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Homöopathische Arzneimittel werden genutzt und geschätzt

BONN (hb). Homöopathische Arzneimittel stehen hinsichtlich ihres Bekanntheitsgrades in der Bevölkerung und der Anzahl der Verwender immer besser dar, so das Ergebnis einer repräsentativen Bevölkerungsstudie des Instituts für Demoskopie Allensbach, die am 19. August 2009 beim Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) in Bonn vorgestellt wurde. Insgesamt ein Viertel der Bevölkerung zählt bereits zu den "überzeugten Verwendern", und auch der Kreis "potenzieller Verwender" ist groß.

Die Bevölkerungsbefragung war von Herstellern homöopathischer Arzneimittel, die sich in einer Arbeitsgemeinschaft im BAH zusammengeschlossen haben, in Auftrag gegeben worden. Im Juni 2009 wurden Bundesbürger über 16 Jahre befragt, um sich ein Bild von der Bekanntheit und Verwendung sowie von dem Image homöopathischer Arzneimittel in der Bevölkerung zu verschaffen. Allensbach-Projektleiter Dr. Steffen de Sombre präsentierte und kommentierte die zentralen Ergebnisse der Befragung.

Hiernach kennt fast die gesamte Bevölkerung in Deutschland den Begriff "homöopathische Arzneimittel" (92%), darunter in überdurchschnittlichem Anteil Frauen sowie Personen aus den westlichen Bundesländern (94%). Vor rund 35 Jahren sah das noch ganz anders aus. Damals hatten erst rund drei Viertel der westdeutschen Bevölkerung schon von homöopathischen Arzneimitteln gehört. Auch das Wissen um die Besonderheiten homöopathischer Präparate hat langfristig zugenommen. Immerhin etwa jeder sechste Bürger bringt Homöopathika heute, ohne dass ihm dazu Vorgaben gemacht werden, direkt oder indirekt mit dem Verdünnungs- oder dem Ähnlichkeitsprinzip in Verbindung.

"Überzeugte" und "potenzielle" Verwender

Noch stärker als der Bekanntheitsgrad ist der Verwenderkreis in den letzten 40 Jahren gewachsen. Hatte 1970 erst knapp jeder vierte Westdeutsche schon einmal bewusst homöopathische Mittel genommen, so sind es heute mehr als doppelt so viele (57%), und das annähernd im Schnitt über alle Bundesländer verteilt (53%).

Als "überzeugte Verwender" homöopathischer Arzneimittel charakterisiert die Studie diejenigen, die ohne Einschränkung an deren Wirksamkeit glauben (25%), siehe Abb. 1. Zu diesen zählen überdurchschnittlich viele Frauen. Weitere Schwerpunkte liegen im mittleren Lebensalter (33 bis 44 Jahre), sowie in Baden-Württemberg und Bayern, in den höheren Einkommensschichten und bei GKV-Versicherten mit einer Zusatzversicherung oder ausschließlich privat Versicherten.

Die 26% "pragmatischen Verwender" nutzen diese zwar, enthalten sich aber eines eindeutigen Urteils über die Wirksamkeit. Lediglich 2% der Bevölkerung hält homöopathische Mittel trotz eigener Erfahrungen generell für unwirksam.

Ein weiteres Drittel der Bevölkerung zählt zu den "potenziellen Verwendern". Diese bisherigen Nicht-Verwender können sich ausdrücklich vorstellen, in Zukunft homöopathische Mittel zu nehmen oder schließen das zumindest nicht aus. Lediglich 14% der Bevölkerung lehnen es ohne über eigene Erfahrungen zu verfügen ausdrücklich ab, homöopathische Arzneimittel zu verwenden.

Verwendung meist auf Empfehlung von Bekannten

Ein interessantes Ergebnis lieferte die Frage nach dem Weg des Einzelnen zu homöopathischen Arzneimitteln. Dieser führt vor allem über persönliche Empfehlungen von guten Bekannten (54%). Ärzte und Apotheker rangieren diesbezüglich erst an zweiter und dritter Stelle (37% bzw. 31%). Daneben spielen die ausdrückliche Verschreibung durch den Arzt (22%), aber auch die Medienberichterstattung eine Rolle (21%), Informationen aus dem Internet überraschenderweise mit 4% jedoch kaum. Als Anwendungsgebiete, bei denen Homöopathika laut Auskunft der Anwender erfolgreich genutzt werden, wurden an erster Stelle Erkältungen und grippale Infekte angeführt, gefolgt von Magenbeschwerden und -erkrankungen, Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden/Darmleiden und Schlaflosigkeit bis hin zu Hautkrankheiten und Kreislaufstörungen, Bronchitis, Stärkung in der Rekonvaleszenz und Sportverletzungen (siehe Abb. 2).

Verträglichkeit wird besonders geschätzt

Auf der Suche nach den Gründen für das positive Image der Homöopathika bescheinigten zwei Drittel der Bevölkerung diesen, kaum Nebenwirkungen zu haben (65%) sowie eine gute Verträglichkeit (52%). 41% glauben an die gute Eignung für Kinder, 34% schätzten die leichte Verabreichbarkeit. Lediglich 26% erachten eine Verschreibung durch den Arzt oder Heilpraktiker für notwendig, und unerwünschte Kombinationseffekte bei der Einnahme zusammen mit anderen Arzneimitteln werden noch weniger befürchtet (10%).

An der Rolle, die homöopathische Heilmittel in Deutschland spielen, wird sich auch in Zukunft nicht viel ändern, so glaubt annähernd die Hälfte der Bevölkerung. Jeder Dritte geht sogar von einem Bedeutungszuwachs aus.

Regulatorische Hürden

Möglicherweise nicht ganz so optimistisch blicken die Homöopathika-Unternehmen in die Zukunft. Wie die anderen Arzneimittel der Besonderen Therapierichtungen Phytotherapie und Anthroposophie brauchen auch homöopathische Arzneimittel eine Verkehrsgenehmigung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), bevor sie auf den Markt gebracht werden dürfen. Sowohl eine Zulassung mit Indikationen als auch eine Registrierung in einem vereinfachten Verfahren sind möglich. Laut Auskunft der Hersteller stellt der Indikationsbeleg jedoch eine kaum überwindbare Hürde dar. Auf europäischer Ebene wurde die Harmonisierung der Anforderungen vor rund zehn Jahren eingeleitet, ein, wie die zuständige BAH-Referentin Dr. Barbara Steinhoff betonte, außerordentlich schwieriger und zeitaufwendiger Prozess.

Kassenerstattung

Ein weiterer Hemmschuh für eine Anhebung der Marktbedeutung ist die Nichterstattungsfähigkeit der Präparate. Einige Krankenversicherungen bieten ihren Mitgliedern die Erstattung der ärztlichen Leistungen im Bereich der Homöopathie als Kassenleistung an, wenn die Kassenärzte die Zusatzbezeichnung "Homöopathie" führen oder Inhaber eines Homöopathiediploms sind. Seit 2007 können darüber hinaus gesetzliche Krankenkassen die Erstattung von Arzneimitteln der Besonderen Therapierichtungen wie homöopathische Arzneimittel als sogenannte Wahlleistung anbieten. Dies war in der Allensbach-Befragung übrigens nur wenigen (11% der Bevölkerung) bekannt. Außerdem verfügen einige private Krankenversicherungen über spezielle Tarife für die ärztliche Homöopathie im Rahmen einer privaten Zusatzleistung für gesetzlich Versicherte.

Tag der Homöopathie

Am 13. September 2009 (oder zeitnah) bieten die folgenden Unternehmen unter dem gemeinsamen Motto "Homöopathie entdecken" verschiedene Veranstaltungen zur homöopathischen Therapierichtung an:
Biologische Heilmittel Heel GmbH, www.heel.de
Hevert-Arzneimittel GmbH & Co. KG, www.hevert.de
Pekana Naturheilmittel GmbH, www.pekana.de
Homöopathisches Laboratorium A. Pflüger GmbH & Co. KG, www.pflueger.de
Truw Arzneimittel GmbH, www.truw.de.
Das Angebot richtet sich an Fachleute, interessiertes Laienpublikum und Journalisten und umfasst beispielsweise Führungen durch die Produktionsanlagen und Kräutergärten wie auch Fachvorträge zur Homöopathie.
Abb. 1: Fast die gesamte Bevölkerung kennt den Begriff "homöopathische Arzneimittel". Ein Viertel nutzen diese und sind von deren Wirksamkeit überzeugt.
Abb. 2: Als Anwendungsgebiete, bei denen Homöopathika erfolgreich angewendet werden, wurden an erster Stelle Erkältungen und grippale Infekte angeführt, gefolgt von Magenbeschwerden und -erkrankungen, Kopfschmerzen, sowie Verdauungsbeschwerden.

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