Prisma

Mit blauer Farbe gegen Malaria

Tropenmediziner des Universitätsklinikums Heidelberg konnten zeigen, dass Methylenblau in Kombination mit neueren Malaria-Medikamenten verhindert, dass die Malariaerreger infizierter Menschen von den blutsaugenden Moskitos wieder aufgenommen und weiter verbreitet werden können.

Malaria-Parasiten gelangen mit dem Speichel von Anopheles-Mücken in den Menschen und vermehren sich dort in den Leberzellen. Während der Vermehrung entwickeln sich einige Parasiten zu speziellen Geschlechtsformen, den Gametozyten. Werden diese wieder durch eine blutsaugende Anopheles-Mücke aufgenommen, vermehren sie sich im Moskito weiter. Der Kreislauf schließt sich. Die Gametozyten sind also der Schlüssel für die Ausbreitung der Malaria durch die Anopheles-Mücke. Gängige Malaria-Medikamente, die Artemisinine, blockieren die Vermehrung der Parasiten im menschlichen Körper und verringern die Anzahl der Gametozyten im Blut um die Hälfte. So ist die Übertragung des Erregers auf die Mücke zwar erschwert, aber nicht vollständig verhindert. "Wir brauchen dringend alternative Therapien", erklärt daher Olaf Müller, Projektleiter in der Abteilung Tropenhygiene des Universitätsklinikums Heidelberg. Die geeignete Zutat für eine solche Alternative ist ein altbewährtes Mittel: Der Farbstoff Methylenblau, der bereits Ende des 19. Jahrhunderts Malaria-Patienten verabreicht wurde, hat sich in Kombination mit verschiedenen Malaria-Medikamenten als sicher, verträglich und wirksam erwiesen.

In einer aktuellen Studie in Burkina Faso mit 160 an Malaria erkrankten Kindern zwischen sechs und zehn Jahren testeten die Heidelberger Wissenschaftler, wie Kombinationstherapien von Artemisininen und Methylenblau auf die Gametozyten im Blut wirken. Eine Gruppe der Kinder erhielt die Standardtherapie, bestehend aus einer Kombination der Wirkstoffe Artesunat und Amodiaquin, zwei weitere Gruppen jeweils Methylenblau kombiniert mit einem der beiden Medikamente. Die Mediziner kontrollierten anhand von Blutproben die Anzahl der Gametozyten. Es zeigte sich: Beide Kombinationstherapien wirkten doppelt so gut wie die Standardtherapie; schon in den ersten Tagen waren die Gametozyten fast vollständig verschwunden. ral

 

Quelle: Pressemitteilung der Universitätsklinik Heidelberg, vom 13. 5.

 

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