Arzneimittel und Therapie

Neues Wirkprinzip: Selektive Adenosin-A1-Blockade

Klinikeinweisungen wegen akut dekompensierter Herzinsuffizienz sind häufig. Für die Therapie werden neue Wirkprinzipien verfolgt, die direkt am Myokard oder primär an der Niere angreifen. Der erste selektive Adenosin-A1-Rezeptorantagonist Rolofyllin wird bereits in einer Phase-III-Studie untersucht.
Rolofyllin

Luftnot, Wasseransammlungen im Körper und erhebliche Belastungsunfähigkeit kennzeichnen die Symptomatik bei Herzinsuffizienz, die mit einer sehr hohen Letalität einhergeht. "Bei der akuten Dekompensation einer chronischen Herzinsuffizienz versterben etwa 25% der Patienten noch in der Klinik oder binnen vier Wochen nach dem Krankenhausaufenthalt", erläuterte Prof. Dr. Michael Böhm vom Universitätsklinikum Saarland.

Innovativ: Angriff am Myokard oder an der Niere

Die derzeit eingesetzten Medikamente wie ACE-Hemmer, Betablocker, Diuretika und Aldosteronrezeptorantagonisten setzen nicht primär am Herzen an, sondern greifend hemmend in neurohumorale Kompensationsmechanismen ein. Inzwischen gibt es jedoch neue Medikamente, die auf andere Wirkprinzipien setzen. Direkt am Myokard greifen Levosimendan und andere Myosin-Aktivatoren an, indem sie die Kraft der Myofilamente steigern. Istartoxim wirkt, wie die früher häufig eingesetzten Digitalisglykoside, positiv inotrop durch Hemmung der Na+ /K+ -ATPase, allerdings ohne deren proarrhythmisches Risiko. Als "spannend" bezeichnete Prof. Dr. Thomas Eschenhagen vom Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie in Hamburg neue Entwicklungen, die primär an der Niere angreifen. Dazu gehört der Vasopressin-V2 -Rezeptorantagonist Tolvaptan, der in den USA zur Behandlung einer Hyponatriämie mit Auflagen zugelassen wurde. In der klinischen Entwicklung ist mit Rolofyllin auch der erste selektive Adenosin-A1 -Rezeptorantagonist. Er greift an der Niere in den glomerulo-tubulären Feedback-Mechanismus ein und hemmt die Adenosin-vermittelte Verengung des zuführenden Gefäßes für das Glomerulum, des Vas afferens, und die Adenosin-vermittelte Rückresorption von Natrium im proximalen und distalen Tubulus. Erreicht wird so eine Steigerung der glomerulären Filtrationsrate und Diurese.

Filtrationsrate hoch, Serumkreatinin runter

Rolofyllin wird bereits an Patienten mit Herzinsuffizienz und eingeschränkter Nierenfunktion geprüft. In einer Phase-II-Studie bei 181 Patienten mit akut dekompensierter Herzinsuffizienz und eingeschränkter Nierenfunktion erwies sich eine Dosierung von 30 mg pro Tag über drei Tage als optimal, um eine Verbesserung der Nierenfunktion mit einem Anstieg der glomerulären Filtrationsrate und einem Abfall des Serumkreatinins zu erreichen. Tendenziell war auch eine Reduktion der erforderlichen Diuretikadosen möglich. Einzige Nebenwirkung war ein Krampfanfall bei einem Patienten mit vorbestehender Hirnschädigung. In der Protect-Pilotstudie (Placebo-controlled Randomized study of the selective A1 adenosine receptor antagonist KW-3902 for patients hospitalized with acute HF and volume overload to assess treatment effect on congestion and renal function), einer Phase-III-Studie, wurde der Effekt von Rolofyllin an 301 Patienten mit akuter Herzinsuffizienz untersucht, die innerhalb von 24 Stunde nach Aufnahme in ein Krankenhaus behandelt wurden. Neben einer besseren Nierendurchblutung und einer höheren Ausscheidung nierengängiger Stoffe wurde unter Rolofyllin auch ein günstigerer klinischer Verlauf beobachtet, nämlich eine Verbesserung der subjektiven Beschwerden, wie etwa die Dyspnö, sowie eine Reduktion der Mortalität und der erneuten Krankenhauseinweisungen über ein Follow up von zwei Monaten. Die Protect-Hauptstudie, die 2000 Patienten mit akuter Herzinsuffizienz und mäßig eingeschränkter Nierenfunktion einschließt, wurde inzwischen begonnen.

Quelle

Prof. Dr. Michael Böhm, Homburg; Prof. Dr. Thomas Eschenhagen, Hamburg: "Herzinsuffizienz – eine Herausforderung an Forschung und Therapie", Wiesbaden, 19. April 2009, veranstaltet von der MSD Sharp & Dohme GmbH, Haar.

Apothekerin Dr. Beate Fessler

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