Arzneimittel und Therapie

Metamizol nur bei starken Schmerzen anwenden!

Da in den letzten Jahren die Zahl der Verordnungen von Metamizol in Deutschland kontinuierlich zugenommen hat und im gleichen Maße auch die Anzahl der Meldungen über zum Teil schwerwiegende unerwünschte Arzneimittelwirkungen zunahm, nimmt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte dies zum Anlass, auf die Notwendigkeit einer richtigen Indikationsstellung und die Beachtung von Vorsichtsmaßnahmen und Warnhinweisen hinzuweisen.

Metamizol (z. B. Analgin® , Berlosin® , Novapin® , Novalgin®) ist ein verschreibungspflichtiges Analgetikum und Antipyretikum aus der Gruppe der Pyrazolone. Der Wirkungsmechanismus ist nicht vollständig aufgeklärt. Es wird vermutet, dass Metamizol und der Hauptmetabolit (4-N-Methylaminoantipyrin) sowohl einen zentralen als auch einen peripheren Wirkungsmechanismus hat. Metamizol ist ausschließlich zur Behandlung von starken Schmerzen zugelassen. Hierzu gehören akute Schmerzen nach Verletzungen oder Operationen, Schmerzen bei Koliken und Tumorschmerzen sowie sonstige Schmerzen, falls andere analgetische Maßnahmen nicht geeignet sind. Außerdem ist Metamizol zugelassen zur Behandlung von hohem Fieber, das auf andere Maßnahmen nicht anspricht. Metamizol darf nicht angewendet werden bei leichten oder mittelstarken Schmerzen oder zur Therapie von Fieber, wenn nicht vorher andere Antipyretika angewendet wurden und keine ausreichende Wirksamkeit gezeigt haben.

Eine Agranulozytose ...

  • ist eine auf einem Immunmechanismus beruhende dosisunabhängige Schädigung neutrophiler Granulozyten oder der Knochenmarkvorläuferzellen.
  • ist durch eine hochgradige Granulozytopenie gekennzeichnet. Die Zahl der Granulozyten kann auf unter 500 Zellen/µl Blut sinken.
  • ist als unerwünschte Wirkung von Analgetika, Sedativa, Antidiabetika, Diuretika, Goldverbindungen oder Antibiotika bekannt.
  • ist als Folge einer als dosisabhängigen toxischen Schädigung der Knochenmarkvorläuferzellen z. B. durch Phenothiazine und Thiamazol bekannt.
  • führt zu schweren bakteriellen Infektionen mit Fieber, Schüttelfrost, Tachykardie.

Zeichen einer Agranulozytose beachten

Eine mögliche Nebenwirkung der Behandlung mit Metamizol ist die Entwicklung einer Agranulozytose, welche einen tödlichen Ausgang haben kann. Da verschiedene Studien unterschiedliche Ergebnisse zur Häufigkeit dieser Nebenwirkung erbrachten, kann keine sichere Aussage zur Höhe des Risikos getroffen werden, so das BfArM. Das Risiko für das Auftreten einer Agranulozytose steigt jedoch, falls Metamizol länger als eine Woche angewendet wird: In den deutschen Fachinformationen wird darauf hingewiesen, dass es vereinzelt Hinweise gibt, wonach das Risiko einer Agranulozytose möglicherweise erhöht sein kann, wenn Metamizol länger als eine Woche eingenommen wird. Bei vorbestehenden Störungen des blutbildenden Systems darf Metamizol nicht angewendet werden. Das Blutbild einschließlich Differentialblutbild muss während der Behandlung regelmäßig kontrolliert werden.

Das BfArM fordert dazu auf, auf Zeichen einer Agranulozytose zu achten und auch die Patienten über das Risiko und mögliche Symptome aufzuklären. Mögliche Zeichen sind:

  • Verschlechterung des Allgemeinbefindens,
  • Fieber,
  • Schüttelfrost und
  • Entzündungen im Bereich der Schleimhäute.

Bei jedem Verdacht auf das Vorliegen einer Agranulozytose ist die Behandlung mit Metamizol sofort zu beenden und geeignete Überwachungs- und Therapiemaßnahmen zu treffen. Metamizol kann hypotensive Reaktionen auslösen, die einen tödlichen Ausgang haben können. Das Risiko steigt bei hoher Dosierung, bei vorbestehender Hypotonie oder erhöhtem Risiko hierfür (z. B. Hypovolämie, Schock) sowie bei hohem Fieber.

 

Quelle

Metamizol: BfArM weist auf richtige Indikationsstellung und Beachtung von Vorsichtsmaßnahmen und Warnhinweisen hin. Mitteilung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte vom 28. Mai 2009.

 

ck

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