Arzneimittel und Therapie

Fetuin-A: Biomarker für Herzinfarktund Schlaganfallrisiko

Das Eiweißmolekül Fetuin-A wird in der Leber gebildet und ans Blut abgegeben. Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam haben gemeinsam mit Ärzten der Universität Tübingen in einer prospektiven Studie zeigen können, dass das Eiweiß ein Risikomarker für kardiovaskuläre Erkrankungen ist: Studienteilnehmer mit hohen Blutwerten von Fetuin-A sind mit einem drei- bis vierfach höheren Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden [1].

Mehr als 61.000 Menschen starben im Jahr 2007 in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes an einem akuten Herzinfarkt, davon 55% Männer. Jährlich erleiden zwischen 150.000 und 200.000 Menschen einen Schlaganfall. Etwa 20% sterben an den Folgen; rund 700.000 Menschen in Deutschland leben mit schweren Behinderungen als Folge eines Schlaganfalls.

Mehr als ein Botenstoff

Bereits vor längerer Zeit wurde berichtet, dass das Glycoprotein Fetuin-A, das zu den Hepatokinen zählt, eine wichtige Rolle bei Verkalkungsprozessen spielt: Eine häufige Komplikation bei Patienten mit Nierenversagen ist die Ablagerung von Calciumphosphat-Kristallen im Gewebe und das Eiweiß wirkt diesem Prozess entgegen und kann auch bereits bestehende Kristalle wieder auflösen [2]. Vor zwei Jahren war gezeigt worden, dass Fetuin-A ein Risikomarker für den Typ-2-Diabetes ist. Mitte letzten Jahres wurde dann bestätigt, dass sich im Zusammenhang mit der Entstehung eines Typ-2-Diabetes bei erhöhten Fetuin-A-Werten die Wirkung des Insulins verschlechtern kann. Die Folge ist letztlich eine Insulinresistenz [3]. Das Glycoprotein steigert offensichtlich die Bildung des Zytokins TNF alpha, das einen inflammatorischen Effekt auf Blutgefäße hat, und hemmt Adiponektin, das schützend wirkt.

In der epidemiologischen EPIC(European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition)-Studie wurde bei mehr als 27.500 Erwachsenen der Einfluss von Ernährung und Lebensstil auf verschiedene Erkrankungen wie Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. Bei diesen Studienteilnehmern und weiteren etwa 2200 zufällig aus der Gesamtteilnehmerzahl gezogenen Probanden wurden die Fetuin-A-Spiegel in Blutproben bei Eintritt in die Studie bestimmt – also bevor eine Erkrankung aufgetreten war. Während der durchschnittlichen Beobachtungszeit von etwas mehr als acht Jahren erlitten 227 Probanden einen Herzinfarkt. Bei 168 Teilnehmern wurde ein ischämischer Schlaganfall (ein durch eine plötzlich auftretende Blutleere bedingter Hirninfarkt) diagnostiziert. Die erkrankten Personen und die Kontrollpersonen wurden auf fünf Gruppen verteilt – abhängig davon, wie viel Fetuin-A ihr Blut enthielt. Personen aus der Gruppe mit den höchsten Werten (durchschnittlich 296 Mikrogramm Fetuin-A pro Milliliter Blutserum) hatten demnach ein 3,3-fach erhöhtes Herzinfarkt- und ein 3,8-fach erhöhtes Schlaganfallrisiko – verglichen mit Personen aus der Gruppe mit den niedrigsten Werten an Fetuin-A (durchschnittlich 162 µg/ml).

Die erhöhten Fetuin-A-Werte traten unabhängig von anderen Risikofaktoren auf. Eine Fetuin-A-Messung könnte somit die Risikobestimmung ergänzen, denn bei etwa 50 Prozent der Personen, die einen Herzinfarkt erleiden, finden sich keine der bekannten Risikofaktoren.


Quelle

[1] Weikert, C., et al.: Plasma Fetuin-A Levels and the Risk of Myocardial Infarction and Ischemic Stroke. Circulation 2008; 118(24): 2555-2562.

[2] Fetuin-A: Ein Eiweiß kämpft gegen Verkalkung. Dtsch. Apoth. Ztg. 2005; 145(44): 6.

[3] Ix, J.H.; et al.: Fetuin-A and Incident Diabetes Mellitus in Older Persons. J Am Med Assoc 2008; 300(2): 182-188.


Dr. Hans-Peter Hanssen

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