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Unabhängigkeit des Heilberufes ist das wichtigste Ziel

DAVOS (ck). "Es ist noch nichts entschieden!" so schätzte die Präsidentin der Bundesapothekerkammer (BAK), Magdalene Linz, am 3. Februar in ihrer Eröffnungsrede zur 38. BAK-Fortbildungsveranstaltung in Davos die aktuelle Situation bezüglich Fremd- und Mehrbesitzverbot ein.

Auch wenn das Vorlageverfahren in Sachen DocMorris beim Europäischen Gerichtshof noch anhängig ist, und auch wenn jetzt ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesregierung wegen des bestehenden Mehrbesitzverbotes eingeleitet wurde, ist noch nichts entschieden, betonte Linz. Interessierte Kreise versuchten zwar Stimmung zu machen, indem sie suggerieren, dass die Urteilsverkündung nur noch eine reine Formsache sei und schon längst feststehe, dass das Verbot des Fremd- und Mehrbesitzes fallen werde, doch davon dürfe man sich weder irritieren noch aus der Reserve locken lassen. Auch die Bundesregierung, die die Position der Apotheker im Vorlageverfahren in einer Stellungnahme gestützt hatte, sieht derzeit keinen Handlungsbedarf, so Linz.

Nach vielen Gesprächen, die mit der Basis, mit EU-Abgeordneten und am ABDA-Stand auf den diversen Parteitagen mit Bundestagsabgeordneten geführt wurden, geht Linz davon aus, dass die Bundesregierung die Apotheker weiterhin unterstützen wird.

Dass die laufenden Verfahren in ihrem Ausgang noch offen sind, zeigt auch die offensichtlich zunehmende Nervosität der Beteiligten. So wurde der BAK-Präsidentin ganz aktuell vom norwegischen Celesio-Ableger über eine renommierte Hamburger Kanzlei eine Unterlassungsklage zugestellt, mit der ihr untersagt werden soll, zu äußern, dass es zu einem Preisanstieg bei Arzneimitteln in Norwegen gekommen ist, seit es Ketten gibt. Ebenso soll sie sich nicht darüber äußern, dass es in Norwegen Schwierigkeiten gibt, genügend Apotheker zu finden und die Zahl derer, die ein Pharmaziestudium aufnehmen, sinkt. Linz betonte, dass sie das nicht unterschreiben werde: "Ich lasse mir nicht den Mund verbieten!"

Qualität der pharmazeutischen Leistung entscheidet

In den vergangenen Wochen sei auffällig gewesen, dass die Protagonisten der Aufhebung des Fremd- und Mehrbesitzverbotes offensichtlich einen Strategiewechsel vollzogen haben: "Die ausländischen Leuchttürme mit Kettenapotheken wurden als Irrlichter von Piraten enttarnt, und auch die vermeintlichen Argumente, dass die flächendeckende Versorgung gewährleistet sei und gleichzeitig wirtschaftliche Ressourcen gehoben werden könnten, haben sich als Scheinargumente erwiesen." Stattdessen werde nun auf Qualität und nochmals Qualität gesetzt. All das, was die Apothekerschaft in Deutschland seit Jahren vertrete – die qualitätsgesicherte Versorgung der Bevölkerung und die qualitätsgesicherte Erbringung und Weiterentwicklung pharmazeutischer Leistungen – werde nun auf einmal als neuer Wert verkauft. Das sei aber gut zu verkraften, so Linz. Abgesehen davon, dass die postulierte Qualität dort ihre Grenzen haben werde, wo sie der Gewinnmaximierung im Wege stehe, bestätige dieser Umschwung nur die Politik, die ABDA und BAK konsequent verfolgen: Die Zukunft wird nicht nur pharmazeutisch, sondern auch über die Qualität der Leistung entschieden. "Allerdings war es im vergangenen Jahr nicht immer leicht, diesem Leitspruch zu folgen und ihn in die Praxis umzusetzen", bedauerte Linz. Denn in der Offizin waren die Mitarbeiter zu oft mit der Umsetzung der Rabattverträge beschäftigt und konnten sich nicht mit anderen Fragen beschäftigen.

Gut und diskret beraten

Das Ziel, qualitätsgesichert zu beraten und zu informieren, darf bei den alltäglichen Problemen mit den Rabattverträgen nicht aus den Augen verloren werden. Um es zu erfüllen, ist ein geeignetes Umfeld in der Apotheke erforderlich, Stichwort: Diskretion in der Beratung. "Dieses Thema wurde uns nicht aufgezwungen", meinte die BAK-Präsidentin. Die Apothekenbetriebsordnung enthält schon seit Jahren eine Bestimmung, nach der in der Offizin die Vertraulichkeit der Beratung gewahrt werden muss. Leider werde dies in der Praxis noch nicht vollständig umgesetzt. Linz forderte dazu auf, die Vertraulichkeit der Beratung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen nach dem Motto "Unsere Patienten stört das nicht". Befragungen und Erfahrungen in der eigenen Apotheke haben gezeigt, dass die Patienten sehr wohl eine Diskretionszone am Handverkaufstisch wünschen. Diese könne auch mit einfachen Möglichkeiten schnell und ohne großen Aufwand in der Offizin eingerichtet werden. "Es gilt, dem Patienten zu zeigen, dass er mit seinen Problemen und Bedürfnissen in seiner Apotheke vor Ort ernst genommen wird. Nur so kann es gelingen, das Ansehen der Apotheke in der Bevölkerung zu wahren, und sie auf die Seite der Apotheker zu ziehen", betonte Linz.

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