Arzneimittel und Therapie

Zwischenbilanz beim Mammografie-Screening

Der erste Evaluationsbericht des Mammografie-Screening-Programms in Deutschland wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) und der Kooperationsgemeinschaft Mammografie (KoopG) vorgestellt. Sein Ergebnis aus den ersten drei Jahren 2005 bis 2007: Das Mammografie-Screening ist für über zehn Millionen Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren die wichtigste Maßnahme zur Brustkrebsfrüherkennung. Die große Zahl der Frauen, die der Einladung zum Screening nicht gefolgt sind, zeigt jedoch, dass noch Information- und Aufklärungsbedarf besteht.
Durch ein Mammografie-Screening werden Tumore früher erkannt. So können sich die Heilungschancen der Frauen verbessern, schonende Therapiemethoden angewendet und die Brustkrebs-bedingte Morbidität reduziert werden.
Foto: KV Bayerns

Im Juni 2002 hatte der Bundestag beschlossen, ein qualitätsgesichertes Screening-Programm zur Früherkennung von Brustkrebs in Deutschland zu starten, denn Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland und die häufigste Krebstodesursache. Auf der Grundlage der Europäischen Leitlinien für die Qualitätssicherung des Mammografie-Screenings sollte für mehr als zehn Millionen Frauen ein Angebot zur Brustkrebsfrüherkennung entstehen. Das ehrgeizige Ziel war es, durch eine Früherkennung von Brustkrebs mittels Mammografie-Screening die Sterblichkeit an Brustkrebs zu senken, indem die Diagnose bösartiger Tumoren in der Brust auf ein möglichst frühes, prognostisch günstiges Stadium vorverlegt wird. Da das langfristig angestrebte Ziel, die Senkung der Brustkrebssterblichkeit, nur dann erreicht werden kann, wenn auch möglichst viele Frauen dieses Angebot nutzen, wurde eine flächendeckende Versorgungsstruktur mit Screening-Einheiten sowie ein systematisches Einladungswesen etabliert. Da jede Screening-Einheit ca. eine Million Einwohner versorgen soll, was einer Zielpopulation von etwa 120.000 anspruchsberechtigten Frauen entspricht, wurden in Deutschland insgesamt 94 Screening-Einheiten für eine flächendeckende Umsetzung geplant. Die ersten Screening-Einheiten starteten im April 2005, Ende 2007 waren 79 Screening-Einheiten aktiv. Ein vollständiger Aufbau der insgesamt 94 Screening-Einheiten mit insgesamt 376 geplanten Mammografie-Einheiten wird 2009 abgeschlossen. Basierend auf den Krebsfrüherkennungs-Richtlinien haben alle Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf Leistungen im Rahmen des Brustkrebsfrüherkennungsprogramms. Allerdings folgten laut Bericht von den knapp drei Millionen Frauen nur etwa jede Zweite der Einladung. Die Teilnahmerate lag mit ca. 53% insgesamt noch unter dem in den EU-Leitlinien empfohlenen Wert von > 70%. Die Herausgeber des Evaluationsberichts schätzen diese erreichte Zahl bezogen auf die kurze Laufzeit des Programms dennoch als gut ein.

Doppelte und schnelle Befundung gibt Sicherheit

Die Frauen erhalten vor der Erstellung der Aufnahmen einen standardisierten Bogen zur Anamnese. Die Mammografie-Aufnahmen werden durch eine radiologische Fachkraft erstellt. Dabei werden von jeder Brust jeweils zwei Röntgenaufnahmen in zwei verschiedenen Ebenen (cranio-caudal und mediolateral-oblique) aufgenommen. Alle Aufnahmen werden von zwei Ärzten unabhängig voneinander befundet, das heißt die Befundung erfolgt ohne Kenntnis des jeweils anderen Befundergebnisses sowie räumlich oder zeitlich getrennt. Wird der Befund als Kategorie 1 (unauffällig) oder Kategorie 2 (sicher benigne) klassifiziert, erhält die Screening-Teilnehmerin einen Brief mit der Benachrichtigung, dass ein unauffälliger Befund vorliegt und die Teilnehmerin in zwei Jahren wieder zum Screening eingeladen wird. Wird der Befund von mindestens einem Arzt als Kategorie 4 (suspekte Veränderung, Malignität möglich) oder Kategorie 5 (hochgradig malignitätsverdächtiger Befund) eingestuft, wird der Befund in einer Konsensuskonferenz vorgestellt und abschließend beurteilt. Ist nach dieser abschließenden Beurteilung eine Indikation für eine weitere Abklärung gegeben, wird die betreffende Frau zur Abklärungsdiagnostik einbestellt. Das Ergebnis der mammografischen Untersuchung wird der teilnehmenden Frau in der Regel innerhalb von sieben Werktagen nach Erstellung der Aufnahmen schriftlich mitgeteilt. Ist eine weitere Abklärung erforderlich, wird der Teilnehmerin ein Termin zur Abklärungsdiagnostik mitgeteilt. Der Zeitraum zwischen Mitteilung des Verdachts und dem angebotenen Termin zur Abklärung soll eine Woche nicht überschreiten.

Mehr kleine Tumoren entdeckt

Aus dem Evaluationsbericht geht hervor, dass seit Beginn der Reihenuntersuchung auf Brustkrebs im Jahr 2005 bei wesentlich mehr Frauen Tumore entdeckt werden konnten, als in den Jahren zuvor. So wurde bei 7 bis 8 von 1000 gescreenten Frauen ein Tumor entdeckt. Ohne Screening lag diese Zahl bei 2 bis 3 von 1000 Frauen. Beim Screening fielen mit 31% ca. doppelt so viele In-situ-Karzinome und kleine invasive Karzinome mit einer Größe unter 10 Millimeter auf als vor dem Screening (14%). Für diese in einer frühen Phase entdeckten Tumoren, die noch nicht gestreut haben, ist die Prognose sehr gut. Im Vergleich zu 49% vor dem Screening waren nun bei mehr als drei Vierteln der entdeckten invasiven Karzinome die Lymphknoten noch nicht betroffen, so dass eine schonende und brusterhaltende Therapie möglich war und die erkrankungs- und therapiebedingten Leiden reduziert werden können.

Kritik am Screening

Dieses flächendeckende Screening wird jedoch auch kritisiert. Die Vorwürfe: Es sei mit 300 bis 400 Millionen Euro Kosten pro Jahr zu teuer und werde in seiner Wirkung überschätzt. Die Massenuntersuchung führe zu vielen falsch-positiven Befunden, unnötigen Operationen und Irritationen bei den Frauen. Vor allem, so die Kritiker, bleibt die wichtigste Frage noch offen. Versterben wirklich deutlich weniger Frauen an einem Mammakarzinom, wenn bis zu zehn Millionen von ihnen regelmäßig sich einer Röntgenaufnahme unterziehen? Diese Frage kann in Deutschland zum jetzigen Zeitpunkt nach der ersten Auswertung noch niemand beantworten. Experten gehen davon aus, dass frühestens im Jahr 2015 beurteilt werden kann, ob und wie viel mehr Frauen den Brustkrebs überleben als vor 2005. Schätzungen für Deutschland gehen davon aus, dass es mit konsequentem Screening jedes Jahr bis zu 2000 Brustkrebstote weniger geben könnte. Allerdings müssten dazu wesentlich mehr Frauen das Mammografie-Angebot wahrnehmen: Die Teilnehmerrate ist mit 53% zu gering. In den EU-Leitlinien wird eine Teilnehmerrate von mindestens 70% empfohlen. Mit dieser angestrebten Quote würde das Screening-Programm rund 300 Millionen Euro pro Jahr kosten. Der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses hält Kritikern entgegen, dass das in Deutschland flächendeckend eingeführte Screening das derzeit bestverfügbare Instrument ist, um bei Frauen ein Mammakarzinom möglichst frühzeitig zu entdecken und damit durch eine schnelle und zielgerichtete Behandlung die Heilungschancen zu verbessern.


Quelle

Evaluationsbericht 2005 – 2007. Ergebnisse des Mammografie-Screening-Programms in Deutschland.


ck

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