Deutscher Apothekertag 2009

Thema verfehlt?

Der Versandhandel mit Arzneimitteln prägte die Diskussionen auf dem Apothekertag in Düsseldorf auch an Stellen, wo es eigentlich um ganz andere Fragen ging: Zum Beispiel bei dem Antrag für mehr Pharmazeuten auf den Krankenhausstationen, der von der Apothekerkammer Westfalen-Lippe für die Pharmaziestudierenden eingereicht wurde. Auch die Podiumsdiskussion zur "Patientenorientierten Arzneimittelversorgung" mit Vertretern europäischer Institutionen wurde weitgehend von diesem Reizthema beherrscht – und damit unnötig auf ein innerdeutsches Nebengleis umgelenkt. Dabei sollten doch eigentlich die Patienten selbst mit ihren Interessen und Forderungen im Mittelpunkt stehen. Doch die fehlten auf dem Podium am Samstagvormittag.

Beim Arbeitskreis 2 ("Konsequenzen für eine umfassende pharmazeutische Betreuung") am Freitagnachmittag war mit Hannelore Loskill, der stellv. Bundesvorsitzenden der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe e.V., zwar eine Patientenvertreterin geladen. Doch wurde ihr Feedback zu den Informationsproblemen beispielsweise beim Hausapothekenmodell nicht angemessen aufgenommen. Eine verschenkte Chance.

Woran lag es, dass unternehmerische Interessen die heilberuflichen und kommunikativen Themen immer wieder aus dem Fokus verdrängten? Mehr Apotheker auf den Stationen werden schließlich gleich drei Vorteile mit sich bringen: erstens die von der Apothekerschaft gewollte Stärkung des Faches Klinische Pharmazie, zweitens einen verbesserten Kontakt zwischen Medizinern und Apothekern, der mehr Wertschätzung für den eigenen Berufsstand und positive Auswirkungen für die Patienten bringt – und drittens positive Erfahrungen für den Patienten mit der pharmazeutischen Betreuung, die dieser dann auch in der Apotheke einfordern wird. Dass der Personalmangel in den Präsenzapotheken dadurch vorübergehend verstärkt werden und der Versandhandel Marktanteile gewinnen könnte, ist zwar bedenkenswert, darf aber kein Hinderungsgrund sein, wenn es darum geht, eine bessere Zusammenarbeit der Heilberufe zum Wohl der Patienten zu erreichen. Attraktivere Arbeitsbedingungen in der Präsenzapotheke wären ein guter Anreiz für den beruflichen Nachwuchs und könnten den sinkenden Studentenzahlen entgegenwirken.

Ein Grund für dieses wiederholte Abgleiten in eine Argumentation, die von wirtschaftlichen Interessen geleitet zu sein scheint, ist sicherlich der unausgewogene Anteil von angestellten und selbstständigen Apothekern unter den Delegierten des Apothekertages. Nur etwas über ein Viertel waren Angestellte – das entspricht in keiner Weise den tatsächlichen Relationen. Die Unterschiede bezüglich der Parität sind hier zwischen den einzelnen Kammerbezirken allerdings gewaltig.

Als angestellte Delegierte appellieren wir daher zum einen an die betreffenden Kammern, mehr auf einen Proporz beim Status (und auch beim Geschlecht) zu achten. Zum anderen möchten wir unsere angestellten Kolleginnen und Kollegen in den öffentlichen Apotheken ermuntern: Werden Sie aktiv in der Kammerarbeit! In der Kammer und als Delegierte beim Apothekertag haben Sie die Chancen, die Interessen Ihrer Patienten und Ihrer Kolleginnen und Kollegen zu vertreten.

Neue Vorstöße und Visionen für den Heilberuf gab es insgesamt wenig. Das mag daran liegen, dass so kurz vor der Bundestagswahl noch keine politische Stoßrichtung für die nächsten vier Jahr auszumachen war. Auch scheint nach dem EuGH-Urteil eine gewisse Erschlaffung eingetreten zu sein. Für den Apothekertag 2010 wünschen wir uns jedenfalls wieder einen frischeren Wind und unkonventionellere Anträge, damit sich unser Berufsstand in der Öffentlichkeit als proaktiv gestaltende Kraft für den Gesundheitsbereich präsentiert.

Eva-Maria Plank, Vorsitzende der Fachgruppe Approbierte bei ADEXA (Delegierte der Bayerischen Landesapothekerkammer)

Ellen Oetterer, ADEXA – Ehrenamtlicher Vorstand (Delegierte der Apothekerkammer Westfalen-Lippe)

Elfriede Hoffmann, ADEXA-Landesvorstand BW (Delegierte der Apothekerkammer Baden-Württemberg)

Eva-Maria Plank
Ellen Oetterer
Elfriede Hoffmann

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