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Internationale Fortbildung rund um die Onkologie

BRESLAU (ck). Der 5. Internationale Fortbildungskongress für Apotheker fand dieses Jahr in Breslau statt. Das Thema "Onkologie: Standards und neue Entwicklungen" lockte über 750 Apotheker in die polnische Universitätsstadt.
Über 750 Teilnehmer aus Polen und Deutschland reisten zum 5. Internationalen Fortbildungskongress für Apotheker in die Oderstadt Breslau, um Neues zu onkologischen Themen zu erfahren.
Foto: DAZ/ck

Der Präsident der Polnischen Apothekerkammer Dr. Grzegorz Kucharewicz betonte in seiner Begrüßung, dass die Probleme der Zukunft nur mit einem guten und aktuellen Wissen zu bewältigen sind. Er freute sich, dass so viele Apotheker nach Breslau gereist waren, um sich über die interessanten onkologischen Themen auszutauschen. Es gelte, die Probleme europaweit zu betrachten und die gesellschaftliche Rolle der Apotheker in Polen und darüber hinaus zu diskutieren. Denn die Pharmazie in Polen ist gespalten, so Kucharewicz, private Apotheker stehen hier großen Unternehmen, Ketten und der Industrie in einem Konkurrenzkampf gegenüber. Er forderte die Teilnehmer auf, sich gemeinsam für die Zukunft der Apotheker in Polen einzusetzen und dabei nicht zu vergessen, dass vor allem der Patient im Mittelpunkt stehen sollte.

Der Präsident der polnischen Pharmazeutischen Gesellschaft, Prof. Dr. Janusz Pluta, begrüßte vor allem den wissenschaftlichen Schwerpunkt des Fortbildungskongresses. Die Onkologie umfasse noch viele ungelöste Probleme, Pluta freute sich, dass wahrscheinlich schon im nächsten Jahr eine rein onkologische Konferenz stattfinden werde.

Der Präsident der Niederschlesischen Landesapothekerkammer in Breslau und Koordinator für Außenpolitik der Polnischen Apothekerkammer, Piotr Bohater, freute sich außerordentlich über das große Interesse der polnischen Apotheker an dieser Fortbildungsveranstaltung. Der Andrang habe die Erwartungen übertroffen und sei so groß gewesen, dass sogar Absagen an Interessenten erteilt werden mussten, obwohl die Zahl der Seminarplätze schon zusätzlich aufgestockt waren. Angesichts der rasanten wissenschaftlichen Entwicklung in der Pharmazie sei Fortbildung besonders wichtig, damit die Apotheker ihre Beraterrolle für den Patienten erfüllen können.

Hans-Günter Friese, Ehrenpräsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, betonte in seinem Grußwort, dass eine Aktualisierung des fachlichen Wissens und ständige Fortbildung zwar eine Voraussetzung für fachliche Kompetenz sei und sich darauf die Qualität pharmazeutischer Tätigkeit begründet: Nur so kann der Apotheker als Verbraucherschützer und "Risikominimierer" in der Arzneitherapie auftreten. Doch seien für diese Tätigkeit sichere ordnungspolitische Rahmenbedingungen unerlässlich. Gerade die Entwicklung einer zunehmenden Ökonomisierung, wie sie in Polen zu beobachten sei, so betonte Friese in der politischen Diskussion, ist gefährlich. Durch das Streben nach Rendite und nach rein finanziellem Erfolg werde das Patienteninteresse in den Hintergrund gedrängt. Das sei außerordentlich gefährlich, denn das wichtigste Gut – eine unabhängige Beratung – wird durch die Weisungsgebundenheit an einen Kapitalgeber gefährdet und bedrohe den ganzen Berufsstand. Friese fand es äußerst bedauerlich, dass niemand aus den Ministerien in Warschau den Weg nach Breslau gefunden hat. Dabei sei doch durch das EuGH-Urteil aus Luxemburg ein klares Signal in Richtung polnische Apotheker und Minister gesandt: Es würdigt und fördert den freien Heilberuf Apotheker. Was genau das Urteil bedeutete, fasste Erika Fink, Präsidentin der Bundesapothekerkammer und Präsidentin der Hessischen Landesapothekerkammer, noch einmal zusammen: Sie zeigte den freien Beruf als einen reglementierten Beruf mit einer großen Verantwortung gegenüber dem Verbraucher und gegenüber den Patienten auf, der eben nicht alles verkauft, was er gern möchte. Die Regelung des Gesundheitswesen war immer Sache der Nationalstaaten, diese können durch nationale Bestimmungen selbst festlegen, wie mit Waren, Dienstleistungen und Personen im Gesundheitssystem umgegangen wird bzw. wo im Staat der Gesundheitsschutz angesiedelt wird. So hat sich in Deutschland das Fremd- und Mehrbesitzverbot etabliert. Erst durch die Erteilung der gesetzeswidrigen Betriebserlaubnis im Saarland für eine im Fremdbesitz befindliche niederländische Apotheke wurde das Verfahren ausgelöst, das mit dem Urteil des Europäischen Gerichtshof vom 19. Mai dieses Jahres seinen Abschluss fand. Das EuGH stellte in seiner Urteilsbegründung ganz klar fest, dass das deutsche Fremdbesitzverbot keinen Widerspruch zu den europäischen Regelungen darstellt. Klar wurde dort festgestellt: Der Verbraucher habe ein Recht auf gute Beratung und Gesundheit und hinter dieses Recht müssen finanzielle Interessen zurücktreten. Als Folge kann der Staat ein Niederlassungsverbot erlassen, sowie zur Bedingung erheben, dass ein Apotheker der Besitzer und Leiter der Apotheke sein muss. Das Urteil stärkt alle freien Berufe, so Fink und gibt ein eindeutiges Signal: Wir Apotheker sind an erster Stelle für den Verbraucher da. Und: "Wir werden immer wichtiger!" Denn Arzneimittel gehören immer mehr zum täglichen Leben dazu und gewinnen an Bedeutung. Patienten bräuchten mehr denn je Beratung, denn freiverkäufliche Gesundheitsprodukte und Arzneimittel benötigen ebenso eine Beratung wie Nahrungsergänzungsmittel. Hinzu kommt, dass viele Patienten neben den Verordnungen von oft mehreren Ärzten auch unkontrolliert zur Selbstmedikation greifen – hier bestehe eine ethische Verpflichtung zur Beratung. Als große Herausforderung sieht Fink es an, der Politik deutlich zu machen, wie wichtig der Berufsstand Apotheker ist. Dabei sollte innerhalb des Berufsstandes geklärt werden, wohin der Weg des Apothekers in Zukunft gehen soll.

Onkologie
Unter dem Thema "Onkologie: Standards und neue Entwicklungen" fanden in Breslau auf dem 5. Internationalen Fortbildungskongress acht Seminare und sechs Vorträge statt. Am deutschsprachigen Vortragstag referierten Prof. Dr. Theo Dingermann, Frankfurt, Prof. Dr. Yon-Dschun Ko, Bonn, und Dr. Hans-Peter Lipp, Tübingen, unter der Moderation von Prof. Dr. Walter Schunack. Einen Beitrag dazu finden Sie auf der Seite 68 in dieser Ausgabe der DAZ.

Bohater: Arzneimittel nicht Bagatellisieren!

Piotr Bohater, Präsident der Niederschlesischen Landesapothekerkammer in Breslau und Koordinator für Außenpolitik der Polnischen Apothekerkammer, musste feststellen, dass das EuGH-Urteil für ein liberales System wie es in Polen mit dem erlaubten Fremd- und Mehrbesitzes existiere, ein Schritt zurück sei. Doch er begrüßte ausdrücklich die klaren Aussagen und die deutliche Aufwertung des freien Heilberufs, die in der Begründung des Urteils ausgesprochen wurde. Doch leider, so Bohater, kam aus polnischer Sicht das Urteil zu spät. Dort wäre es zur Stärkung der Position der Apotheker vor 20 Jahren notwendig gewesen, als es darum ging, dass eine Apotheke von einem Apotheker geführt werden und in Besitz eines Apothekers sein muss. Leider habe auf dem polnischen Apothekenmarkt das Streben großer Firmen und Drogerieketten nach Profit gewonnen. Es gehe dabei um sehr viel Geld und einen äußerst lukrativen Markt. Bohater klagte darüber, dass als Folge Arzneimittel in Polen mehr und mehr bagatellisiert werden: Zunehmend werden bestimmte Arznei- und Gesundheitsmittel in Supermärkten, Tankstellen oder Kiosken verkauft. Auch könne die klassische inhabergeführte Apotheke nicht mit den zum Teil dubiosen Marketingmethoden der Apothekenketten mithalten, mit denen diese um Kunden und Marktanteile kämpfen. Mit aggressivster Reklame für Arzneimittel wird der Umsatz in die Höhe getrieben. In den Kettenapotheken werden Patienten mit Rabattgeschenken belohnt und Arzneimittel werden teilweise zu Großhandelspreisen verkauft bzw. abgelaufene Arzneimittel werden sogar verschenkt – ein Geschäftsgebaren, das sich eine inhabergeführte Apotheke finanziell überhaupt nicht leisten kann. Für Bohater ist das EuGH-Urteil vor allem die Basis für eine erneute Diskussion des Themas Fremd- und Mehrbesitzverbot in Polen. Doch zu seinem sehr großen Bedauern wird dieses Problem in Polen überhaupt nicht diskutiert. In den Medien und den Ministerien scheine es niemanden zu interessieren, da es nicht einmal ein Ministeriumsvertreter zu der Veranstaltung nach Breslau geschafft hat. Für Bohater haben diese Beamten offensichtlich keine Verpflichtung gegenüber den Menschen. Aber auch die Apothekerschaft selber sei nicht an dem Thema interessiert, wie Bohater bedauernd mit einem Blick in den bei der politischen Diskussion nur spärlich gefüllten Saal feststellen musste. Er forderte größeres politisches Engagement von Seiten der Apotheker und rief zu einem Mehr an Solidarität innerhalb der Apothekerschaft auf. Ein weiteres Ziel sollte es sein, Kontakt mit Patientenvertretern aufzunehmen und diesen klarzumachen, dass besonders die Patienten langfristig von einer qualitätsgesicherten Beratung in der Apotheke nur profitieren können – auch wenn diese etwas kostet.

Als "Anwältin der Verbraucher" bezeichnete sich Beata Owczarska vom Berufsgericht. Sie bestätigte die Vorwürfe Bohaters: 80% ihrer täglichen Fälle beschäftigten sich mit Reklameverstößen. Die Konzerne – ausgestattet mit viel Geld – betrieben eine sehr aggressive und sehr emotionale Vermarktung ihrer Produkte. Dem gegenüber stehen viel zu kleine, eher symbolische Strafen für solche Verstöße. Ihre Forderung: Neben Festpreisen gelte es, die vielen bestehenden Freiräume zu schließen und klare, transparente Gesetze in der Apotheke durchzusetzen. Denn der Patient bekomme im Moment statt guter Beratung und guter Präparate oft nur den Hinweis, dass er diese Produkte ein paar Kilometer weiter billiger bekomme.

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