Aus der Hochschule

Einmal Groningen und zurück

Wie man in den Niederlanden Apotheker wird, haben am ersten Maiwochenende 37 Pharmaziestudenten der Universitäten Halle und Leipzig bei einem Besuch in Groningen erfahren.
Gruppenfoto Rund 70 angehende Pharmazeuten aus Halle, Leipzig und den Niederlanden nahmen am Twin-Wochenende in Groningen teil.
Foto: Kersten

Die "Twins" sind internationale Projekte der Europäischen Vereinigung der Pharmaziestudenten (European Pharmaceutical Students’ Association, EPSA), die in der Regel zwei Universitäten gemeinsam durchführen (in diesem Fall waren es drei Universitäten). Die Projektteilnehmer besuchen sich gegenseitig, tauschen sich über ihr Studium aus und zeigen in einem kulturellen Rahmenprogramm landestypische Besonderheiten.

Klischees nicht bestätigt

Holzpantoffeln haben unsere Gastgeber in Groningen nicht getragen, und auch sonst haben sich wenige nationale Klischees bestätigt. Aber als wir nach einer zügigen Busfahrt eine Stunde früher als angekündigt in Groningen eintrafen, staunten die Niederländer doch über die "deutsche Pünktlichkeit".

Nach einem herzlichen Empfang am Freitagabend und einem Kulturprogramm war der Hauptprogrammpunkt ein wissenschaftliches Symposium am Sonnabend. Eindrucksvoll fanden wir die große Verbundenheit der Groninger Pharmaziestudenten mit ihrem nationalen Verband (KNPSV). Nicht nur, dass sie immer in festlicher Kleidung zu ihren Kongressen gingen, sie präsentierten den deutschen Gästen auch ihre eigene Hymne "Wij allen farmaceuten”. Gegründet im Jahr 1903, ist der Pharmaziestudentenverband zum hundertsten Geburtstag sogar "königlich" geworden.

Pharmaziestudium im B/M-System

Eveline Richert, die KNPSV-Präsidentin, und einige Kommilitonen erklärten uns den niederländischen Weg zum Apotheker. Im Gegensatz zu Deutschland mit seiner Approbationsordnung gibt es dort keinen national einheitlichen Rahmenplan für das Studium, sondern jede Universität praktiziert die Apothekerausbildung auf ihre eigene Weise. In Utrecht und Groningen kann man sich für ein Studium der Pharmazie einschreiben, in Leiden gibt es das Fach "Pharmaceutical Sciences". In den Niederlanden studiert der angehende Apotheker im Bachelor- und Mastersystem, aber der Bachelor gilt kaum als berufsqualifizierend, sodass fast jeder Student mit einem Master abschließt.

Thema Ess- und Stoffwechselstörungen

In den anschließenden wissenschaftlichen Vorträgen standen Essstörungen im Vordergrund. Liesbeth Libbers berichtete über Bulimie und Magersucht und deren Therapie, bei der sie besonders der psychologischen Betreuung einen großen Stellenwert einräumte. Beeindruckend war, dass sie selbst Opfer der Krankheit war, sie aber überwinden konnte. Hanneke Niessink hatte ebenfalls ihre Erfahrungen mit in ihren Vortrag über Adipositas (Fettleibigkeit) eingeflochten – jedoch hat sie sich nach vielen, am Jo-Jo-Effekt gescheiterten Diäten mit dem Übergewicht abgefunden. Dr. Martina Schmidt rundete das Symposium ab und sprach über die komplexen Stoffwechselstörungen und Pharmakotherapie von Übergewichtigen.

Eine Stadterkundung auf dem Seeweg war der Höhepunkt im Freizeitprogramm, denn bei einer abendlichen Kanutour durchquerten die Pharmazeuten Groningens Kanäle.

Der Gegenbesuch der Niederländer findet vom 12. bis zum 14. Juni in Leipzig statt. Bis dahin haben die Projektkoordinatoren Johannes Stelzner (Halle) und Elisabeth Kersten (Leipzig) mit ihren Kommilitonen noch einiges vorzubereiten. Wir danken schon jetzt unseren Sponsoren für ihre großzügige Unterstützung: dem Noweda Förderverein, der deutschen Apotheker- und Ärztebank und dem Förderverein der Universität Leipzig.

 

Elisabeth Kersten

 

Internet


Hymne der niederländischen Pharmaziestudenten

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