DAX: Anleger von guten Nachrichten übersättigt

Gut ist nicht gut genug – Positive Nachrichten verfehlen an der Börse ihre Wirkung

(hps). Ob Ifo-Geschäftsklimaindex, die Verkäufe von amerikanischen Eigenheimen oder die Aufträge für langlebige Wirtschaftsgüter in den USA – positive Zahlen prallen an den Anlegern inzwischen ab. Die Kennziffern wiesen nicht genügend Dynamik auf, so ist am Parkett zu hören. Offensichtlich gehen bei Kursen von 5500 DAX-Punkten langsam die Käufer aus.

Das V-Szenario – der steile Absturz, dem eine rasante Erholung folgt, trieb den DAX zuletzt bis auf über 5500 Punkte. Während hierzulande die Befürworter einer schnellen Wirtschaftserholung immer mehr zunehmen, spricht man in den USA von einer "consumerless Recovery" – einem Aufschwung ohne Konsumausgaben, dem grundsätzlich keine Nachhaltigkeit eingeräumt wird. In jedem Fall bemerkenswert erscheint die Tatsache, dass positive Wirtschaftsmeldungen kaum mehr Käufer auf das Parkett locken. Man winkt müde ab: "Haben wir erwartet", meinen die Auguren. Werden die Bullen jetzt doch müde? Wenn gute Meldungen nicht mehr begeistern können, hört man erfahrungsgemäß um so eher auf Negativschlagzeilen. Und solche fürchtet man mit Blick auf China. Dort hat sich die Börse Shanghai zwar etwas von ihrem Absturz erholt. Dennoch munkelt man, dass sich die Börse bereits in einem Bärenmarkt befände, was dann möglicherweise auch an den anderen Weltbörsen nicht spurlos vorübergehen würde. Noch scheint an der Börse eine Pattsituation zu herrschen. Die Verkäufer scheuen sich, vor dem Hintergrund des umsatzschwachen Handels größere Positionen aufzulösen, während die Käufer vergeblich auf Nachrichten warten, die an einen Aufschwung auch nach den staatlichen Hilfspaketen glauben ließen. Dabei wähnen sich die Optimisten gut abgesichert. Deren Worst-case-Szenario liegt bei einem Rückschlagspotenzial bis 5130 DAX-Punkten. Aber wehe, diese Unterstützung hält nicht. Denn über eines sind sich alle Marktteilnehmer einig: Der umsatzarme Handel, bisher ein Segen für die Bullen, könnte bei einer Korrektur zum Fluch werden. Und in Sachen Börsenpsychologie kündigt sich der September an – der traditionell schlechteste Börsenmonat.

Aus der Perspektive der Analysten

Eine kleine Pause billigt die Mehrheit der Analysten dem DAX durchaus zu, nachdem er die vorangegangenen Handelstage gestiegen war. Einen scharfen Rücksetzer halten sie jedoch unisono für unwahrscheinlich. Viele Investoren seien noch dabei, ihre Aktienquote zu erhöhen. In diesem Sinne erwartet auch die M.M.Warburg Bank weiter steigende Kurse. Bei allem Optimismus geben indes Experten der Weberbank zu bedenken, dass bisher fast alle Unternehmen nur durch Sparmaßnahmen glänzen konnten. Höhere Umsätze seien bislang nicht zu erkennen – und damit auch keine echte Nachfrageerholung. Als sehr wankelmütig schätzen auch die Stuttgarter Ellwanger & Geiger den Markt ein. An einem Punkt, an dem die positiven Meldungen weitgehend eingepreist erscheinen, könnten negative Überraschungen schnell zur Verunsicherung bei den Marktteilnehmern führen. Charttechniker sehen unterdessen den DAX stabil im Aufwärtstrend liegen. Selbst Rückschläge bis auf 4900 Punkte würden daran nichts ändern. Nach oben sei dagegen der Weg bis auf 6000 Punkte frei.

Musterdepot und Strategie

Zwei weitere Put-Scheine stehen auf dem Programm, beide mit Laufzeit Oktober: Nochmals Daimler (CM9USZ) der Commerzbank mit Basis 32 Euro und ein "konservativer" Put auf Linde der DZ Bank (DZ0FHF) mit Laufzeit bis Dezember und einer Basis von 68 Euro.

DAX am 27. August (15.30 h): 5490 Punkte.

Aktie
zum
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Tipp
vom
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aktuell
Veränderung
in %
Strategie
DWS Russia
74,38
14.01.
107,83
+ 45%
Verkauft 29.4.
ThyssenKrupp Put
0,12
28.01.
0,13
+ 8%
Verkauft 20.2.
Lufthansa Put
0,09
28.01.
0,10
+ 11%
Verkauft 20.2.
Telecom Put
0,48
04.02.
0,76
+ 58%
Verkauft 12.2.
RWE Put
0,25
04.02.
0,35
+ 40%
Verkauft 12.2.
Metro Put
0,12
25.02.
0,18
+ 50%
Verkauft 2.3.
ThyssenKrupp Put
0,11
11.03.
0,17
+ 29%
Verkauft 1.4.
M.A.N. Put 06/09
0,15
29.04.
0,22
+ 47%
Verkauft 14.5.
BMW Put 06/09
0,16
27.04.
0,48
+ 200%
Verkauft 14.5.
SAP-Put 08/09
WKN: GS10NS
1,30
04.06.
1,60
+ 91%
Verkauft 17.6.
BMW Put 08/09
WKN: CG4XRR
0,15
11.06.
0,31
+ 107%
Verkauft 24.6.
Henkel Put 07/09
WKN: CM3PRW
0,02
21.05.
0,01
– 50%
Verkauft 8. 7.
BMW Put 09/09
WKN: CG4KMB
0,19
02.07.
0,32
+ 68%
Verkauft 8. 7.
Deutsche Börse Put 09/09
WKN: CG0PFW
0,34
16.07.
0,43
+ 26%
Verkauft 6. 8.
Salzgitter Put 09/09
WKN: CM2YZH
0,48
25.06.
0,18
– 63%
Verkauft 17.8.
BMW Put 05/09
0,18
18.03.
0,00
Verlust
ausgebucht
Bayer Put
0,31
18.03.
0,00
Verlust
ausgebucht
Metro Put 05/09
0,13
18.03.
0,00
Verlust
ausgebucht
Salzgitter Put
0,28
18.03.
0,00
Verlust
ausgebucht
RWE Put
0,37
25.03.
0,00
Verlust
ausgebucht
SAP Put
0,08
01.04.
0,00
Verlust
ausgebucht
Deutsche Bank Put
0,32
01.04.
0,00
Verlust
ausgebucht
Metro Put 06/09
WKN: CM2JUG
0,21
16.04.
0,00
Verlust
ausgebucht
Dt. Börse Put 06/09
WKN: CM1KEZ
0,26
20.04.
0,00
Verlust
ausgebucht
Caterpillar Put 06/09
WKN: CG3DFN
0,15
23.04.
0,00
Verlust
ausgebucht
RWE Put 06/09
WKN: AA1AE0
0,18
13.05.
0,00
Verlust
ausgebucht
Henkel Put 08/09
WKN: CG4XXB
0,076
18.06.
0,00
Verlust
ausgebucht
Metro Put 09/09
WKN: DB94LX
0,18
28.05.
0,05
– 72%
Halten
Deutsche Bank 09/09
WKN: CB43VU
0,28
25.06.
0,03
– 89%
Halten
RWE Put 09/09
WKN: CG0ZTP
0,20
16.07.
0,01
– 99%
Halten
Daimler Put 09/09
WKN: CG0TKZ
0,11
23.07.
0,03
– 72%
Halten
BASF Put 09/09
WKN: DB91LQ
0,15
05.08.
0,09
– 40%
Halten
BMW Put 09/09
WKN: CG56RU
0,08
06.08.
0,05
– 37%
Kaufen
Kali und Salz Put 10/09
WKN: CG5MPB
0,19
20.08.
0,25
+ 32%
Kaufen
Daimler Put 10/09
WKN: CM9USZ
0,175
27.08.
neu
Kaufen
Linde Put 10/09
WKN: DZ0FHF
0,38
27.08.
neu
Kaufen
zum Vergleich:
DAX seit 8. 1.
4871,00
5490,00
+ 13%
Die Angaben zu Aktienkäufen im Musterdepot und im Artikel sind nur fiktiv zu verstehen, es handelt sich dabei keinesfalls um Kaufempfehlungen.

Aus der Sicht des Querdenkers

Der Abschwung hat sich verlangsamt, die Rezession könnte sich dem Ende zuneigen. Das ist der Tenor der meisten Stimmungsbarometer und die Ansicht der europäischen und amerikanischen Notenbank. Die Frage bleibt: Ist damit auch der von der Börse sattsam vorweggenommene Aufschwung auf dem Weg? Die Wirtschaftswende wurde nun allerorten ausgerufen. An der Börse haben sich damit die Verfechter der Erholung in Form einer V-Formation durchgesetzt, auch die allgemeine Erwartungshaltung ist gestiegen. Hier dürfte denn auch das Enttäuschungspotenzial schlummern – der Grund für eine mögliche scharfe Korrektur. Denn selbst die amerikanische Notenbank hält die Bälle in Sachen Konjunkturerholung flach. Kein Wunder. Die bisherigen Erholungssignale basieren ausschließlich auf Kostensenkungsmaßnahmen der Unternehmen und der Wirkung der staatlichen Konjunkturpakete. Der Personalabbau in den USA ist weit fortgeschritten und dürfte nahezu abgeschlossen sein. Und bei den staatlichen Hilfsmaßnahmen gehen Experten davon aus, dass die Wirkung bereits Anfang 2010 nachlassen wird. Was bleibt, ist eine hohe Arbeitslosenquote, US-Privathaushalte, die nicht die Fähigkeit besitzen, Geld auszugeben und Banken, deren Hang zur Kreditvergabe sich in Grenzen hält. Den Beweis dafür hat letzten Donnerstag die EZB selbst erbracht: Die Kreditvergabe der Banken im EU-Raum hat im Juli den historisch niedrigsten Stand erreicht. Als Gründe führen die Währungshüter an: Die Banken sind bei der Vergabe sehr zurückhaltend, aber auch die Nachfrage von Unternehmen und privaten Haushalten sei gering. Unter solchen Umständen will niemand im großen Stil investieren oder Mitarbeiter einstellen. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Regierungen, aus der Politik des lockeren Geldes auszusteigen, um endlich das Verschuldungsproblem anzugehen. Das würde die Wirtschaft vermutlich in eine Stagnationsphase zurückfallen lassen. Die Ökonomie läuft so Gefahr, keine V-Formation, sondern eine W-Formation zu vollführen – ein nochmaliger Rückfall in die Rezession ist nicht unrealistisch. Das Urvertrauen in die Liquidität der Aktienmärkte steht daher auf tönernen Füßen. Jede Nachricht, die Zweifel an der Nachhaltigkeit des Aufschwungs aufkommen lässt, kann die Stimmung kippen lassen. Für Spekulanten ist das Auslaufen der Konjunkturpakete zeitlich bereits in Sichtweite. Es wird sich dann die Frage stellen, die an dieser Stelle von jeher gestellt wurde: Woraus soll sich dann der Aufschwung speisen?
Im DAX leuchten die ersten Warnsignale auf, auch wenn das Börsenbarometer noch in Richtung 5600 Punkte vorstoßen konnte. Der Markt will anscheinend bis zur völligen Erschöpfung weiterlaufen. Aber es ist wie bei der Reise nach Jerusalem – die ersten sitzen nämlich schon. Wenn es bergab geht, dann wohl zügig – das lassen schon die niedrigen Handelvolumina vermuten. Erstes Kursziel bleibt zunächst 4900 Punkte, dann sollten Rückkäufe einsetzen. Wir werden sehen, ob die Bullen dann wirklich noch mit der "Kraft der zwei Herzen" antreten können.
Peter Spermann

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