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Streik der Erzieherinnen

Barbara Neusetzer

Seit Wochen werden kommunale Kindertagesstätten bestreikt. Die 220.000 Erzieherinnen gehen auf die Straße, um für bessere Arbeitsbedingungen und insbesondere einen stärkeren Gesundheitsschutz zu protestieren. Ver.di und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordern dafür einen speziellen Tarifvertrag. Dabei geht es vor allem um kleinere Gruppen und einen günstigeren Personalschlüssel, um bessere Lärmdämmung, eigene Pausenräume sowie um ergonomisches Mobiliar wie elektrisch höhenverstellbare Wickeltische und Schulungen zur richtigen Körperhaltung und Entlastung des Rückens. Der Krankenstand unter den Erzieherinnen ist hoch, nur wenige halten die physischen und psychischen Belastungen bis ins Rentenalter durch. Eine Umsetzung der Forderungen käme aber auch den Kindern selbst zugute, denn bei Gruppengrößen von 25 Kindern plus zwei Erzieherinnen und dem entsprechenden Unruhe- und Lärmpegel ist vorschulisches Lernen in der Kita kaum möglich. Genau dies ist aber eine der Erwartungen, die zu Recht heute an die frühkindliche Erziehung und Bildung gestellt wird.

Neben den gesundheitlichen Aspekten verhandeln die Gewerkschaften auch über eine deutlich bessere Entlohnung für die anspruchs- und verantwortungsvolle Tätigkeit der Erzieherinnen. Denn wie für andere Frauenberufe typisch, sind die überwiegend weiblichen Kita-Beschäftigten schlecht bezahlt. Nach einer fünfjährigen Ausbildung kommen bei einer vollen Stelle nur 1200 bis 1300 Euro netto heraus. Vor dem Hintergrund, dass bis 2013 laut ver.di 80.000 neue Erzieherinnen gebraucht werden, ist es umso dringlicher, den Beruf attraktiver zu machen. So haben selbst Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) und SPD-Chef Franz Müntefering die Streikenden unterstützt.

Auch ADEXA erklärt sich solidarisch mit den Forderungen der Erzieherinnen. Gelder aus den staatlichen Konjunkturprogrammen wären besser und nachhaltiger in diesem Bereich investiert als in Abwrackprämien oder neuen Straßen. Dass der Streik für die betroffenen Eltern und Kinder nicht einfach ist, ist dabei eine andere Sache.

Im Übrigen zeigt der Streik aber auch, dass bessere Tarifverträge vom gewerkschaftlichen Engagement jeder einzelnen Arbeitnehmerin und jedes einzelnen Arbeitnehmers abhängen.

Barbara Neusetzer, ADEXA, Erste Vorsitzende

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