Interpharm 2009

Aktuelle klinische Studien zur Therapie von Hypertonikern

Zwei grundlegende Studien zum Benefit einer Hemmung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) legten den Grundstein für weitere Untersuchungen zur Therapie von Hypertonikern mit hohem kardiovaskulärem Risiko. Prof. Dr. Thomas Unger, Berlin, stellte weitere aktuelle Studien vor und skizzierte zukünftige Ansatzpunkte.
Prof. Dr. Thomas Unger

In der 1987 abgeschlossenen Consensus-I-Studie, einer randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudie mit rund 250 Patienten, konnte zum ersten Mal gezeigt werden, dass ein Arzneimittel – in diesem Fall Enalapril – die Mortalität bei Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz signifikant senken kann. Damit war der Einsatz von ACE-Hemmern sanktioniert.

Hope-Studie

An der 2002 abgeschlossenen Hope(Heart outcomes prevention evaluation)-Studie nahmen über 9000 Patienten mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko teil. Sie erhielten entweder die beste Standardtherapie oder die beste Standardtherapie plus Ramipril. Sowohl der kombinierte kardiovaskuläre Endpunkt (kardiovaskuläre Mortalität, Myokardinfarkt oder Schlaganfall) als auch die einzelnen Komponenten konnten durch den Zusatz des ACE-Hemmers signifikant gesenkt werden. Dieses Ergebnis bedeutete den Durchbruch für Ramipril.

Ontarget-Studie

In einem nächsten Schritt wurden Sartane mit ACE-Hemmern bzw. die Kombination beider miteinander verglichen. In der als Non-Inferioritäts-Studie konzipierten Ontarget(Ongoing Telmisartan alone and in combination with Ramipril global endpoint trial)-Studie wurden knapp 30.000 gut vorbehandelte kardiovaskuläre Hochrisikopatienten entweder mit Telmisartan oder Ramipril oder einer Kombination aus beiden Wirkstoffen behandelt. Der primäre Studienendpunkt war die Kombination aus kardiovaskulärem Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Krankenhausaufenthalt wegen Herzinsuffizienz. Telmisartan war dem ACE-Hemmer Ramipril nicht unterlegen und die ermittelten Werte lagen für beide Substanzen eng beieinander. Dabei wurde Telmisartan besser als Ramipril vertragen (geringere Abbruchrate). Die Kombination beider Wirkstoffe führte zu keinem besseren Therapieergebnis, hingegen zu mehr unerwünschten Wirkungen.

Transcend-Studie

Die Transcend(Telmisartan randomised assessment study in ACE intolerant subjects with cardiovascular disease)-Studie ist eine Fortführung der Ontarget-Studie, an der diejenigen Patienten teilnahmen, die eine Intoleranz auf ACE-Hemmer aufwiesen. Die eine Hälfte der Probanden erhielt zusätzlich zu ihrer Standardtherapie (Statine, Betablocker, Thrombozytenaggregationshemmer) ein Placebo, die andere Gruppe zusätzlich Telmisartan. Der kombinierte primäre Studienendpunkt setzte sich aus der kardiovaskulären Mortalität, akutem Myokardinfarkt, Schlaganfall und Krankenhauseinweisung aufgrund einer Herzinsuffizienz zusammen. Der primäre Studienendpunkt und sekundäre Endpunkte konnten durch die zusätzliche Sartangabe gesenkt werden. Gleichzeitig erfolgten unter Telmisartan weniger Therapieabbrüche als unter der Placebobehandlung.

Ausblick

Die Ontarget- und Transcend-Studie haben die Grenzen der gegenwärtigen Therapie mit Hemmstoffen des RAAS aufgezeigt. Um einen weiteren Benefit zu erzielen, sind neue Therapieansätze oder zusätzliche Kombinationspartner erforderlich. Eine Möglichkeit ist vielleicht die Kombination mit einem Calciumantagonisten. Dieser Weg wurde in der Accomplish-Studie beschritten, in der eine Fixkombination aus ACE-Hemmer plus Calciumantagonist mit einer Kombination aus ACE-Hemmer plus Diuretikum verglichen wurde. Am Ende der Studie hatten die Patienten mit der Calciumantagonist-haltigen Kombination signifikant weniger kardiovaskuläre Ereignisse als die Probanden der Vergleichsgruppe. Ein weiterer Ansatz ist die Gabe von Glitazonen, die neben ihrer blutzuckersenkenden Wirkung auch einen günstigen Einfluss auf die Hypertonie ausüben. Ein wichtiger Aspekt, der bei allen Einzelergebnissen nicht unbeachtet bleiben darf, ist die Behandlung des häufig zugrunde liegenden metabolischen Syndroms und eine Änderung der Lebensweise.

pj

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