Arzneimittel und Therapie

Senken Statine bei Dialysepatienten das Risiko?

Dialysepatienten weisen ein hohes kardiovaskuläres Risiko auf. Die Therapie mit Statinen senkt zwar die Lipidwerte, hat aber keinen Einfluss auf kardiovaskuläre Ereignisse, wie eine jüngst veröffentlichte Langzeitstudie mit Rosuvastatin zeigte. Der Grund hierfür ist wahrscheinlich in pathogenetischen Besonderheiten der renalen Gefäßverkalkung zu suchen.
Hämodialyse Eine Therapie mit Rosuvastatin scheint für dialysepflichtige Patienten keinen relevanten Nutzen zu haben. Sie erniedrigt zwar den Cholesterinspiegel und die Entzündungsmarker, die erhoffte Reduktion kardiovaskulärer Erkrankungen und eine Verringerung der Sterblichkeitsrate konnte jedoch nicht beobachtet werden.

Foto: Fresenius Medical Care

Patienten, die sich einer Hämodialyse unterziehen müssen, haben ein hohes kardiovaskuläres Risiko. Die vermehrt auftretenden kardiovaskulären Ereignisse umfassen vor allem den plötzlichen Herztod und Herzversagen, weniger häufig den Myokardinfarkt. Somit liegt bei Patienten mit Nierenversagen ein anderes Muster kardiovaskulärer Ereignisse vor als bei nierengesunden kardiovaskulären Risikopatienten. Auch zeigt sich bei Nierenkranken keine klare Korrelation zwischen der kardiovaskulären Erkrankung und typischen Risikofaktoren; so ist bei ihnen etwa der LDL-Wert häufig normal oder niedrig. Daher ist umstritten, ob mit Hilfe einer Statintherapie das erhöhte kardiovaskuläre Risiko bei Hämodialysepatienten gesenkt werden kann.

Studie mit Rosuvastatin

Um diese Frage zu beantworten, wurde eine prospektive, randomisierte, doppelblinde, multizentrische und placebokontrollierte Studie (Aurora = a study to evaluate the use of rosuvastatin in subjects on regular hemodialysis: an assessment of survival and cardiovascular events) durchgeführt. An ihr nahmen 2776 Probanden im Alter von 50 bis 80 Jahren teil, die sich aufgrund einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung einer Hämodialyse unterziehen mussten. 1391 Patienten erhielten neben ihrer üblichen Medikation einmal täglich 10 mg Rosuvastatin, 1385 Teilnehmer ein Placebo. Der kombinierte primäre Studienendpunkt setzte sich aus Tod aufgrund kardiovaskulärer Ereignisse, Herzinfarkt ohne tödlichen Ausgang und Schlaganfall ohne letalen Ausgang zusammen. Sekundäre Studienendpunkte umfassten unter anderem die Gesamtmortalität, das Überleben ohne kardiovaskuläre Ereignisse sowie verschiedene kardiale und vaskuläre Ereignisse. Das durchschnittliche Follow-up betrug 3,8 Jahre.

Kein kardiovaskulärer Benefit

Durch die Statingabe wurde nach drei Monaten eine Reduktion der LDL-Werte um median 43% erreicht. Diese Lipidsenkung wirkte sich allerdings nicht auf den primären Studienendpunkt aus, den im Beobachtungszeitraum von knapp vier Jahren 396 Patienten der Verumgruppe und 408 Probanden der Vergleichsgruppe erreichten. Das entspricht 9,2 (unter der Verumtherapie) und 9,5 (unter der Placebotherapie) Ereignisse auf einhundert Patientenjahre (Hazard ratio 0,96; 95% Konfidenzintervall 0,84 bis 1,11; p = 0,59). Auch beeinflusste die Statintherapie weder einzelne Aspekte des kombinierten primären Endpunktes noch die Gesamtmortalität (13,5 Ereignisse unter der Verumtherapie vs. 14 Ereignisse unter der Placebobehandlung auf jeweils einhundert Patientenjahre; Hazard ratio 0,96; 95% Konfidenzintervall 0,86 bis 1,07; p = 0,51).

Nutzen der Statin-Therapie nicht belegt

Obige Studie zeigt ähnliche enttäuschende Resultate wie die deutsche 4D-Studie (Deutsche Diabetes Dialyse Studie), in der Atorvastatin gegen Placebo bei mehr als 1200 Dialysepatienten mit Typ-2-Diabetes und erhöhten LDL-Werten untersucht wurde. Auch hier konnten trotz Reduktion der LDL-Werte die primären kardiovaskulären Studienendpunkte durch die Statingabe nicht signifikant gesenkt werden und die Rate der Schlaganfälle war sogar angestiegen. Das Ergebnis einer weiteren Studie mit rund 9000 Probanden (Sharp-Studie = Study of heart and renal protection mit Simvastatin und Ezetimib) steht noch aus.

Ein Kommentator befasst sich mit den Studienergebnissen und kommt zum Schluss, dass der Nutzen, den eine Statintherapie bei nierengesunden kardiovaskulären Risikopatienten aufweist, nicht auf Hämodialysepatienten übertragen werden könne, da bei ihnen eine andere Pathogenese der Gefäßverkalkung vorliegt. Die Suche nach einer geeigneten Therapie zur Reduktion des kardiovaskulären Risikos bei Hämodialysepatienten geht also weiter.

Quelle

Fellström B.; et al.: Rosuvastatin and cardiovascular events in patients undergoing hemodialysis. N. Engl. J. Med. 2009; 360: 1395-1407.

Strippoli G.; et al.: Sunset for statins after aurora? N. Engl. J. Med. 2009; 360: 1455-1457.

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

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