Prisma

Das Immunsystem als Opioidquelle

Forschungsergebnisse von Wissenschaftlern der Berliner Charité eröffnen völlig neue Sichtweisen in der Schmerztherapie. Die Forscher fanden heraus, dass Leukozyten nach gezielter Stimulation körpereigene Opioide produzieren und somit Schmerzen in hochempfindlichen Nervenbahnen lindern können.

Amputationen, Entzündungen oder traumatische Ereignisse lassen Patienten häufig unter neuropathischen Schmerzen des peripheren Nervensystems leiden. In den meisten Fällen erfolgt eine Behandlung mit starken Analgetika – Nebenwirkungen inklusive. Berliner Forscher entdeckten in Experimenten mit Mäusen nun, dass die eigentlich für die Immunabwehr zuständigen weißen Blutkörperchen durch gezielte Aktivierung Opioide freisetzen können. Dazu operierten sie den Tieren einen Faden an den Ischiasnerv und untersuchten die an der verletzten Stelle befindlichen Leukozyten. In 30 bis 40 Prozent der weißen Blutkörperchen ließen sich opioide Substanzen nachweisen. Zur Stimulation ihrer Ausschüttung wurde den Mäusen ein körpereigenes Polypeptid gespritzt, der sogenannte Corticotropin Releasing Factor (CRF). Reaktionstests zeigten, dass die anfangs schmerzempfindlichen Hinterpfoten der Tiere eine halbe Stunde nach Injektion nicht mehr reflexartig auf Berührungen reagierten. Offensichtlich hatten die Leukozyten-Opioide entsprechende Opioidrezeptoren der peripheren Nerven besetzt, ohne im ZNS wirksam zu werden.

Die Wissenschaftler hoffen, künftig mithilfe des CRF die weißen Blutkörperchen gezielt zur Schmerzbekämpfung aktivieren zu können. Bisher neigten Schmerztherapeuten dazu, diese sogar zu blockieren, weil man vermutete, dass sie den Schmerz nicht lindern, sondern verstärken. Dies hat sich nun als Irrtum erwiesen. Im nächsten Schritt muss eine klinische Studie zeigen, ob die Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind. war

Quelle: Pressemitteilung der Charité vom 13.1.2009

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