Aus Kammern und Verbänden

Phytotherapie und Sport

Am 14. November fand in Baden/Schweiz mit fast 300 Teilnehmern die 24. Jahrestagung der Schweizerischen Medizinischen Gesellschaft für Phytotherapie (SMGP) statt. Sie war die erste wissenschaftliche Fachveranstaltung, die sich mit der Thematik "Phytotherapie und Sport" befasste, wie SMGP-Präsident Dr. Roger Eltbogen, Solothurn, und SMGP-Geschäftsführer Prof. Dr. Beat Meier, Wädenswil, in ihren Grußworten hervorhoben.
Fotos: Steinhoff
Nach einem Marathonlauf ist die Infektgefahr sechsfach erhöht.

Sportler sind relativ häufig von Infekten der Atemwege betroffen, was wiederum zu Trainingsausfällen führt, wie Dr. Thomas Weber, Ettlingen, erläuterte. So ist die Infektanfälligkeit kurz nach einem Marathon sechsfach erhöht, hervorgerufen durch eine Immunschwäche im Schleimhautbereich (sog. Open-Window-Effekt), die durch die hohe physische Belastung, aber auch einen plötzlichen Abfall des psychischen Drucks nach dem Wettkampf bewirkt sein kann.

Da Atemwegsinfekte (z. B. Sinusitis, Bronchitis) überwiegend viral bedingt sind, sind Antibiotika hier selten von Nutzen. Anders der Wurzelextrakt EPs 7630 aus Pelargonium sidoides , der die Interferon-Synthese stimuliert, die Bakterien-Adhäsion an den Schleimhautzellen hemmt und die Zilienschlagfrequenz steigert. Neben klinischen Studien mit EPs 7630, an denen Erwachsene und Kinder mit akuter Bronchitis teilnahmen, haben Anwendungsbeobachtungen bei Schwimmern (2005) und Triathleten (2009) einen Rückgang von Atemwegsinfekten dokumentiert.

Der beste Schutz sowohl im Spitzen- als auch im ambitionierten Freizeitsport ist laut Weber eine gute Prophylaxe mit ausreichender Regeneration, gesunder Ernährung, Hygiene und Stärkung der Immunabwehr.

Internet: Dopingliste der Welt-Anti-Doping-Agentur: www.wada-ama.org

Virale Infekte bei Leistungssportlern

Über die Prävention viraler Infekte im Wintersport sprach Dr. Christian Schlegel vom Swiss Olympic Medical Center, Bad Ragaz, vor dem Hintergrund der aktuellen Vorbereitung für die Olympischen Winterspiele. Zu einer schwächeren Immunabwehr tragen nach seinen Ausführungen viele Faktoren bei, z. B. Stress, Fernreisen, Schlafentzug, Cortison und vor allem Umfang und Intensität des Trainings. Erhöhte Konzentrationen des vom Muskel produzierten Interleukin-6 reduzieren die intrazelluläre Virenabwehr. Insbesondere ein langes Training ohne Kohlenhydrataufnahme wirkt sich negativ aus. Nach einer hohen Belastung ist für drei bis 24 Stunden eine Immunsuppression zu beobachten. Andererseits kann eine regelmäßige körperliche Aktivität langfristig das Risiko chronischer Erkrankungen reduzieren.

Hat ein Sportler einen akuten Infekt mit erhöhter Körpertemperatur (> 38 °C), erhöhter Herzfrequenz, Abgeschlagenheit, Schmerzen, Erbrechen usw., ist unbedingt eine Sportpause angesagt, so Schlegel. Da die Entzündung eine katabole Stoffwechsellage induziert, sollte der Kranke bei Bettruhe alle 30 Minuten aufstehen, um einen Reiz für die Muskulatur zu setzen, und möglichst hochkalorische Nahrung aufzunehmen. Die Folgen akuter Entzündungen sind bei sehr gut trainierten Athleten in jedem Fall geringer. Positive Erfahrungen hat die Sportmedizin u. a. mit Echinacea (Sonnenhut) und Schwarzem Holunder gemacht.

Tipps für Läufer

Über Training, Erholung und Energiebereitstellung als Schlüssel zum Erfolg im Leistungssport und ihre persönlichen Erfahrungen sprach die Schweizer Biologin und 15-fache Weltmeisterin im Orientierungslauf, Simone Niggli-Luder. Das Training soll sowohl im Ausdauer- als auch im Kraftbereich langsam und kontinuierlich aufgebaut werden und von Erholungsphasen mit Ruhe, Massagen, Stretching und Wellness begleitet sein. Da gerade Läufer häufig der Gefahr von Bänderverletzungen oder Achillessehnenproblemen, eventuell auch von Ermüdungsbrüchen ausgesetzt sind, soll die betreffende Muskulatur durch Gymnastik gekräftigt werden: Auch Tapeverbände sind zur Vorbeugung von Verletzungen empfehlenswert.

Die Ernährung sollte ausgewogen, gesund, aber auch genussreich sein. Soziale Aspekte wie Familie und Freunde tragen zum mentalen Ausgleich bei. Gesundheit hängt also auch vom geistigen und sozialen Wohlergehen ab.

Ginkgo zur Durchblutungsförderung

Ginkgoblattextrakte verbessern die Durchblutung und Sauerstoffversorgung; sie weiten die Gefäße, hemmen die Nanoplaque-Bildung, steigern die Aktivität von Sauerstoffradikalfängern und senken die Konzentrationen von oxidiertem LDL und Interleukin-6, wie Prof. Dr. Günter Siegel, Berlin, erläuterte. Auch die Reduktion inflammatorischer Parameter, die für ein Ginkgo-Präparat in einer Studie an Patienten mit metabolischem Syndrom gezeigt werden konnte, erscheint für die Sportmedizin interessant.

Beinwell bei stumpfen Verletzungen

Dr. Tankred Wegener, Weinheim, erläuterte die klinische Datenlage zu Beinwell (Symphytum officinale). In zwei placebokontrollierten Doppelblindstudien, an denen 140 bzw. 203 Patienten mit Sprunggelenksdistorsionen teilnahmen, wurde eine deutliche Verbesserung der Symptomatik (Druckschmerz; Schwellung) festgestellt.

Eine weitere randomisierte Studie mit 164 Patienten zeigte eine Vergleichbarkeit bzw. hinsichtlich der Drucktoleranz sogar eine Überlegenheit der Beinwellsalbe (35% Beinwellwurzelextrakt 1:2, Ethanol 60% V/V) gegenüber einem Diclofenac-Gel.

Zwei Anwendungsbeobachtungen unterstützten die positive Beurteilung des Phytotherapeutikums durch Verbesserung des klinischen Befundes und der subjektiven Bewertungen durch die Patienten mit Sportverletzungen und rheumatischen Beschwerden, ebenso eine Anwendungsbeobachtung mit 306 Kindern, die sich Prellungen, Zerrungen oder Verstauchungen zugezogen hatten.

Bei akuter Verletzung


RICE = Rest, Ice, Compression, Elevationoder

PECH = Pause, Eis, Compression, Hochlagerung

Wärme oder Kälte?

Für die Prophylaxe und Behandlung muskulärer Probleme kommen auch physikalische Maßnahmen wie die Zufuhr von Wärme oder Kälte in Betracht, erläuterte Dr. Urs B. Zahner, selbstständiger Chiropraktiker in Schaffhausen.

Wärmezufuhr ist bei subakuten und chronischen entzündlichen Reaktionen hilfreich, indem sie Schwellungen reduziert, die Beweglichkeit erhöht und den Heilungsprozess unterstützt.

Kälte hingegen ist bei einer akuten entzündlichen Reaktion angezeigt sowie teilweise vor Übungen zur Verbesserung des Bewegungsumfangs und nach intensiver körperlicher Aktivität; sie bewirkt eine Vasokonstriktion mit einer Reduktion von Zellmetabolismus und zellulären Abfallprodukten sowie von Entzündungen, Schmerz und Muskelspannung. (Im Zweifelsfall, ob eine Entzündung akut oder subakut ist, soll man eher Kälte zuführen.)

Zur Schmerzlinderung wendet der Referent in seiner Praxis Phytopharmaka mit Arnika, Beinwell, Wintergrün- oder Gaultheriaöl und Capsaicin in externen Darreichungsformen an.

Ginseng und Rosenwurz

In den letzten Jahren ist das Konzept der Adaptogene in der medizinischen Wissenschaft häufig diskutiert worden. Man versteht darunter Substanzen, die Stressreaktionen abschwächen oder Erschöpfungsphasen herauszögern. Auch ein gewisser Schutz vor Langzeitstress wird erwartet, wie Dr. Alberto Vignutelli, Bioggio, an den Beispielen von Ginseng- und Rosenwurzzubereitungen erläuterte. Der Ginseng-Extrakt G 115 hat positive Effekte auf das Immunsystem, auf kognitive Funktionen und die Sauerstoffaufnahmefähigkeit bei Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) gezeigt, was frühere klinische Studien mit Sportlern bestätigt. Eine im Jahr 2008 publizierte Pilotstudie mit einem Rosenwurzextrakt (von Rhodiola rosea) zeigte einen positiven Einfluss auf allgemeine Angststörungen.

Die Arzneimittelagentur EMEA hat noch keine regulatorische Bewertung des Konzeptes der Adaptogene vorgenommen; immerhin gibt es dazu ein Arbeitspapier des Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC).

"Sporttreibende müssen für alle verbotenen Wirkstoffe, die in ihrem Körper gefunden werden, die Verantwortung übernehmen."

Nadja Mahler König

Doping durch Naturstoffe?

Die Frage, ob Naturstoffe oder pflanzliche Arzneimittel eine "Dopingfalle" sind, untersuchte Nadja Mahler König vom Schweizer Bundesamt für Sport. So seien bis zu 15% der im Internet angebotenen Sportsupplemente mit Prohormonen verunreinigt. Auf der Dopingliste stehen beispielsweise Coffein, Cannabis, Ephedrin, Cocain als "Naturstoffe", aber auch der Burzeldorn (Tribulus terrestris), eine Pflanze, die als "natürliche Alternative zu Testosteron" zur Erhöhung des Muskelvolumens angepriesen wird. Nur "wenn die Basis stimmt", d. h. wenn die Basisernährung an die Aktivität angepasst ist, können Supplemente nach Meinung der Expertin zusätzlich einen geringen positiven Effekt zur Leistungsfähigkeit beitragen.

Bedingt durch die Regel der verschuldungsunabhängigen Haftung in der Dopingbekämpfung, sind Sporttreibende für alle verbotenen Wirkstoffe, die in ihrem Körper gefunden werden, verantwortlich. Sie müssen sich deshalb vergewissern, dass die eingenommenen Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel keine verbotenen Stoffe enthalten, und suchen gegebenenfalls Rat in der Apotheke.

Praktische Erfahrungen

Einen Überblick über die Anwendung von pflanzlichen Wirkstoffen in den drei Hauptbereichen

  • akute Behandlung von Verletzungen,
  • Unterstützung der Rehabilitation nach Verletzungen,
  • Befindlichkeitsstörungen wie Wettkampfnervosität usw.

in seiner sportmedizinischen Praxis gab Dr. Simon Feldhaus aus dem schweizerischen Baar. Seine Beispiele (s. Tab.) waren mehr "experience-based" als "evidence-based", das heißt: Aufgrund seiner Erfahrung ermöglichen die entsprechenden Präparate eine optimale Behandlung von Freizeit- und Leistungssportlern – bei guter Verträglichkeit und zu günstigen Preisen.

Tab.: Pflanzen in der Sportmedizin
Pflanze
Einsatzgebiet
Arnika
Verletzungen
Weihrauch
Verletzungen
Mariendistel
Leber
(Regeneration)
Pestwurz
Allergien
Baldrian und Hopfen
Schlafstörungen
Withania somnifera
Adaptogen
Echinacea
Infektabwehr
Ätherische Öle
Obere Atemwege

Pflanzen im Pferdesport

Ein spezieller Workshop war der Phytotherapie von Sportpferden gewidmet. Als sinnvolle Indikationen von Pflanzenzubereitungen seien hier beispielhaft genannt:

  • Atemwegserkrankungen: Thymian, Rosmarin, Minze, Eukalyptus, Schwarze Johannisbeere, Sellerie oder Mädesüß.
  • Schutz vor Magengeschwüren: Süßholz, Leinsamen oder Isländisch Moos als Futterzusatz.

Pflanzenextrakte haben auch für negative Schlagzeilen gesorgt, z. B. bei den Olympischen Spielen 2008; dort wurden die distalen Gliedmaßen von Springpferden mit Capsaicin und Cayennepfeffer-Extrakten als Hyperalgesie-Induktor massiert.

Die SMGP strebt an, mögliche missbräuchliche Anwendungen von Naturstoffen im Pferdesport sachgerecht zu regeln und in begründeten Fällen Pflanzen aus der Dopingliste zu entlassen.


Dr. Barbara Steinhoff, Bonn
Regelmäßiger Sport senkt langfristig das Risiko chronischer Erkrankungen.

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