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Die Gewürznelke

STUTTGART (cae). Der Gewürznelkenbaum (Syzygium aromaticum) wurde durch eine Jury des NHV Theophrastus zur Heilpflanze des Jahres 2010 gekürt.
Gewürznelken sind die getrockneten Blütenknospen eines tropischen Myrten­gewächses.
Foto: Aus Wichtl, Teedrogen, WVG

Der Name "Nelke" ist eine Verballhornung von "Nägelein"; er entstand im Mittelalter und bezieht sich auf die Form der Droge, die an die damals handgeschmiedeten Nägel erinnert. Die Droge gelangte damals schon nach Europa, die Stammpflanze war jedoch unbekannt. Die Gewürznelken waren im 16. Jahrhundert so gut bekannt, dass nach ihnen die Gartennelke benannt wurde, deren Wurzel ein ähnliches ätherisches Öl enthält.

Der Gewürznelkenbaum ist in den tropischen Wäldern des Malaiischen Archipels beheimatet und wird etwa 15 m hoch. Seit dem 19. Jahrhundert wird er auch in vielen anderen tropischen Gebieten kultiviert, z. B. auf Sansibar. Er gehört zur Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae) und benötigt Wärme bei hoher Luftfeuchtigkeit. Alle Teile des Baumes enthalten ätherisches Öl mit der Hauptkomponente Eugenol. Offizinell (Ph.Eur.) sind jedoch nur die Nelken selbst, das heißt die getrockneten Blütenknospen (Caryophylli flos), die den höchsten Wirkstoffgehalt besitzen: 15 bis 20% ätherisches Öl. Das Eugenol verleiht ihm den unverkennbaren Geruch und Geschmack sowie seine schmerzstillende, entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung.

Die heilkundige Äbtissin Hildegard von Bingen (1098 – 1179) bereitete mit Nelken, Muskatnuss und Zimt ein wohlschmeckendes Gebäck, welches die Sinnesorgane stärken und deren Alterung verhindern sollte. Wegen ihres starken Aromas waren die Gewürznelken auch ein wichtiger Bestandteil von Pestmitteln. Theophrastus Bombastus von Hohenheim genannt Paracelsus (1493 – 1541) empfahl die Nelken zur besseren Verdauung, und Sebastian Kneipp (1821 – 1897) gebrauchte das Nelkenöl "gegen faule Gase und verdorbene, faule Säfte und Stoffe im Magen".

Bevor synthetische Desinfizienzien entwickelt wurden, spielte Nelkenöl eine wichtige Rolle in der Zahnheilkunde und Mundpflege. Manche Personen schätzen es als belebendes Mittel. Auch appetitanregende und verdauungsfördernde Eigenschaften werden ihm zugeschrieben. Umstritten ist seine Anwendung als Abwehrmittel gegen Insekten. Weil Nelkenöl haut- und schleimhautreizend ist, darf es nur verdünnt angewendet werden. Schwangere sollten es meiden, weil es unter Umständen Wehen auslösen kann.

Gewürznelken sind Bestandteil von Gewürzmischungen oder -saucen, z. B. von Curry oder der Worcestersauce. In Deutschland sind sie in der kalten Jahreszeit eine unverzichtbare Zutat zum Glühwein. In Indonesien sind sie in geschroteter Form ein Zusatz zu bestimmten Zigaretten ("Kretek"); dort werden etwa 50% der Welternte verbraucht.

Die Qualität der Nelken kann man testen, indem man sie ins Wasser legt. Wenn sie untergehen oder mit dem Stiel nach unten im Wasser schwimmen, ist dies ein Zeichen für gute Ware – es ist noch genügend ätherisches Öl enthalten. Minderwertige Nelken schwimmen waagerecht auf dem Wasser.

Der Verein NHV Theophrastus, der sich für die traditionelle Heilkunde einsetzt, beauftragt seit dem Jahr 2003 eine Jury mit dem Küren der "Heilpflanze des Jahres". Er möchte damit auf Kostbarkeiten der Natur hinweisen und zu ihrem sinnvollen Gebrauch – und sei es auch nur als Gewürz – anregen.


Quellen

Maria Vogel, NHV Theophrastus.

Max Wichtl, Teedrogen und Phytopharmaka.

www.phytochemie.biologie.at

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