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Anschub für die Pharmazeutische Betreuung

BERLIN (diz). Neben der Beschaffung und Abgabe der Arzneimittel gehören heute die Beratung und Information der Kunden und Patienten in der Apotheke zu den Kernaufgaben des Apothekers. Königsdisziplin im Rahmen der Beratung und Information ist die Pharmazeutische Betreuung zur Optimierung der Arzneimitteltherapie. Seit den1990er Jahren treten die Berufsorganisationen der deutschen Apothekerinnen und Apotheker dafür ein, die Pharmazeutische Betreuung im Berufsbild des Apothekers stärker zu verankern. Zu diesem Zweck wurde 1998 die Förderinitiative Pharmazeutische Betreuung (FI PB e.V.) als eingetragener Verein gegründet. Seitdem bemühte sich die FI, die Pharmazeutische Betreuung mit zahlreichen Projekten zu fördern und zu etablieren. Ronald Schreiber, Präsident der Landesapothekerkammer Thüringen, ist Ende November zum neuen Vorsitzenden der FI PB e.V. gewählt worden – für uns ein Anlass, die Förderinitiative kurz vorzustellen.
Intensiv betreut werden Patienten im Rahmen der Pharmazeutischen Betreuung durch "ihre" Apotheke. Die Bindung wird dadurch natürlich deutlich gestärkt.
Foto: ABDA

Vor allem im angelsächsischen Raum konnte in den letzten Jahren der Nutzen der Pharmazeutischen Betreuung überzeugend belegt werden. Auch in Deutschland wurde eine Reihe von Projekten durchgeführt – einige davon mit Unterstützung der FI PB e.V. Sie zeigen für die unterschiedlichen Indikationsgebiete eindrucksvoll, dass Patienten von der Pharmazeutischen Betreuung profitieren.

"Apotheker leisten viel mehr als allgemein bekannt ist. Um den Wert unserer patientenorientierten Arbeit zu belegen, wollen wir die Pharmazeutische Betreuung stärker als bisher in die Apothekenpraxis einfließen lassen. Entscheidend sind dabei Werkzeuge für die tägliche Arbeit in der Apotheke, zum Nutzen für den einzelnen Patienten und zur Verbesserung der individuellen Arzneimitteltherapie". Mit diesen Worten umschrieb der neugewählte Vorsitzende der Förderinitiative, Ronald Schreiber, das Ziel der FI PB e.V.

Ein ausführliches Interview mit Herrn Schreiber zum Thema "Wie geht es mit der Pharmazeutischen Betreuung weiter?" finden Sie hier.

Ziele der Förderinitiative

Die Förderinitiative hat das Ziel, die Etablierung der Pharmazeutischen Betreuung in Deutschland zu fördern. Schwerpunkt dabei sind Projekte, die die Pharmazeutische Betreuung in Deutschland sowohl wissenschaftlich als auch in der praktischen Umsetzung vorantreiben. Ein weiteres Ziel ist die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Thema Pharmazeutische Betreuung. Die Förderinitiative zeichnet zudem herausragende Arbeiten aus, die zeigen, wie Apotheker die Arzneimitteltherapie verbessern können. So wurden erst vor kurzem Arbeiten prämiert zur Pharmazeutischen Betreuung von Parkinson-Patienten in der öffentlichen Apotheke, zur Förderung der Compliance bei lebertransplantierten Patienten, zur Risikoerfassung und -verringerung in Apotheken und zur patientenindividuellen Arzneimittelsicherheit bei einer Aufnahme in ein Krankenhaus. Unterstützt wurden auch Doktorarbeiten zur Pharmazeutischen Betreuung von Alzheimer-Patienten und zu arzneimittelbezogenen Problemen in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Wie Schreiber in seinem Statement zum Antritt des FI PB-Vorsitzes ausführt, laufen in vielen Apotheken bereits heute gute Projekte zur Verbesserung der Arzneimitteltherapie, ohne dass diese publik werden. Schreiber: "Jeder Kollege kann über unsere Internetseite einen Förderantrag stellen. Wir freuen uns über neue Ideen und prüfen gerne, ob die Förderinitiative sie unterstützen kann."

Erfolgreiche Projekte

Die Förderinitiative hat in der Vergangenheit bereits zahlreiche Projekte gefördert. Ein Teil der Projekte konnte bereits erfolgreich abgeschlossen werden. Hier die Förderprojekte:

  • Entwicklung und Erprobung von Studienbausteinen für die Pharmazeutische Betreuung (1999 – 2001)
  • Pharmazeutische Betreuung onkologischer Patienten, vor während und nach ambulanter Chemotherapie (1999 – 2003)
  • Fakultativer Pilotkurs "Klinische Pharmazie" an der Universität Münster im Rahmen des Pharmaziestudiums (2000 und 2002)
  • Pharmazeutische Betreuung von Patienten mit chronischen Schmerzen in sächsischen Apotheken (2000 – 2001)
  • Pharmazeutische Betreuung von Neurodermitispatienten – Projekt Neuroderm (2001 – 2003)

  • Pharmazeutische Betreuung von Hypertonikern in Thüringen (PHIT) (2000-2001)
  • Pharmazeutische Betreuung von Kindern mit Asthma in ambulanter Therapie (2003 – 2006)
  • Einfluss der Pharmazeutischen Betreuung auf die Versorgungsqualität von Schlaganfall-Patienten (seit 2004)
  • Pilot-Projekt zur Pharmazeutischen Betreuung von Alzheimer-Patienten und ihren Angehörigen in der ambulanten Therapie (seit 2005)
  • Optimierung der Pharmakotherapie bei geriatrischen Patienten durch Pharmazeutische Betreuung (seit 2007)
  • Optimierung der Arzneimittelversorgung für Bewohner von Alten- und Pflegeheimen durch Identifizierung und Lösung bzw. die prophylaktische Vermeidung arzneimittelbezogener Probleme (seit 2007)

Mitglied werden

Der Förderinitiative mit Sitz in Eschborn kann jede natürliche oder juristische Person beitreten, die an der Förderung und Etablierung der Pharmazeutischen Betreuung in Deutschland interessiert ist, insbesondere Apothekerinnen und Apotheker, Verbände aus dem Bereich des Gesundheitswesens, Pharmazeutische Unternehmen, Kostenträger im Gesundheitswesen. Der Mitgliedsbeitrag beträgt derzeit für Einzelmitglieder 50 Euro im Jahr.

Was ist Pharmazeutische Betreuung

Die Pharmazeutische Betreuung ist eine Arbeitsmethode in der Apothekenpraxis zur Optimierung der Arzneimitteltherapie. Sie basiert auf der intensiven Zusammenarbeit zwischen Patient, Apotheke und Arzt und wird folgendermaßen definiert:

"Pharmazeutische Betreuung ist die konsequente Wahrnehmung der Mitverantwortung des Apothekers bei der Arzneimitteltherapie, mit dem Ziel, konkrete therapeutische Ergebnisse zu erreichen, die geeignet sind, die gesundheitsbezogene Lebensqualität des Patienten zu verbessern."

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