Arzneimittel und Therapie

Desmopressin gegen Nykturie bei nächtlicher Polyurie

Übermäßiger nächtlicher Harndrang ist eine der Hauptursachen für Schlafstörungen. Bereits zwei Toilettenbesuche pro Nacht werden als Nykturie bezeichnet. Folgen dieses Schlafmangels sind unter anderem Tagesmüdigkeit, Depressionen und eingeschränkte Lebensqualität. Jetzt steht ein Desmopressin-Präparat (Nocturin®) zur Verfügung, das zur Behandlung der Nykturie in Zusammenhang mit nächtlicher Polyurie zugelassen ist. Der Vorteil: Die erste Schlafperiode wird signifikant verlängert, wodurch die Lebensqualität deutlich verbessert wird.

Desmopressin (1-Desamino-8-D-Arginin-Vasopressin) ist ein synthetisches Analogon des natürlichen Peptidhormons Vasopressin (Adiuretin, ADH). Es besteht aus neun Aminosäuren, mit einem deaminierten N-terminalen Cystein und einem D-Arginin an Position 8. Desmopressin zeigt gegenüber Vasopressin eine Steigerung und Verlängerung der antidiuretischen Wirkung durch eine langsamere metabolische Clearancerate.

Es ist bisher zugelassen

  • zur symptomatischen Behandlung von Nykturie (mindestens zweimaliges nächtliches Wasserlassen) bei Erwachsenen, in Zusammenhang mit nächtlicher Polyurie.

  • traumatisch bedingte Polyurie und Polydipsie bei Vorliegen eines passageren ADH-Mangels nach Hypophysektomie, nach Operationen im Hypophysenbereich oder Schädelhirntraumen;

  • zur Behandlung der Enuresis nocturna: im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzeptes, wie z. B. bei Versagen anderer nicht medikamentöser Therapiemaßnahmen oder bei Indikation für eine medikamentöse Therapie oder wenn die Enuresis nocturna durch nächtlichen ADH-Mangel verursacht wird;

  • bei einem zentralen Diabetes insipidus.

Die nächtliche Polyurie, die sich klinisch als Nykturie äußert, gilt als eine der häufigsten Ursachen für Schlafstörungen. Zwei oder mehr nächtliche Störungen infolge eines Harndrangs werden dabei als Nykturie bezeichnet und gelten bereits als krankhaft. Eine nächtliche Polyurie liegt vor, wenn die in der Nacht ausgeschiedene Menge an Harn mehr als ein Drittel der 24-Stunden-Harnmenge beträgt. Der in der Folge entstehende Schlafmangel kann zu schwerwiegenden Folgeerscheinungen führen: Tagesmüdigkeit, verringerte Vitalität, eingeschränkte Leistungsfähigkeit, Schwindel, Konzentrations- und Koordinationsstörungen, reduzierte Infektabwehr bis hin zur Depression. Für Patienten bedeutet dies einen großen Leidensdruck. Die nächtlichen Störungen bergen zudem für ältere Patienten zusätzlich ein erhöhtes Sturz- und Frakturrisiko sowie eine erhöhte Morbidität und Mortalität. Mögliche Ursachen für die nächtliche Polyurie kann neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2, Schlafapnö oder einer gutartigen Vergrößerung der Prostata (benigne Prostatahyperplasie, BPH) eine verringerte ADH-Wirkung sein.

Desmopressin reduziert die nächtliche Diurese

Durch die Veränderungen im Desmopressinmolekül geht die vasopressorische Wirkung des Moleküls weitgehend verloren, während die antidiuretische Wirkung verlängert wird. Desmopressin erhöht in den distalen Nierentubuli und den Sammelrohren der Niere die Permeabilität für Wasser und damit die Wasserrückresorption aus dem Primärharn. Die orale Gabe von Desmopressin führt zu einem antidiuretischen Effekt zwischen sechs und 14 Stunden Dauer. Mit einer gezielten Behandlung der Nykturie mit Desmopressin kann die nächtliche Harnausscheidung reguliert und die Anzahl der nächtlichen Toilettengänge reduziert werden.

Zur Therapie der Nykturie wird eine Anfangsdosierung von 0,1 mg Desmopressin vor dem Zubettgehen empfohlen. Ist diese Dosis nicht ausreichend, kann sie nach einer Woche auf 0,2 mg und von da an wöchentlich bis auf maximal 0,4 mg erhöht werden. Die nächtliche Flüssigkeitszufuhr ist so weit als möglich einzuschränken. Bei Nykturie-Patienten sollten vor Therapiebeginn mindestens über einen Zeitraum von 48 Stunden die Zeitpunkte des Wasserlassens dokumentiert und die jeweilige Urinmenge gemessen werden. Außerdem sollte vor Therapiebeginn der Serum-Natriumspiegel bestimmt werden. Zu Beginn der Behandlung sowie nach Dosiserhöhung sollte für einige Tage das Körpergewicht kontrolliert werden. Gleichzeitige Nahrungsaufnahme kann die Stärke und Dauer des antidiuretischen Effekts niedriger Desmopressindosen reduzieren.


Quelle

Fachinformation Nocturin, Stand August 2008.

Pressemitteilung der Ferring GmbH.


ck

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