige Schmerzreduktion erfuhren, nach sechs Monaten Duloxetin-Einnahme zu 67% in Remission waren. Dagegen ergab sich bei jenen Patienten, deren Schmerzen sich binnen vier Wochen weniger besserten (Schmerzreduktion < 50%), nach sechs Monaten nur eine Remissions-Rate von 37%. Die Daten bestätigen, dass eine Depressionstherapie, die frühzeitig die Schmerzsymptomatik in den Griff bekommt, auch langfristig einen besseren Therapieerfolg verspricht.

 

Quelle

Dr. Martha Ertl-Gehrke, München: "Frühes Ansprechen auf die Schmerzsymptomatik – ein Prädiktor für langfristige Remission. Aktuelle Ergebnisse zu Duloxetin in der Behandlung der Depression", Berlin, 27. November 2009, veranstaltet von der Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG, Ingelheim, und der Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg.

 


Dipl.-Biol. Ulrike Weber-Fina

 

 

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