Gesundheitspolitik

Apotheker verblistern für AOK-versicherte Heimbewohner

AOK Bayern startet Modellvorhaben zur besseren Arzneimittelversorgung in Pflegeheimen

Berlin (ks). In Bayern haben sieben Apotheken mit der AOK Bayern einen Modellversuch zur Arzneimittelversorgung in Pflegeheimen gestartet: Sie entblistern künftig unter wissenschaftlicher Begleitung die in Dauermedikation verabreichten Arzneimittel für 3000 Heimbewohner, prüfen sie auf etwaige Interaktionen und verpacken sie anschließend in patientenindividuelle Wochenblister. Mit dem Projekt will die AOK Aufschluss erhalten, ob sich auf diese Weise Krankenhausaufenthalte oder zusätzliche Arztbesuche reduzieren lassen.

Hintergrund des Projektes ist der Umstand, dass chronisch kranke Pflegeheimbewohner täglich durchschnittlich sechs verschiedene Arzneimittel erhalten, teilweise von mehreren Ärzten verordnet. Diese Vielfalt kann bekanntlich zu ungewollten Neben- und Wechselwirkungen oder sogar zu Überdosierungen führen. Bislang sind es in der Regel die Pflegekräfte, die die Tabletten aus den Blistern drücken und den Patienten individuell zusammenstellen. Künftig sollen Pharmazeuten in mehreren Arbeitsschritten maschinell die für einen Patienten verordneten Medikamente in der jeweils benötigten Dosis neu verblistern. Bei der AOK geht man davon aus, dass dies für mehr Arzneimittelsicherheit sorgen wird. Zum einen vermerkt der Arzt auf dem Blisterrezept die genaue Dosierung und die Tageszeit der Einnahme. Zum anderen ist es Aufgabe der verblisternden Apotheke, die von allen Ärzten des Patienten verordneten Arzneimittel umfassend auf Wechsel- und Nebenwirkungen, Überdosierung oder Doppelverordnung zu überprüfen. Bei Bedarf wird nach Rücksprache mit dem jeweiligen Arzt das Rezept korrigiert und anschließend der gebrauchsfertige patientenindividuelle Blister ans Pflegeheim geschickt. Die Apotheke erhält den Herstellerabgabepreis – tablettengenau abgerechnet – und für jeweils einen Wochenblister eine nicht genauer bezifferte Vergütungspauschale.

Was bringt die Verblisterung tatsächlich?

Einen Vorteil für die Pharmazeuten soll es jedoch ausdrücklich nicht geben. Die teilnehmenden und landesweit verteilten Apotheken haben die Heime – jeweils zwei bis fünf pro Apotheke – bereits zuvor beliefert. Nun kommt jedoch die wissenschaftliche Begleitung durch das vom Gesundheitsökonomen Günter Neubauer geleitete Institut für Gesundheitsökonomik (IfG) in München hinzu. Und hierauf kommt es der AOK Bayern an. Denn bislang mangelt es an genauen Daten und Fakten, was die Verblisterung in pharmazeutischer und ökonomischer Sicht bringt. Darum soll nun genau evaluiert werden, ob sich mit dem Projekt die Versorgungsqualität und die Wirtschaftlichkeit der Versorgung verbessern lasse, erläuterte Martina Ehnle, die für die AOK Bayern das Modellvorhaben mit betreut, gegenüber der AZ. Zudem will man Aufschluss erhalten, wie die Rahmenbedingungen für eine derartige Versorgungsform sinnvollerweise aussehen sollten, etwa hinsichtlich der Abrechnung. Darüber hinaus sieht Ehnle durch das Projekt aber auch Vorteile für die Mitarbeiter in den Heimen: "Das Pflegepersonal wird durch die Vorab-Dosierung in der Apotheke zeitlich und organisatorisch deutlich entlastet".

Die Apotheken sind bereits gerüstet

Bei den teilnehmenden Apotheken glaubt man an einen Erfolg des Projektes: "Unsere Erfahrung zeigt, dass die patientenindividuelle Verblisterung durch verbesserte Arzneimittelsicherheit zu einem Rückgang gesundheitlicher Probleme führt", erklärt die mit ihrer SaniPlus-Apotheke im PEP (München) teilnehmende Pharmazeutin Doris Schwaabe. Dies habe sich in den letzten beiden Jahren bei der Zusammenarbeit mit mehreren Pflegeheimen in München herausgestellt. Schwaabes Apotheke ist eine der zwei Apotheken im Projekt, die selbst eine Herstellungserlaubnis besitzt. Die übrigen Apotheken verblistern mit eigenem Automaten im Rahmen ihres üblichen Apothekenbetriebes; eine Apotheke bedient sich der Wochenblister des saarländischen industriellen Verblisterers 7x4-Pharma, einem Unternehmen der Kohl-Gruppe.

Bundesweite Umsetzung angedacht

Das bereits am 1. Januar 2009 angelaufene Projekt ist auf ein Jahr angelegt. Die Ergebnisse des Modellversuchs werden laut AOK für eine spätere flächendeckende Umsetzung der patientenindividuellen Verblisterung ausschlaggebend sein.

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