Razzia gegen illegale Internetapotheken

Interpol, WHO und IMPACT starten weltweite Operation

Berlin (ks). Die Anzahl von Websites, über die illegal und oftmals gefälschte Arzneimittel vertrieben werden, hat ein solches Ausmaß angenommen, dass auch Interpol ihnen den Kampf angesagt hat. Gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der International Medical Products Anti-Counterfeiting Taskforce (IMPACT) hat die internationale kriminalpolizeiliche Organisation zwischen dem 16. und dem 20. November die sogenannte Operation Pangea II in 26 Ländern gestartet.

Wie das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden vergangene Woche mitteilte, haben bei der weltweiten Aktion nationale Arzneimittelüberwachungsbehörden, Polizei und Zoll intensiv zusammengearbeitet. Dabei konzentrierten sie sich auf das, was illegale Websites entscheidend prägt: Sie gingen den Internetdienstanbietern (ISP) nach, nahmen Zahlungssysteme und den Zustelldienst unter die Lupe. Im Rahmen der Operation wurden 751 Webseiten ermittelt, die in illegale Aktivitäten eingebunden waren, 72 von ihnen wurden abgeschaltet. Zudem wurden mehr als 16.000 Postsendungen von Aufsichtsbehörden und dem Zoll inspiziert, 995 wurden beschlagnahmt. Fast 167.000 illegale und gefälschte Tabletten kamen dabei zutage. Gegen 22 Personen wird ermittelt.

In Deutschland wird im Rahmen von Pangea II in sechs Fällen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Bayern und Sachsen wegen Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz ermittelt. Diese Ermittlungsverfahren werden durch das BKA koordiniert. Im Fokus der Staatsanwaltschaften und der Polizei stehen dabei die Betreiber verdächtiger Internetseiten, auf denen illegal Arzneimittel angeboten wurden. Wer hier bestellte, erhielt sowohl nicht zugelassene als auch gefälschte verschreibungspflichtige Arzneimittel. Diese Medikamente enthielten zum Teil andere Wirkstoffe oder Wirkstoffstärken als auf der Verpackung angegeben. Teilweise fehlte der Beipackzettel oder die Verpackung in deutscher Sprache. Die Medikamente wurden von Gutachtern deshalb als gesundheitlich bedenklich eingestuft, so das BKA. Es wurde umfangreiches Beweismaterial beschlagnahmt, darunter angebliche Nahrungsergänzungsmittel aus dem Lifestyle- und Bodybuildingbereich, nicht zugelassene bzw. gefälschte Potenzmittel, anabole Steroide und Wachstumshormone. Zeitgleich führte auch der Zoll gezielte Kontrollen durch, um illegale Arzneimittel aufzuspüren, die auf dem Postweg von außerhalb der EU nach Deutschland geliefert wurden.

Erklärtes Ziel der Aktion ist, die Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren, dass der Kauf von Medikamenten, die auf unkontrollierten Websites angeboten werden, mit einem beträchtlichen Risiko behaftet ist, gefälschte, minderwertige oder gefährliche Produkte zu erhalten. "Die Gesundheit ist eines der höchsten Güter und ihr Schutz erfordert unsere volle Aufmerksamkeit", betonte BKA-Präsident Jörg Ziercke. Von gefälschten und verfälschten Arzneimitteln, die auch über das Internet vertrieben werden, gingen sehr hohe gesundheitliche Risiken für den Verbraucher aus. "Die Medikamentenfälscher handeln aus finanziellem Eigennutz und setzen die Verbraucher dabei schamlos und bewusst erheblichen gesundheitlichen Risiken aus", so Ziercke. Er appellierte an alle, dubiose Internetangebote zu meiden und Arzneimittel – auch im Internet – nur über die zugelassenen Apotheken zu beziehen."

Schon vor einem Jahr hatte Interpol eine entsprechende erste weltweite Aktion gegen den illegalen Internethandel mit Arzneimitteln gestartet. Damals waren acht Länder an der Operation beteiligt – in diesem Jahr waren es bereits 24, die sich engagierten.

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