Arzneimittel und Therapie

Galantamin bessert Kognition auch bei schwerer Demenz

Der Acetylcholinesterasehemmer Galantamin ist zur symptomatischen Behandlung der leichten bis mittelschweren Demenz zugelassen. Die Serad-Studie zeigt nun, dass der Wirkstoff auch bei schwerer Demenz gut verträglich und sicher ist: Galantamin führte im Vergleich zu Placebo zu einer signifikanten Verbesserung der Kognition, nicht jedoch der Alltagsfähigkeiten.

Die Alzheimer Demenz entwickelt sich über Jahre und wandelt dabei auch ihr Gesicht. Laut Prof. Dr. Matthias Riepe, Leiter der Sektion Gerontopsychiatrie an der Universität Ulm, stellt sich daher die Frage, ob die Medikamente, die anfänglich gegeben werden, auch "für das Ende" die richtige Wahl sind. Für den Acetylcholinesterasehemmer Galantamin (Reminyl®) geben nun die Ergebnisse der Serad(Safety and Efficacy of galantamine in severe Alzheimer‘s Disease)-Studie Aufschluss, der bislang größten Untersuchung zur Therapie der schweren Demenz.

In der multizentrischen Studie wurden knapp 300 Patienten mit schwerer Alzheimer Demenz randomisiert mit Galantamin oder Placebo zunächst über sechs Monate doppelblind, dann über weitere sechs Monate offen behandelt. Auch bei diesen schwer Kranken war die Verträglichkeit des Acetylcholinesterasehemmers hoch. Die Zahl der Patienten mit wenigstens einer Nebenwirkung bzw. einer schweren Nebenwirkung war etwa vergleichbar (Galantamin versus Placebo: 88,4% versus 8,5%; 17,9% versus 20,5%). Die Mortalität war unter Galantamin geringer als unter Placebo (3,9% versus 10,5%). Zudem gab es keine klinisch relevanten Effekte von Galantamin auf den Blutdruck.

Klinisch relevanter Vorteil

Die Wirksamkeit wurde anhand von zwei primären Endpunkten erfasst, einmal der Veränderung der Kognition, gemessen anhand der Severe Impairment Battery (SIB), und der Aktivitäten des täglichen Lebens, erhoben anhand der MDS-ADL (Minimum Data Set Activities of Daily Living), innerhalb von 26 Wochen. Der SIB-Wert besserte sich unter Galantamin, während er unter Placebo zurückging in einer "durchaus klinischen Relevanz", so Riepe. Dabei kam es unter Galantamin zunächst zu einem deutlichen Anstieg der kognitiven Fähigkeiten, der allmählich zurückging, während die Kognition unter Placebo kontinuierlich abnahm. Vor allem das Gedächtnis, das Sprachvermögen und das visuell-räumliche Erkennen besserten sich unter dem Acetylcholinesterasehemmer deutlich. Keine statistisch signifikanten Unterschiede wurden dagegen in den Aktivitäten des täglichen Lebens beobachtet, allerdings mit einem Trend zum Vorteil von Galantamin. 

 

Quelle

Prof. Dr. Matthias Riepe, Ulm: "Serad-Studie: Effekte von Galantamin bei Patienten mit schwerer Alzheimer Demenz", Hamburg, 10. September 2008, veranstaltet von der Janssen-Cilag GmbH, Neuss.

 


Apothekerin Dr. Beate Fessler

 

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