Zu viel Organisation auf Kosten der Beratung

Studie: Nur 42 Prozent der Arbeitszeit wird für Beratung und Verkauf genutzt

Berlin (tw). In der Apotheke nehmen Organisation und Administration überhand. Nach einer aktuellen TNS-Emnid-Umfrage verbringen Apotheker damit heutzutage mehr Zeit als mit der Beratung von Patienten und dem Verkauf von Arzneimitteln. Die im August im Auftrag von "Avie" durchgeführte Studie offenbart bei den gut 150 befragten Apothekenleitern öffentlicher Apotheken zudem großen Pessimismus bezüglich der politischen Rahmenbedingungen. Ob sich dies nach der Bundestagswahl geändert hat bleibt abzuwarten.

Der Anteil der Arbeitszeit, den Apotheker heute für ihre eigentliche Kernaufgaben Beratung und Arzneimittelverkauf aufwenden, beträgt der Studie zufolge nur 42 Prozent. Übrig bleibt ein enormer organisatorischer und administrativer Aufwand. Hier ist die Warenbewirtschaftung bzw. Lager- und Verfalldatenkontrolle mit 13 Prozent der größte Batzen. Es folgen Verwaltungsaufgaben im Zusammenhang mit dem Kundenverkehr (11 Prozent) und dem Back-Office (7 Prozent). Die Herstellung von Rezepturen beansprucht nur 6 Prozent der Arbeitszeit, die Sortimentsgestaltung sowie die Prüfung und Dokumentation jeweils 5 Prozent. Recht niedrig erscheinen die 3 Prozent für interne und externe Schulungen, im Vergleich zu den gleichauf liegenden Gesprächen mit dem pharmazeutischen Außendienst und Personalangelegenheiten.

Der größte Kostenpunkt im Apothekenbetrieb ist erwartungsgemäß der Wareneinkauf mit 44 Prozent, gefolgt von den Personalkosten mit 23 und der Miete mit 7 Prozent. Weniger ins Gewicht fallen demnach Ausgaben für Software, Marketing und Werbung, nicht verkaufte Lagerware, Rechtsberatung sowie Zinsen und Abschreibungen (jeweils drei bis vier Prozent). Ausgaben für Schulungen und Fachliteratur machen nur jeweils ein Prozent der Ausgaben aus.

Sorglos ist kaum jemand

Was die wirtschaftliche Perspektive angeht, so zeigte sich der überwiegende Teil der Befragten pessimistisch: 91 Prozent erwarten Ertragsverluste und über die Hälfte sehen die Ursache dafür in veränderten politischen Rahmenbedingungen. Auch eine mögliche Verschlechterung der Großhandels-Konditionen macht 42 Prozent der Umfrageteilnehmer Sorgen, gefolgt von Befürchtungen bezüglich alternativer Vertriebswege für Arzneimittel wie Online-Handel (33 Prozent) und der Verlagerung von Sortimenten in Drogerie- und Lebensmitteleinzelhandel (29 Prozent). Auch Verluste durch einen Preiskampf im OTC-Bereich sowie der Rückgang der Verordnungen stehen mit 28 bzw. 24 Prozent noch recht hoch auf der Sorgenliste der befragten Apotheker. Ertragseinbußen durch den Anstieg von Personalkosten fürchten dagegen nur 16 Prozent. Nur 5 Prozent der Befragten erwarten keine Veränderungen beim Ertrag und lediglich 4 Prozent rechnen mit einem Anstieg.

Heilmittel Zusatzverkäufe?

Das größte Potenzial, um diesen erwarteten Ertragsverlusten entgegenzuwirken, sehen mehr als die Hälfte in einer Steigerung der Zusatzverkäufe (56 Prozent), in einer kontinuierlichen Optimierung des Sortiments (39 Prozent) und einem besseren Management des Warenlagers (36 Prozent). Preisdumping, so sind sich die meisten Befragten sicher, ist hingegen die falsche Antwort auf die wirtschaftliche Herausforderung.

Recht einig sind sich alle Umfrage-Teilnehmer auch bei ihrer eigenen Rolle: Insgesamt 74 Prozent sehen sich in erster Linie als Gesundheitsberater, davon 50 Prozent eher als "vertrauten Gesundheitsberater", 24 Prozent eher als "professionellen Gesundheitsberater". Übrigens: Kein einziger Apotheker wollte sich als "Discount Apotheker" sehen.

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