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Gleiche Gehälter? Fehlanzeige!

Auch im letzten Jahr ist in Deutschland die berufliche Gleichstellung nicht vorangekommen: Zwischen dem Einkommen von Frauen und Männern klafft noch immer eine große Lücke ("Gender Pay Gap"). ADEXA fordert von der neuen Bundesregierung Maßnahmen, um diesen Missstand zu beseitigen.
Quelle: Hans-Böckler-Stiftung, 2009

Im Jahr 2008 lag der Verdienstunterschied von Männern und Frauen wie auch in den Vorjahren bei 23 Prozent. Damit haben Frauen mit 14,51 Euro durchschnittlich 4,39 Euro pro Stunde weniger erhalten als ihre männlichen Kollegen. Für die Studie hat das Statistische Bundesamt die Bruttoeinkommen von Frauen und Männern verglichen.

Zwar gilt in allen Branchen, in denen Tarifverträge greifen, das Prinzip des gleichen Lohns für gleiche Arbeit, doch die Praxis sieht anders aus. Frauen werden zwar in die korrekte Gehaltsgruppe aufgenommen, männliche Kollegen jedoch bei gleicher Tätigkeit schneller in eine höhere eingruppiert. Die Gründe für diese Problematik sind vielschichtig: Männer handeln oftmals selbstbewusster ein höheres Gehalt aus.

"Oder sie suchen sich eine Branche aus, in der die Verdienst- und Karrierechancen besser sind", so Barbara Neusetzer. "Das sieht man gerade auch am Beispiel der Pharmazie. Während sich die Frauen überwiegend für ein Angestelltenverhältnis in der öffentlichen Apotheke entscheiden, wo es kaum Aufstiegsmöglichkeiten gibt, wählen Männer in vielen Fällen die pharmazeutische Industrie." Auch folgt auf die Babypause immer noch häufig ein Karriereknick, und Führungspositionen in Teilzeit sind nach wie vor selten.

Kaum Förderung in Betrieben

2008 gab es nur in jedem zehnten Betrieb Vereinbarungen zur Förderung der Chancengleichheit von Arbeitnehmerinnen, so eine Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), für die 16.000 Unternehmen befragt wurden.

Folglich stehen auf den oberen Sprossen der Karriereleiter nur wenige Frauen. Belastbare Zahlen dazu existieren für börsennotierte Unternehmen: Lediglich 16 der 160 Aktiengesellschaften in den wichtigsten deutschen Börsenindizes beschäftigen derzeit eine Frau oder mehr im Vorstand. Insgesamt liegt der Frauenanteil in diesem Leitungsbereich bei mageren drei Prozent.

Quellen: Hans-Böckler-Stiftung. Bertelsmann-Stiftung. Statistisches Bundesamt. 

 


Autor: Michael van den Heuvel

 

 

Kommentar: Auf Worte müssen Taten folgen


Die schwarz-gelbe Regierung hat das Thema Chancengleichheit in ihre Koalitionsvereinbarung geschrieben. Absichtserklärungen und freiwillige Selbstverpflichtungen hat es aber in der Vergangenheit schon etliche gegeben, ohne dass sich etwas geändert hätte. Von der neuen Bundesregierung fordert ADEXA deshalb jetzt die schnelle Umsetzung einer neuen und effektiven Gleichstellungsstrategie: So fehlt es derzeit an Möglichkeiten, als Angestellte aktiv gegen Verstöße bei der Entlohnung vorzugehen. Verbindliche gesetzliche Formulierungen sowie öffentliche Informations- und Beratungsangebote sucht man auch vergeblich.

Andere Länder haben Modelle mit Vorbildfunktion auch für Deutschland entwickelt: In der Schweiz oder in den USA besteht die Möglichkeit des Verbandsklagerechts. Schweden wiederum sieht bei Problemen ein Mediationsverfahren vor, und in Frankreich wurde der Mindestlohn gesetzlich verankert. In Deutschland könnte in größeren Firmen auch die Mitbestimmung, etwa über Betriebsräte, zur Entwicklung und Umsetzung betrieblicher Gleichstellungsstrategien eine zentrale Rolle einnehmen.

Wenn Ministerin Ursula von der Leyen sich in dieser Legislaturperiode mit ähnlichem Durchsetzungsvermögen für die Chancengleichheit einsetzen würde wie vorher für die Förderung von Familien und Kindern, bestände eine gewisse Hoffnung auf spürbare Veränderung. Wir drücken ihr dafür die Daumen.

Barbara Neusetzer, ADEXA – Erste Vorsitzende

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