DAZ aktuell

Austauschpflicht belastet Schmerzpatienten

BERLIN (tmb). Der Austausch wirkstoffgleicher Opioide kann im Versorgungsalltag zu einer beträchtlichen Zunahme der Schmerzintensität bei chronischen Schmerzen führen. In einer Studie an 424 Schmerzpatienten unter Opioidmedikation war eine Präparateumstellung für 85 Prozent der Patienten mit einer signifikanten Schmerzzunahme, Nebenwirkungen oder nennenswerten Beeinträchtigungen der Lebensqualität verbunden. Das Einsparpotenzial erscheint dagegen nur gering.

Auf diese Ergebnisse verweist "Gerechte Gesundheit – Der Newsletter zur Verteilungsdebatte" in seiner August-Ausgabe unter Berufung auf Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, den Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie (DGS). Auch bei gleichem Wirkstoff in gleicher Menge seien in der Studie Wirkungsunterschiede nachgewiesen worden. Von den 424 Studienpatienten mit chronischen Schmerzen berichteten 81 (19,1 Prozent) keine nennenswerte Änderung der durchschnittlichen Schmerzintensität, 20 (4,7 Prozent) eine geringe Schmerzabnahme, aber 323 (76,2 Prozent) eine zum Teil erhebliche Schmerzzunahme. Auf einer elfstufigen Schmerzskala gaben 18,6 Prozent der Patienten um bis zu fünf Punkte stärkere Schmerzen und 13,7 Prozent sogar noch stärkere Schmerzzunahmen an.

Einsparungen sehr fraglich

Nach Einschätzung von Müller-Schwefe würden die Patienten durch die wechselnden Arzneimittelpackungen verunsichert und verärgert – mit entsprechenden Folgen für die Compliance und für Medikationsfehler. Außerdem würden die Patienten durch die unterschiedliche Galenik bei substituierten Präparaten unkontrollierten Freisetzungen und Überdosierungen ausgesetzt. Müller-Schwefe berichtete zudem über das vermehrte (Wieder-)Auftreten von Schmerzen und über neue Nebenwirkungen durch den Austausch. Den angestrebten Kosteneinsparungen stünden erhöhte Kosten durch zusätzliche Arztkontakte, korrigierende Verordnungen und Krankenhausaufenthalte gegenüber. Die theoretische Senkung der mittleren Tagestherapiekosten um 0,96 Euro bilde dagegen ein eher geringes Einsparpotenzial.

Wissenschaftler aus der DGS fordern daher, die unselektive Substitution von Opioiden zu hinterfragen. Einsparungen seien nur zu befürworten, "wenn sie medizinisch problemlos, ethisch vertretbar und im Gesamtkontext sinnvoll sind".

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