Wirtschaft

Pharma-Aktien im Visier

Krebsmittel und Energydrinks / Pharmaforschung und Absatzmärkte in Fernost

(hps). Nicht nur für Apotheker sind Pharma-Aktien von besonderem Interesse. Auch die Börse schätzt die soliden Titel der Wirkstoffhersteller. Mit dem monatlichen Update von News und Analysteneinschätzungen für Pharma-Aktien rund um den Globus bleiben Sie auf dem Laufenden.

Dr. Reddys (Indien)

WKN 659157, Börse Frankfurt

Fakten & News

Der Generikahersteller aus Indien ist seit 1984 tätig und beschäftigt rund 9000 Mitarbeiter. Nachahmer-Medikamente kostengünstig für Entwicklungsländer zu produzieren erwies sich für Dr. Reddys als ein gutes Geschäft. Mit der Übernahme der Augsburger Betapharm fasste das Unternehmen 2006 auch am deutschen Generikamarkt Fuß. Neben der eigenen Herstellung von Generika produziert Dr. Reddys auch für andere Pharma-Unternehmen, darunter Kunden aus Deutschland. Seit der Verschärfung des indischen Patentrechts im Jahre 2005 investiert man vermehrt in Forschung und Entwicklung eigener Medikamente. Insgesamt erzielte das Unternehmen 2008 knapp 1 Milliarde Euro Umsatz.

Dr. Reddys stellt insgesamt über 100 Arzneimittel her, unter anderem gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes, Schmerzmittel und Krebsmedikamente, darunter den Blockbuster Simvastatin. Für den britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline produziert Dr. Reddys das Kopfschmerz-Medikament Imitrex. Sehr erfolgreich, weshalb die Briten nun eine mögliche Übernahme von Dr. Reddys prüfen.

Analysten versprechen sich auch viel von der Einführung einer Generikaversion von Allegra-D 24 (gegen Allergien von Aventis) und eventuell von Lotrel (Blutdruckmedikament von Novartis). Das hat Experten von Morgan Stanley dazu veranlasst, Dr. Reddys auf "Übergewichten" hochzustufen. Anderen Analysten ist der Wert schon zu teuer, empfehlen aber bei Kursrückschlägen den Einstieg. Anleger brauchen hier indes gute Nerven. Die in Frankfurt gelistete Aktie lag 2007 – nach einer Gewinnverdreifachung – bei 14 Euro, stürzte dann aber im Zuge eines Rückgangs bei Umsatz und Gewinn auf 6 Euro ab, um dann innerhalb der letzten sechs Monate die 14 Euro-Marke zurückzuerobern. Aktuell notiert der Wert bei 13,34 Euro in Frankfurt. Kaufaufträge sollten mit einem Limit versehen werden.

WuXi PharmaTech (China)

WKN A0MX2C, Börse Frankfurt

Fakten & News

Das chinesische Unternehmen kann sich bei seiner Arbeit auf die Tatkraft von 2500 Wissenschaftlern in China und den USA stützen. WuXi entwickelt selbst keine Medikamente, sondern betreibt Forschung im Auftrag für amerikanische, europäische und japanische Konzerne, darunter so große Namen wie Pfizer, die deutsche Merck oder AstraZeneca. Auch BASF schwärmt von WuXi in den höchsten Tönen. Dabei hat das Unternehmen ambitionierte Pläne: 2010 soll der Umsatz bei 356 Millionen und 2011 bei 433 Millionen Euro liegen. Und Experten glauben, dass aus dem reinen Auftragsforscher bald ein ausgewachsener Konkurrent für die etablierten Pharmagrößen werden könnte.

Im August präsentierte WuXi die Zahlen für das 2. Quartal. Umsatz und Gewinn gingen kräftig nach oben. Statt den von Analysten geschätzten 12 Cent Gewinn pro Aktie lieferte das Unternehmen 20 Cent ab. Auch die Jahresprognose wurde bestätigt. Die Aktie machte daraufhin einen Sprung nach oben. 28 Prozent Plus – ein satter Tagesgewinn. Bislang wurden die Aktionäre allerdings trotz guter Unternehmensergebnisse alles andere als verwöhnt. Von dem Spitzenkurs von 29 Euro im November 2007 blieben ein Jahr später gerade noch 4 Euro übrig. Und auch bis Juli dieses Jahres kam die Aktie nicht über die 5 Euro-Hürde hinaus. Gründe für den tiefen Sturz: Anfang 2008 übernahm WuXi die amerikanische Apptec Laboratory Services für knapp 100 Millionen Euro. Das schmeckte den Börsianern nicht. Dann warf das Management und die United Overseas Bank insgesamt rund 8 Millionen Aktien auf den Markt. Eine unglückliche Aktion, bedenkt man, dass an der Börse Shanghai pro Tag durchschnittlich nicht einmal 400.000 WuXi-Anteile umgehen. Und am Ende kam noch der Kursrutsch infolge der Finanzkrise hinzu.

Dennoch zeigt das Ergebnis des 2. Quartals und der bekräftigte Jahresausblick, dass das Unternehmen auf einem guten Weg ist. Auch die Aktie gibt wieder Lebenszeichen von sich. Die Analysten der Credit Suisse stuften im Mai den Wert von "Neutral" auf "Outperform" hoch. Aktuell notiert die Aktie bei 7,85 Euro. Kaufaufträge nur mit einem Limit abgeben! Börsen: Frankfurt und Stuttgart.

GlaxoSmithKline (GB)

WKN 940561, Börse Frankfurt

Fakten & News

Mit 37,7 Milliarden Dollar Umsatz ist der Konzern die Nummer 4 im weltweiten Pharmageschäft. Mit dem Asthma-Medikament Advair werden rund 30 Prozent des Umsatzes generiert. Aber auch Seretide (Asthma) und Valtrex (Viruserkrankungen) sind Umsatzträger im Milliarden-Bereich. Unterdessen hat GlaxoSmithKline (GSK) unter Patentabläufen zu leiden. Fast ein Viertel des Umsatzes ist davon betroffen, darunter auch Avandia (gegen Diabetes) mit Ablauf 2012. Die Briten versuchen dieser Gefahr mit Zukäufen zu begegnen. Eine Übernahme des indischen Generikaherstellers Dr. Reddys wird geprüft und auch eine Beteiligung an Ranbaxy Laboratories (Generika, ebenfalls Indien) steht aktuell zur Debatte. Allerdings wird auch GSK selbst an der Börse als potenzieller Übernahmekandidat gehandelt.

Das neue Medikament "Pazopanib" (gegen fortgeschrittenen Nierenkrebs), auch bekannt unter dem Namen "Votrient", dürfte nun zugelassen werden. Die US-Gesundheitsbehörde FDA brachte das Mittel zunächst mit dem Risiko einer schweren Leberschädigung in Verbindung. Letzten Dienstag sprach sich der Ausschuss der FDA nun doch für die Zulassung aus. Weiter kann das Unternehmen auf Bestellungen von 440 Millionen Dosen des Schweinegrippe-Impfstoffes Pandemrix verweisen. Über weitere Bestellungen werde derzeit noch verhandelt.

Unterdessen diversifiziert GSK weiter. Mit dem Energydrink "Lucozade" erzielt der Konzern bereits rund 470 Mio. Euro Umsatz. Ab 2010 soll das Sportgetränk auch in China und weiteren Schwellenländern vermarktet werden.

Analysten bewerten GSK unterschiedlich. JP Morgan erwartet seitens GSK in nächster Zeit keine größeren Akquisitionen mehr und sieht den Konzern im Wachstum zurückfallen. Die Citigroup und die WestLB weisen dagegen auf die erfolgreichen Diversifikationsbemühungen und den Ausbau der Aktivitäten in den Schwellenländern hin und setzen den Wert auf "Kaufen" mit Kursziel 1300 bzw. 1350 Pence (aktuell 1226 Pence). Charttechnisch dürfte die Aktie indes auf Konsolidierungskurs sein. Die Aktie notiert bei 13,28 Euro im deutschen Xetra-Handel.

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