Ernährung aktuell

Männliche Gehirne hungern nicht gern

Männliche Gehirne reagieren auf Nährstoffmangel empfindlicher als die Gehirne von Frauen. Zu diesem Ergebnis sind amerikanische Wissenschaftler bei Versuchen mit Zellkulturen gekommen. Danach beginnen männliche Hirnzellen bei Nährstoffmangel bereits mit der Selbstverdauung, wenn weibliche Zellen noch Reserven mobilisieren.

Dass Männer und Frauen unterschiedlich auf einen Nahrungsmangel bzw. eine Nahrungskarenz reagieren, ist bereits seit einiger Zeit bekannt. Bei Männern wirkt sich vor allem ein Mangel an Eiweiß aus, der Körper von Frauen misst dagegen Fett die größere Bedeutung zu. Wie Forscher um Robert Clark von der Universität Pittsburgh nun zeigen konnten, spiegelt sich dieser Unterschied offenbar auch im Hirnstoffwechsel wider.

Die Wissenschaftler untersuchten die Auswirkung eines Nährstoffdefizits auf isolierte weibliche und männliche Gehirnzellen, die sie Mäusen und Ratten entnommen hatten. Die Zellen wurden nach der Kultivierung für 72 Stunden auf eine strenge Diät gesetzt. Bereits nach 24 Stunden zeigten sich dabei geschlechterabhängige Unterschiede. Wie die Forscher im "Journal of Biological Chemistry" schreiben, ging die Zellatmung bei den männlichen Zellen um mehr als 70 Prozent zurück, die der weiblichen dagegen nur um etwa 50 Prozent. Auch wiesen männliche Hirnzellen unter Diät eine größere Zahl sogenannter Autophagosomen auf, in denen Zellbestanteile zur Verdauung eingeschlossen waren. Weibliche Zellen verfügten sogar über einen erhöhten Gehalt an Fettsäuren und Speicherfetten. Die beobachteten Veränderungen führten bei den männlichen Zellen insgesamt zu einem früheren Absterben. Die Studienautoren betonen, dass ihre Ergebnisse zwar ein Nachweis für einen geschlechtsabhängigen Hirnstoffwechsel sind, sie bedeuteten jedoch nicht, dass ein ähnlicher Effekt auch im hungernden Organismus auftrete. Anders als in der Kulturschale, könnten hier eine Reihe zusätzlicher Kompensationsmechanismen greifen. ral


Quelle: Du, L. et al.: J. Biol. Chem. 2008; 284 (4): 2383–2396

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