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GEK liebäugelt mit Zielpreisen

BERLIN (ks). Der Vorstandschef der Gmünder Ersatzkasse (GEK), Rolf-Ulrich Schlenker, spricht sich dafür aus, Apotheken eine stärkere Rolle in der Arzneimittelversorgung der gesetzlich Krankenversicherten einzuräumen. Angesichts der Tatsache, dass an weiter steigenden Arzneimittelausgaben kein Weg vorbei gehe, sei eine "hervorragende Steuerung" unerlässlich. Dies sollte aus Schlenkers Sicht durch eine neue Aufgabenverteilung zwischen Arzt und Apotheker geschehen. Eine wesentliche Rolle könnten dabei Zielpreisvereinbarungen spielen.

Bei der GEK sind die Arzneimittelausgaben im vergangenen Jahr – nach der Fusion mit der HZK – um knapp neun Prozent pro Versicherten gestiegen. Dass diese Ausgabensteigerungen in Zukunft wesentlich abebben werden, glaubt Schlenker nicht. Es lasse sich nicht ignorieren, dass sich der Trend zu ambulanten Behandlungen ebenso fortsetze wie der Siegeszug teurer Biologicals, erklärte Schlenker anlässlich der Vorstellung des GEK-Arzneimittel-Reports 2009 am 9. Juni in Berlin. Wie man dieser Entwicklung entgegentreten kann, wird unterschiedlich beantwortet. Häufig erwähnt werden in letzter Zeit kassenindividuelle Positivlisten, wie sie die Gesundheitsökonomen Prof. Eberhard Wille und Prof. Dieter Cassel, in ihren letzten beiden Gutachten vorschlagen.

Auch Professor Gerd Glaeske, Mitglied des Gesundheits-Sachverständigenrats und Co-Autor des GEK-Arzneimittel-Reports, kündigte bereits an, dass diese Listen – gegebenenfalls kassen(art)übergreifend – im Ende Juni erscheinenden neuen Gutachten des Sachverständigenrates als gutes Instrument Erwähnung finden. Aus Schlenkers Sicht sind geschlossene, kassenindividuelle Listen dagegen wenig sinnvoll. Sie seien "noch intransparenter als Rabattverträge". Er gibt daher einem Modell den Vorzug, den der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler, kürzlich unterbreitet hat: Danach soll dem Arzt bei der Arzneimittelversorgung der medizinische Aspekt überlassen werden, d. h. er soll Wirkstoff, Menge und Dosierung bestimmen, während der Apotheker mit der Wirtschaftlichkeit betraut wird. Hierbei kommen die Zielpreisvereinbarungen ins Spiel, die die Apothekerschaft immer wieder in Gespräch gebracht hatten, damit aber nur selten auf offene Ohren getroffen sind. Die GEK befindet sich jedoch bereits in "intensiven Verhandlungen" mit den Apothekerverbänden – auch dem DAV – über die mögliche Einführung eines solchen Modells. Voraussichtlich im Sommer soll entschieden werden, ob die GEK sich für eine Etablierung eines Zielpreissystems entscheidet. Schlenker ist dem Modell jedenfalls sehr zugetan: Es stärke den Apotheker, der auf diese Weise die Schlüsselrolle für eine sinnvolle, sichere und wirtschaftliche Arzneimittelabgabe übernehme. Dies, so der GEK-Chef, liege auch auf einer Linie mit dem kürzlich ergangenen Urteil des Europäischen Gerichtshofs zum Fremdbesitzverbot, das den Apothekern höchste pharmazeutische Kompetenz attestiere.

Beim DAV-Vorsitzenden Fritz Becker trifft die GEK-Forderung nach weniger Steuerungsinstrumenten, aber neuen Steuermännern auf Zuspruch: "Es ist richtig, die optimale Arzneimittelversorgung der Versicherten und Patienten durch die Apotheke unter pharmakotherapeutischen Aspekten zu betrachten." In den bereits laufenden Gesprächen mit der GEK werde man die Umsetzung des Zielpreismodells daher vorantreiben. "Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen", betonte Becker. Entscheidend für den Nutzen der Patienten ist aus DAV-Sicht eine intensive Kooperation der Beteiligten. "Der Grundgedanke muss lauten, nicht am, sondern mit dem Arzneimittel zu sparen", betonte Becker.

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