Westf.-lipp. Apothekertag

Pizza mit Aspirin

Um Risiken zu minimieren, brauchen wir ein Frühwarnsystem: Wohin steuert der Gesundheitsbereich? Mit welchem System müssen wir im Jahr 2025 rechnen? Es ist sehr schwer, hier verlässliche Aussagen zu treffen. Blickt man nur 20 Jahre zurück, so konnte sich damals kaum jemand vorstellen, dass wir heute ohne PC kaum noch arbeiten können. Man kann sich der Zukunft jedoch über die Betrachtung von Trends nähern. Schöppner sieht hier sechs Entwicklungen, die unser Gesundheitswesen verändern könnten:

1. Eine wichtige Rolle wird die zunehmende Globalisierung spielen, auch im Medizinbetrieb.

2. Der technologische Fortschritt führt hin zum gläsernen Patienten, Diagnosen werden dank Chiptechnologie häufiger und genauer durchgeführt. Alles wird kontrollierbar. Umso mehr erhebt sich der Anspruch nach fairem Verhalten: "fair"-kaufen, "fair"-sorgen, "fair"-teilen.

3. Die "Verschnellerung" der Gesellschaft nimmt zu, auch im Pharmabereich.

4. Wir werden eine Gesellschaft der Alten, in 20 Jahren gibt es so viele alte wie junge Menschen. Persönliche Kontakte werden wichtiger. In 20 Jahren werden Apotheker Vorverträge mit Studierwilligen machen, um sie an sich zu binden.

5. Das Arbeitsleben verändert sich. Angesagt ist lebenslanges Lernen. Man wird sich auch im Alter Zeit nehmen, um gezielt zu lernen. Fraglich ist, ob es noch die Universitäten von heute gibt, da jeder von überall sich übers Internet in Vorlesungen, in den Lehrstoff einklinken kann. Die Studentenstädte schrumpfen.

6. Es gibt einen Trend hin zur Atomisierung, auch im Bereich der Therapie: Für alles gibt es Experten und Spezialisten. Dies erfordert neue, unabhängige Berater, die Informationen suchen und bündeln.

Wie sich solche Trends auf Deutschland auswirken, ist auch von der politischen Entwicklung der nächsten Jahre abhängig: kommt ein Sozialstaat oder eher ein marktwirtschaftlich orientierter Staat?

Stichwortartig umriss Schöppner, mit welchen Entwicklungen wir möglicherweise rechnen müssen. Die Freizeit wird zunehmen und damit auch der Nebenerwerb in der Freizeit mit der Gefahr, dass eine Schattenwirtschaft entsteht.

Im Konsumbereich wird es zu einem Preisdumping bei Preisen für medizinische Leistungen kommen. Die Gesellschaft nutzt verstärkt gemeinschaftliche Einkaufsmöglichkeiten (Pooling), um bessere Preise zu erzielen. Im Arbeitsbereich achtet man auf eine bessere "work/life-balance", man wird länger arbeiten, gönnt sich aber auch mehr Auszeiten. Es gibt einen hohen Anteil an flexiblen Arbeitsplätzen. Der Markt an Dienstleistungen wächst.

Im Bereich Bildung und Lernen wird sich das Wissen noch schneller als heute vermehren. Es wird immer wichtiger zu wissen, wie man Wichtiges von Unwichtigem trennt.

Massive Veränderungen stehen uns, so Schöppner, auch im Bereich der Ernährung ins Haus. Da mehr Leute adipös werden, geht der Trend hin zu nur zwei Mahlzeiten pro Tag, die meist nicht zu Hause eingenommen werden. Der Kombinutzen spielt eine größere Rolle, man möchte Nahrungsmittel mit pharmazeutischem Nutzen. Schöppner sieht schon die Pizza gegen Vitaminmangelerscheinungen oder die Pizza mit Aspirin gegen Kopfschmerzen in der Tiefkühltruhe liegen. Ernährung soll einen Zusatznutzen und Wellness bieten.

Die Gesundheitsversorgung wird in zwanzig Jahren nicht billiger sein. Die Vorsorge wird zunehmen, es gibt mehr Gesundheitszentren. Die Arztbesuche reduzieren sich, da es im Internet mehr medizinische Gesundheitsberatungsseiten gibt. Gesundheitsbewusstsein wird als Schulfach eingerichtet – dies könnte auch ein Feld für Ärzte und Apotheker sein.

Die Medizin bleibt weiterhin unter Kostendruck, die Therapien werden immer stärker optimiert, die Krankenhausaufenthalte werden kürzer. Dank Chipdiagnostik und Überwachung von Parametern mit Sensoren hat der Arzt mehr Zeit für Patientengespräche. Über Video-Internetsysteme wird es möglich sein, Experten weltweit zu kontaktieren. Die Medizin ist stärker diagnose- und technikgetrieben, Operationen finden mit dem Joystick statt dem Skalpell statt, Tele-operationen werden möglich, der Anteil der Gentechnik steigt.

Der Patient selbst investiert mehr in Wellness, in Ernährungsberatung, in Medizin light. Der tägliche Gesundheitscheck ist an der Tagesordnung.

Schöppners Fazit: Wenn wir wissen, wohin sich eine Gesellschaft entwickelt, kann man positiv eingreifen. Aber: "Es kommt alles viel schneller als man sich heute vorstellen kann."

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