Arzneimittel und Therapie

Verbesserte Glucosetoleranz durch Voglibose

Eine japanische Studie untersuchte, wie sich der Alpha-Glucosidase-Hemmer Voglibose auf die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes bei Risikopatienten auswirkt. Ihr Resümee nach einer Zwischenanalyse: Voglibose, kombiniert mit einer Veränderung des Lebensstils, vermindert die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes bei Japanern mit hohem Erkrankungsrisiko.

Alpha-Glucosidase-Inhibitoren – bekannte Vertreter sind Acarbose und Miglitol – werden seit Jahren als Antidiabetika eingesetzt. Durch die Hemmung der zuckerspaltenden Glucosidasen im Darm führen sie zu einer verminderten Resorption von Kohlenhydraten und können dadurch den Blutzuckerspiegel senken. In einer japanischen Studie wurde nun untersucht, ob der Alpha-Glucosidase-Inhibitor Voglibose (Basen® ; in Deutschland nicht im Handel) die Glucosetoleranz verbessern kann. (Anmerkung: Aufgrund der sehr kohlenhydratreichen Nahrung werden in Ländern wie Japan und China Resorptionshemmer wesentlich häufiger eingesetzt als in Deutschland). Eine reduzierte Glucosetoleranz weist nicht nur auf die Wahrscheinlichkeit hin, einen manifesten Diabetes zu entwickeln, sondern ist auch ein prognostischer Parameter für die Gesamtmortalität und die Sterblichkeit aufgrund kardiovaskulärer Erkrankungen. Von einer verbesserten Glucosetoleranz erhofft man sich folglich eine Verringerung makrovaskulärer Schäden und eine Abnahme der kardiovaskulären Morbidität und Mortalität.

Japanische Studie mit Risikopatienten

An der multizentrischen, doppelblinden und randomisierten Studie nahmen 1780 Probanden mit einer gestörten Glucosetoleranz teil, die aber noch keinen ausgeprägten Diabetes entwickelt hatten. 897 Teilnehmer erhielten dreimal täglich 0,2 mg Voglibose, die 883 Probanden der Vergleichsgruppe ein Placebo. Alle Teilnehmer hielten eine Standarddiät ein und betrieben regelmäßig Sport. Die Behandlung erfolgte so lange, bis die Betroffenen einen Typ-2-Diabetes entwickelten (primärer Studienendpunkt), bis zum Erreichen einer Normoglykämie (sekundärer Studienendpunkt) oder mindestens drei Jahre lang. Nach einem knappen Jahr (die mediane Behandlungsdauer lag bei 48,1 Wochen) wurde eine Zwischenanalyse durchgeführt, bei der die Voglibose-Therapie besser abschnitt als die Placebobehandlung.

  • Die Patienten der Voglibose-Gruppe wiesen ein um rund 40% geringeres Risiko auf, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, als die Probanden der Vergleichsgruppe (50 vs. 106; Hazard ratio 0,595; 95% Konfidenzintervall 0,433 –0,818; p = 0,0014).
  • Die Wahrscheinlichkeit, normale Blutzuckerwerte zu erreichen, war in der Voglibose-Gruppe deutlich höher als in der Vergleichsgruppe (599 Probanden vs. 454 erzielten eine Normoglykämie; Hazard ratio 1,539; 95% Konfidenzintervall 1,357 – 1,746; p < 0,0001).
  • 90% der Probanden in der Voglibose-Gruppe vs. 85% in der Placebogruppe litten unter vorwiegend gastrointestinalen Nebenwirkungen, die meist als mild bis moderat eingestuft wurden.
  • Schwere Nebenwirkungen traten in beiden Gruppen nur vereinzelt auf (jeweils bei weniger als 1% der Teilnehmer; fünf Fälle in der Voglibose-Gruppe und zwei in der Vergleichsgruppe).

Die Studienautoren schließen aus diesen Ergebnissen, dass durch die signifikante Verbesserung der Glucosetoleranz das Fortschreiten der Erkrankung verzögert werden kann. Somit könnte bei Risikopatienten – zusätzlich zur Änderung des Lebensstils – eine Langzeitprophylaxe mit Voglibose sinnvoll sein. Ein Kommentator gibt allerdings zu bedenken, dass aufgrund der kurzen Studiendauer noch keine konkreten Aussagen über den langfristigen Nutzen einer Voglibose-Therapie gemacht werden können.

 

Quelle

Kawamori, R., et al.: Voglibose for prevention of type 2 diabetes mellitus: a randomised, double-blind trial in Japanese individuals with impaired glucose tolerance. Lancet 373, 1607 – 1614 (2009).

Scheen A.: Voglibose for prevention of type 2 diabetes mellitus. Lancet 373, 1579 – 1580 (2009).

 


Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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