Bye-bye, Ralf Däinghaus

Für seinen Abgang in Stuttgart-"Zoffenhausen" erhielt Porsche-Chef Wendelin Wiedeking 50 Millionen Abfindung. Und Tränen. Nicht wegen der 50 Millionen, sondern weil ihn die Belegschaft mochte. Er hatte einen schwächelnden Autobauer gut aufgestellt und Arbeitsplätze geschafften.

Fast zeitgleich mit Wendelin schmeißt Ralf Däinghaus in der Stuttgarter Neckarstraße das Handtuch. Die Verbindung zwischen Ralf und Wendelin liegt in der Automarke, die beide fahren. Ansonsten findet man wenig Gemeinsames. Mit 50 Mio. wird Däinghaus’ Abgang von seinem Chef Fritz Oesterle sicher nicht versüßt. Und Tränen gab’s wohl auch keine. Zumindest nicht bei uns Apothekern, die Däinghaus seit 2000 nur allzu gerne geärgert hat.

Däinghaus – er wollte von Anfang an den Apothekern auf die Füße treten. Er hat unsere Apothekenwelt regelrecht torpediert, hat gegen "die Betonfraktion der etablierten Pharmazeuten" geschossen. Wir haben’s ausgehalten.

Was waren das noch für Zeiten, als der Informatiker Däinghaus und der Apotheker Jacques Waterval nach der Jahrtausendwende angetreten waren, um endlich mal alte Apothekenzöpfe in Deutschland abzuschneiden. Warum sollte es nicht möglich sein, billige Arzneimittel von Holland nach Deutschland zu schicken? So was greifen die Medien immer gerne auf. Die beiden waren mit einem frechen Start-up-Projekt und einem nettem Namen angetreten: einem Ondit zufolge zufällig entstanden, weil vor ihrem Arzneilager ein kleiner Mini, ein Austin Morris, parkte. Die Tagespresse jubelte, machte kostenlose PR für sie und pries Däinghaus als Robin Hood im Apothekenbereich – als einen, der endlich gegen die "Apothekerpreise" kämpft. So etwas kommt einfach gut.

Wie haben wir Apotheker uns dann mit ihm gefetzt, in Wortschlachten, vor Gerichten! Einstweilige Verfügungen und Strafverfahren bestimmten den Alltag von Däinghaus. Zeitweise soll sein zweites Zuhause der Gerichtssaal gewesen sein. Apotheker schickten ihm Drohbriefe und Detektive auf die Fersen. Mit Massenbestellungen wollten sie seinen Betrieb lahm legen.

Finanziell oft nah am Aus fand er immer wieder Geldgeber. Und Verehrer. Seine "innovativen Ideen" brachten ihm 2003 sogar den Gründerpreis ein, "Visionär" wurde er genannt – aber nicht von allen. Bundespräsident Rau legte deshalb sogar die Schirmherrschaft für den Deutschen Gründerpreis nieder.

Eines muss man Däinghaus lassen: Irgendwie fand er immer wieder Helfer, die ihn stützten. Einer der bekanntesten: Saarlands Justizminister Josef Hecken, der für ihn sogar deutsches Recht gebrochen hat, indem er seine Fremdbesitzapotheke in Saarbrücken genehmigte. "Clever" gemacht! Wir Apotheker konnten all das nicht hinnehmen. Däinghaus hatte einen Frontalangriff auf unsere Apothekenwelt gestartet, wir mussten massiv dagegen halten.

In seiner größten Not schlüpfte Däinghaus unter das Dach der Stuttgarter Celesen-Burg. Mit Fritz Oe. war der Coup perfekt. Es war wohl ein Höhepunkt in der "Pharmakarriere" von Däinghaus. Seitdem wurde es um ihn ruhiger. Oder hatte Fritz Oe., der Dompteur, ihn gezähmt?

Wie die Story ausging, wissen wir nun. Sorry, Herr Däinghaus, dass das Gericht unser Apothekensystem als das bessere ansah. Sorry, dass Ihr Arbeitgeber mit Ihrem Werk nicht das erreichte, was er wollte. Und jetzt Ihr Abgang – sind das die Konsequenzen?

Als kreativen Zerstörer haben Sie sich empfunden, "wie ein Phönix aus der Asche, der etwas in Frage stellt", daran hatten Sie Ihren Spaß – und jetzt? Probieren Sie diese Technik an sich selbst aus?

Ach ja, ein kleines Danke am Ende. Danke, dass Sie uns vor den EuGH in Luxemburg gebracht haben. So haben wir die höchstrichterliche Bestätigung bekommen, dass der Apotheker ein Heilberuf ist und bleiben soll. Und Danke, Herr Däinghaus, in Ihnen hatten wir so ein richtig schönes Feindbild gefunden: Ralf Däinghaus – der Apothekenschreck, der Buhmann der Apotheker. Das wird uns fehlen. Jetzt bleibt uns nur noch Ihr Ex-Chef.

Bye-bye, Ralf Däinghaus – ohne Tränen.

Peter Ditzel

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