Gesundheitspolitik

120.000 gefälschte Tabletten in Berlin und Brandenburg

2008 stieg die Zahl der Sicherstellungen enorm

Berlin (az/bav). Der Handel mit gefälschten Arzneimitteln macht der Zollfahndung Berlin-Brandenburg schwer zu schaffen: Im vergangenen Jahr hat sie mehr als 120.000 Tabletten beschlagnahmt. 2007 waren es noch lediglich 9200 Tabletten. Insgesamt stellten die Zöllner in Berlin-Brandenburg 93 Kilogramm gefälschte oder nicht zugelassene Arzneimittel sicher, darunter gefälschte Potenzmittel und in der Bodybuilder-Szene eingesetzte anabole Steroide. Im Jahr 2007 wurden dagegen 2,2 Kilogramm konfisziert.

Die gefälschten Pillen werden den Zollbehörden zufolge häufig in Untergrundlaboren in Osteuropa oder Südostasien hergestellt und meistens über illegale Internetapotheken vertrieben. "Im illegalen Arzneimittelhandel wird mittlerweile mehr Geld verdient als im klassischen Drogenhandel", sagte ein Zollsprecher. "Über das Internet läuft alles anonym. Hier sollte es Einschränkungen oder andere Möglichkeiten der Kontrolle geben".

Berlins Apotheker sprachen sich daraufhin erneut für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln aus: "Dem illegalen Handel mit gefälschten Arzneimitteln muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden. Die Politik steht in der Pflicht, diese unsicheren

Kanäle dicht zu machen", forderte Dr. Rainer Bienfait, Vorsitzender des Berliner Apotheker-Vereins (BAV). Mit einem Versandhandelsverbot für Rx-Arzneimittel könnte die Regierung den Patienten Sicherheit geben. Dr. Christian Belgardt, Präsident der Apothekerkammer Berlin, ergänzte: "Wer Arzneimittel aus dubiosen Quellen bezieht, geht vollkommen unnötig ein enormes Risiko ein". Im harmlosesten Fall seien die Präparate nur wirkungslos. Sie könnten aber auch falsche oder falsch dosierte Wirkstoffe sowie gefährliche Zusatzstoffe enthalten. "Nur über die niedergelassenen Apotheken ist eine sichere Arzneimittelversorgung der Bevölkerung gewährleistet. Die aktuellen Zahlen des Zolls sollten der Politik Warnung genug sein", so Belgardt.

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