Arzneimittel und Therapie

Appell an die Eigenverantwortlichkeit

Aus der Erkenntnis, dass Krebserkrankungen mit der Lebensweise zusammenhängen und familiär gehäuft auftreten, lassen sich präventive Maßnahmen zur Verhinderung eines Tumorleidens ableiten. Dabei spielen neben den heute empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen die Verantwortung und Selbstfürsorge eines jeden Einzelnen eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Um eine sinnvolle Krebsvorsorge betreiben zu können, müssen zuerst mögliche Ursachen erkannt werden. Die wichtigste Ursache ist das Alter, und für die allermeisten Tumorentitäten steigt die Inzidenz mit zunehmendem Alter rapide an, da körpereigene Reparaturmechanismen nicht mehr effektiv sind.

Neben dem Alter beeinflusst auch die genetische Disposition das Krebsrisiko. So treten einige Krebserkrankungen familiär gehäuft auf. Bei einer bestimmten Form des Mammakarzinoms und der familiären adenomatösen Polyposis, die unbehandelt mit großer Wahrscheinlichkeit in ein kolorektales Karzinom übergeht, ist das dafür verantwortliche genetische Muster entziffert. Bei vielen anderen Tumorentitäten scheinen ebenfalls genetische, teilweise erst rudimentär bekannte Veränderungen mitzuwirken. Ferner hat die Lebensweise des Individuums einen großen Einfluss auf das Krebsrisiko. Neben dem Karzinogen Nummer eins – Zigarettenrauchen – erhöhen Übergewicht und falsche Ernährung das Risiko für einige Krebsarten. Weitere, teilweise beeinflussbare Risikofaktoren sind Infektionen mit krebsauslösenden Viren.

Lange Latenzzeit

Bis auf einige wenige Tumorentitäten wie etwa die akute Leukämie treten Krebserkrankungen nicht schlagartig auf. In der relativ langen Latenzzeit liegt die Chance für Vorsorgeuntersuchungen. So entwickeln sich etwa kolorektale Karzinome aus Polypen, die bei einer Darmspiegelung erkannt und abgetragen werden können. Bei Darmkrebs und weiteren Krebsarten (z. B. Gebärmutterhalskrebs) ist ein eindeutiger Benefit der Vorsorgeuntersuchung nachgewiesen. Bei anderen Tumorarten wie dem Prostatakarzinom des älteren Mannes zeigt sich aber auch die negative Seite des Screenings: So wird ein Tumor erkannt, an dem der Betroffene mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht sterben wird. Das Wissen um die Erkrankung ängstigt den Patienten und beeinträchtigt dessen Lebensqualität.

Zytostatika Workshop

Vom 23. bis 25. Januar 2009 fand in Hamburg der 17. Norddeutsche Zytostatika Workshop (NZW) statt. Veranstaltet wurde der onkologisch-pharmazeutische Fachkongress von der Deutschen Gesellschaft für Onkologische Pharmazie (DGOP). Weitere Berichte von der Fortbildungsveranstaltung lesen Sie in "DAZ aktuell" auf S. 22 und S. 25 dieser Ausgabe.

Wann sind Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll?

Vorsorgeuntersuchungen sind sinnvoll, wenn die zu vermeidende Krankheit gravierend ist und häufig auftritt, beziehungsweise bei Risikogruppen leicht erkennbar ist. Vorstufen sollten ohne großen Aufwand und zuverlässig diagnostizierbar sein und ausreichend lange andauern, um intervenieren zu können. Daneben sollte die Screeningmethode einfach, billig und wenig belastend sein sowie eine hohe Sensitivität und Spezifität aufweisen. Die kurative Therapie der Krebsvorstufe sollte möglich sein und auf Akzeptanz stoßen. Diese Voraussetzungen erfüllen die meisten derzeit empfohlenen Screeningmethoden. Lediglich über den Nutzen einer Tastuntersuchung der Genitale und Prostata kann man, so Beyer unterschiedlicher Meinung sein.

Tab. 1: Die gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen
 MännerFrauen
ab 20 Jahren klinische Untersuchung der Genitale
ab 30 Jahren klinische Untersuchung der Brust
ab 35 Jahrenklinische Untersuchung der Haut alle zwei Jahreklinische Untersuchung der Haut alle zwei Jahre
ab 45 Jahrenklinische Untersuchung der Prostata und Genitale einmal jährlich 
ab 50 Jahrenklinische Untersuchung des Rektums; Hämoccult-Test einmal pro Jahrklinische Untersuchung des Rektums; Hämoccult-Test einmal pro Jahr
50 bis 70 Jahre Mammographiescreening alle zwei Jahre
ab 55 JahrenDarmspiegelung zweimal im Abstand von zehn 
Jahren
Darmspiegelung zweimal im Abstand von zehn 
Jahren

Krebsvorsorge – eine tagtägliche Entscheidung

Eine sinnvolle Krebsprävention sollte sich vor allem an den beeinflussbaren Risikofaktoren orientieren. Das heißt: kein Tabakkonsum, Alkohol nur in Maßen, kein Übergewicht, Bewegung, und eine gesunde Ernährung. Hinzu kommen Screeningmethoden zur Früherkennung von Krebserkrankungen sowie Impfungen wie etwa die Hepatitis-B-Impfung, durch die in Ländern mit hoher Hepatitis-B-Prävalenz das Risiko für ein Leberzellkarzinom deutlich gesenkt werden kann. Beyer betonte, dass auch die beste Methode zur Früherkennung eines Tumors die Notwendigkeit einer Primärprävention im Sinne einer gesunden Lebensführung nicht ersetze. Die Verantwortung für das eigene Handeln könne nicht auf Vorsorgeuntersuchungen übertragen werden.

Welche Krebserkrankungen erfüllen die Voraussetzungen für Vorsorgeuntersuchungen?
Brustkrebs

Selbstuntersuchung der Brust

Mammographiescreening

Darmkrebs

Hämoccult-Test auf Blut im Stuhl

Darmspiegelung

Prostatakrebs

rektale Untersuchung

PSA-Screening

GebärmutterhalskrebsInspektion und Abstrich
Hautkrebs

Selbstuntersuchung

regelmäßige fachmännische Kontrolle

Zusätzlich müssen die allgemeinen Untersuchungen den individuellen Risiken angepasst werden (familiäre Disposition, berufliche Risiken etc.)

Nachgefragt: Sport gegen Krebs?

Auf die Frage, welche Rolle Sport und Bewegung bei Krebserkrankungen spielen, wies Prof. Dr. Jörg Beyer auf die positiven Effekte sportlicher Aktivitäten hin. Körperliche Aktivität ist zur Primär- und Sekundärprophylaxe von Tumorerkrankungen geeignet: Denn

  • Sport senkt das Krebsrisiko. Bei einigen Tumorarten wie etwa dem Mammakarzinom wahrscheinlich durch die Reduktion oder Verhinderung von Übergewicht.
  • Sport moduliert die Nebenwirkungen einer Krebstherapie und hilft die Folgen einer zytotoxischen und radiologischen Behandlung besser zu verarbeiten. So wird bereits durch moderate Bewegung die Fatigue deutlich gesenkt.
  • Sport senkt wahrscheinlich die Rezidivrate bei bestimmten Krebserkrankungen. Es gibt Hinweise, dass das erneute Auftreten von Brust- und Darmtumoren durch regelmäßige körperliche Aktivität reduziert werden kann.

 

Quelle
Prof. Dr. Jörg Beyer, Berlin; "Krebsvorsorge – Pro und Contra", 23. Januar 2009, 17. Norddeutscher Zytostatika Workshop (NZW), Hamburg.

 


Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

 

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