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Drogenbeauftragte will TV-Alkoholwerbung einschränken

BERLIN (ks). Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), will im Zuge des Aktionsprogramms zur Alkohol- und Tabakprävention die Alkoholwerbung im Fernsehen auf die Zeit nach 20 Uhr beschränken. Außerdem will sie, dass Zigarettenpackungen mit abschreckenden Bildern versehen werden. Der drogen- und suchtpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Detlef Parr, hält die Vorschläge für überzogen.

Alkoholwerbung beeinflusse Kinder und Jugendliche, "mehr Alkohol zu trinken und verführt zu einem früheren Trinkbeginn", erklärte Bätzing vergangene Woche gegenüber der "Leipziger Volkszeitung". Sie will überdies einen neuen Anlauf zum Einsatz jugendlicher Alkohol-Testkäufer starten. Hierfür sollen jedoch verbindliche Voraussetzungen gelten. So muss etwa eine elterliche Einwilligung vorliegen und der Testkäufer von einem Beamten in Zivil begleitet werden. Ferner macht sich Bätzing für eine einheitliche Alkoholgrenze von 0,3 Promille im Straßenverkehr stark. Wer unbedingt wolle, könne ein alkoholisches Getränk zu sich nehmen – mehr aber auch nicht, sagte sie. Bätzing kündigte zudem an, Zigarettenschachteln bis Ende nächsten Jahres mit Schockfotos versehen zu wollen. So solle unmissverständlich mit Botschaften, die sich gezielt an einzelne Gruppen richteten, über die Gefahren des Rauchens informiert werden.

Der FDP-Politiker Parr hält den Vorschlag, die Alkoholwerbung im Fernsehen einzuschränken, für einen "weiteren überzogenen Schritt" der Bundesregierung. Es gebe bislang keine Belege dafür, dass die Werbeaktivitäten der Alkoholindustrie das Konsumverhalten jugendlicher Problemgruppen wesentlich beeinflusse, konterte er der "Berliner Zeitung". Eine Verbotsrepublik aber könne nicht das Ziel sein. Eine risikolose Gesellschaft lasse sich nicht anordnen, sagte Parr. Auch von Schockbildern auf Zigarettenschachteln hält der Liberale nicht viel: "Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat diese Initiative bereits bewertet. Mit Abschreckung erreicht man die Problemgruppen eben nicht. Das ist reine Symbolpolitik." Parrs Anregung lautet: "Mit Humor erreicht man im Zweifel mehr als mit dem erhobenen Zeigefinger und Verboten."

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