Arzneimittel und Therapie

Hoffnungsvolle Therapieansätze beim Prostatakarzinom

Die Entwicklung neuer Arzneimittel zur Chemotherapie von Patienten mit Prostatakrebs ist erst in jüngster Zeit erfolgreich: Vor etwa fünf Jahren konnte erstmals ein statistisch signifikanter Überlebensvorteil für die Therapie mit Docetaxel, einem Zytostatikum aus der Gruppe der Taxane, nachgewiesen werden [1]. Jetzt wurden Ergebnisse von Studien zu unterschiedlichen Therapieansätzen veröffentlicht [2, 3], die Anlass zu vorsichtigem Optimismus geben, jedoch noch nicht als "neue Waffe" gegen das Prostatakarzinom gewertet werden sollten.

Das Prostatakarzinom gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen des Mannes und macht gut 20% aller Krebsneuerkrankungen aus, gefolgt von Darmkrebs (ca. 16%) und Lungenkrebs (15%) [4]. Therapeutische Optionen sind Prostatektomie (komplette Entfernung der Prostata), Strahlentherapie sowie Hormon- und Chemotherapie. Bis Anfang des Jahrtausends galt die Chemotherapie beim Prostatakrebs als wenig wirksam. Sie ist bisher rein palliativ und wird zur Behandlung des Tumorrezidivs und bei versagender Hormontherapie eingesetzt. Erste Wahl für die Therapie des hormonunabhängigen Prostatakarzinoms ist mittlerweile allerdings das Chemotherapeutikum Docetaxel.

Behandlung mit Antiandrogenen

Nun konnten amerikanische Wissenschaftler in einer ersten klinischen Studie zeigen, dass die Therapie mit dem Antiandrogen MDV3100 sogar bei Patienten mit einem kastrations-resistenten Prostatakarzinom den PSA-Wert senken kann. Dieser gilt immer noch als wichtiger Parameter in der Tumornachsorge nach Operation oder einer Strahlentherapie sowie in der Verlaufskontrolle einer Hormontherapie. Androgene sind wesentliche Faktoren für das Krebszellwachstum im Prostatakarzinom. Eine Antiandrogen-Therapie beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom führt jedoch zu einer Resistenz, da die Krebszellen die Produktion von Androgenrezeptoren offensichtlich deutlich steigern können. Schließlich blockieren die Antiandrogene die Rezeptoren nicht mehr, sondern können sie sogar stimulieren. Die Ergebnisse der jetzt vorgelegten Pilotstudie mit 30 Patienten sind zwar vorläufig, jedoch wurde bei einer Therapie mit MDV3100 über viele Wochen ein konstant geringerer PSA-Wert erzielt. Die vorgelegten Daten weisen allerdings auch darauf hin, dass mit dem Antiandrogen bestenfalls eine Verzögerung, aber keine Heilung zu erwarten ist. Jetzt wurde von der FDA eine Phase III-Studie genehmigt, an der 1200 Patienten mit einem fortgeschrittenen Prostatakarzinom und nach erfolgloser Chemotherapie mit Docetaxel teilnehmen sollen.

Krebsimpfstoff in Phase-III-Studie

Auch der amerikanische Hersteller Dendreon kündigte für seinen umstrittenen Krebsimpfstoff Sipuleucel-T (Provenge®) eine Phase-III-Studie mit 512 Patienten an. Das Medikament, dem vor etwa zwei Jahren von der FDA die Zulassung verweigert wurde, soll bei Patienten mit metastasiertem und hormonresistentem Prostatakarzinom eine deutlich lebensverlängernde Wirkung zeigen. Die Therapie mit Sipuleucel-T gehört zu den neuen "aktiven zellulären Immuntherapien". Die dem Patienten entnommenen Immunzellen werden mithilfe einer "Antigen-Delivery-Cassette® ", die das Enzym PAP ("prostatic acid phosphatase”; prostataspezifische saure Phosphatase) enthält, auf den Tumor angesetzt. PAP wird von etwa 95% der Krebszellen, nicht aber von gesunden Zellen exprimiert. Eine frühere Studie hatte bereits die grundsätzliche Wirkung des Präparats gezeigt.

 

Quelle

[1] Daniel P. Petrylak, D. P.; et al.: Docetaxel and Estramustine Compared with Mitoxantrone and Prednisone for Refractory Prostate Cancer. New Engl J Med 2004; 31: 1513 –1520.

[2] Tran, C.; et al.: Development of a Second-Generation Antiandrogen for Treatment of Advanced Prostate Cancer. Science 2009; 324 (5924), 165.

[3] Dendreon Corp., Pressemitteilung, Seattle, 14.04.2009.

[4] www.rki.de: Gesundheitsberichterstattung und Epidemiologie. Themenheft 36 "Prostataerkrankungen" (2007).

 

Dr. Hans-Peter Hanssen

 

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