Arzneimittel und Therapie

Sicherheit von Metoclopramid in Kohortenstudie bestätigt

Eine retrospektive Kohortenstudie aus Israel kommt zum Schluss, dass eine mütterliche Metoclopramid-Einnahme während der ersten Schwangerschaftswochen keine negativen Auswirkungen auf den Fötus hat.

Rund 50 bis 80% aller Schwangeren leiden während der ersten Schwangerschaftsmonate an Erbrechen und Übelkeit. In der Regel sistieren die Beschwerden in den ersten 20 Schwangerschaftswochen, halten aber bei rund einem Fünftel der Betroffenen die gesamte Gravidität an. Medikamentöse Maßnahmen werden zurückhaltend eingesetzt, um den heranwachsenden Fötus keiner potenziell teratogenen Wirkung auszusetzen. In den USA und Kanada werden bevorzugt Pyridoxin und Doxylamin eingesetzt, in einigen europäischen Ländern und Israel Metoclopramid. Trotz der häufigen Verwendung des Dopaminrezeptor-Antagonisten Metoclopramid bei Übelkeit und Erbrechen liegen nur wenige Studien vor, in denen die Sicherheit einer Metoclopramidtherapie während der Schwangerschaft untersucht wurde. Es ist aber bekannt, dass unter Metoclopramid unerwünschte Wirkungen wie Dyskinesien auftreten können. In den deutschen Fachinformationen wird entsprechend auf die Gefahr extrapyramidal-motorischer Nebenwirkungen hingewiesen. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA sieht in Metoclopramid den Hauptverursacher von Medikamenten-induzierten Dyskinesien. Sie hat kürzlich verfügt, dass in den USA in den Fachinformationen von Metoclopramid-haltigen Arzneimitteln auf das Risiko einer tardiven Dyskinesie (Spätdyskinesie) in Form eines umrahmten Warnhinweises (Boxed Warning) hingewiesen wird. Hersteller müssen sicherstellen, dass Patienten durch entsprechendes Informationsmaterial aufgeklärt werden.

Empfehlungen in Deutschland

Empfehlungen zur ambulanten Therapie bei Schwangerschaftserbrechen umfassen eine ausführliche Ernährungsberatung (kohlenhydratreiche, fettarme Kost verteilt auf häufige kleine Mahlzeiten, Meiden unangenehmer Gerüche), die emotionale Unterstützung und gegebenenfalls eine psychosomatische Betreuung. Zur medikamentösen Behandlung können Vitamin B6 (Pyridoxin), Antihistaminika (Meclozin, Dimenhydrinat, Diphenhydramin) oder Metoclopramid verabreicht werden. In schweren Fällen einer Hyperemesis gravidarum kann der Einsatz von Ondansetron oder Promethazin erwogen werden. Zusätzliche Alternativen sind Akupressur und Ingwerextrakte. Obwohl Ingwer nicht fruchtschädigend zu sein scheint, sind eventuelle Nebenwirkungen und die optimale Dosis noch nicht bekannt.

Quelle: Mylonas I., et al.: Erbrechen in der Schwangerschaft. Deutsches Ärzteblatt 104, A 1821-1826 (2007).

Kohortenstudie in Israel

Nun erfasste eine israelische Arbeitsgruppe mithilfe einer Datenbankanalyse im Zeitraum von Januar 1998 bis März 2007 anhand registrierter Verschreibungen alle Frauen in einem südlichen Distrikt von Israel, die Metoclopramid eingenommen hatten. Während dieser Zeit wurden im selben Distrikt 81.703 Geburten (keine Mehrlingsgeburten) verzeichnet. Die Neugeborenen wurden zwei Gruppen zugeordnet und zwar einer Gruppe, bei der die Mütter während der Schwangerschaft Metoclopramid eingenommen hatten (n = 3458) und der Vergleichsgruppe, in der die Mütter kein Metoclopramid eingenommen hatten (n = 78.245). Anschließend wurde in beiden Gruppen das Auftreten folgender Parameter bestimmt:

  • schwere kongenitale Fehlbildungen
  • niedriges Geburtsgewicht
  • perinatale Todesfälle
  • Frühgeburten
  • Apgar Score (Skala zur Beurteilung des klinischen Zustands)

Insgesamt 4,2% der Neugeborenen waren während des ersten Schwangerschaftsdrittels einer mütterlichen MCP-Einnahme ausgesetzt. Im Vergleich mit den anderen Neugeborenen wiesen sie kein erhöhtes Risiko für die ermittelten Parameter auf (siehe Tabelle). Das Fazit der Autoren: Die Einnahme von Metoclopramid im ersten Trimenon führt zu keinen fötalen Schäden.

Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft Metoclopramid eingenommen hatten, zeigten im Vergleich zu Neugeborenen, deren Mütter kein Metoclopramid erhalten hatten, keine erhöhte Rate schwerwiegender Komplikationen.
mütterliche MCP-Einnahme
n = 3458
keine mütterliche MCP-Einnahme
n = 78.245
Odds ratio
(95% Konfidenzintervall)
Odds ratio*
(95% Konfidenzintervall)
schwere kongenitale
Fehlbildungen
182 (5,3%)
3834 (4,9%)
1,10 (0,93 –1,26)
1,04 (0,89 –1,21)
Frühgeburten
219 (6,3%)
4593 (5,9%)
1,08 (0,94 –1,25)
1,15 (0,99 –1,34)
niedriges Geburtsgewicht
(< 2500 g)
295 (8,5%)
6497 (8,3%)
1,03 (0,91 –1,16)
1,01 (0,89 –1,14)
perinatale Todesfälle
53 (1,5%)
1708 (2,2%)
0,70 (0,53 – 0,92)
0,87 (0,55 –1,38)
Apgar-Score

< 7

188 (5,6%)
4149 (5,5%)
1,02 (0,87 –1,18)
0,97 (0,84 –1,13)
*unter Berücksichtigung möglicher Risikofaktoren (u. a. mütterliches Alter, ethnische Zugehörigkeit, Diabetes, mütterliches Rauchverhalten)

Quelle

Matok I., et al.: The safety of metoclopramide use in the first trimester of pregnancy. N Engl J Med 360, 2528-2535 (2009).


Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

Zum Weiterlesen

FDA warnt vor Spätdyskinesie unter Metoclopramid.

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