DAZ aktuell

Schlecht recherchiert oder absichtlich manipuliert?

BAIERSBRONN (daz/wub). Das ZDF-Magazin Frontal 21 berichtete am 9. Dezember in seinem Beitrag "Das Pharmakartell" über angebliche Machenschaften und Manipulationen bei der Zulassung von Arzneimitteln und über die Darstellung von medizinischen Berichten in Publikumsmedien. Dabei warf das Magazin auch der "Apotheken Umschau" vor, u. a. von der Industrie bezahlte redaktionelle Texte zu veröffentlichen. Der Wort & Bild Verlag weist die Vorwürfe von sich und geht nun juristisch gegen das ZDF vor. Der Wort & Bild Verlag bittet um Veröffentlichung folgender Pressemitteilung:

Der öffentliche Vorwurf, Fakten zu manipulieren, ist gegenüber Journalisten besonders schwerwiegend. Eben diese Behauptung stellt die ZDF-Sendereihe Frontal 21 am 9. Dezember 2008 in ihrer Dokumentation "Das Pharmakartell" gegenüber der Redaktion der Apotheken Umschau auf – ohne einen redaktionellen Beweis dafür vorzulegen. Im Gegenteil: Die Analyse der Sendung legt nahe, dass offenkundige, unbestreitbare Tatsachen von den Frontal 21-Autoren Christian Esser und Astrid Randerath nicht berücksichtigt worden sind. Deshalb geht der Wort & Bild Verlag juristisch gegen die Autoren und das ZDF vor: Dem öffentlich-rechtlichen Sender ist eine Gegendarstellung zugestellt worden; Unterlassungsansprüche wegen der falschen Tatsachenbehauptungen sind auf dem Weg.

Die Frontal 21-Autoren erwecken den falschen Eindruck, die Apotheken Umschau sei mit Schuld am Tod einer möglicherweise depressiven Frau: Monika K. habe in der Apotheken Umschau einen Artikel über neuartige Medikamente gelesen und habe sich daraufhin vom Arzt ein bestimmtes Antidepressivum verordnen lassen. Elf Tage später habe sie unter dem Einfluss des Medikaments Suizid begangen.

Der Frontal 21-Film präsentiert als Zeugen Monika K.’s Witwer. Dieser blättert vor laufender Kamera in dem Artikel "Wege aus der Depression" in der Apotheken Umschau vom 15. November 2004, während ein Sprecher sagt: "Ihr Mann hält die Zeitschrift heute für mitverantwortlich am Tod seiner Frau". Wie perfide die Frontal 21-Autoren sich hier Argumente zurechtbiegen, zeigen folgende Tatsachen:

1. Weder das der Frau verordnete Präparat noch der darin enthaltene Wirkstoff werden in dem kritisierten Artikel der Apotheken Umschau genannt.

2. In dem Artikel, der fünf Monate vor Monika K.’s Tod erschien, wird ausdrücklich davor gewarnt, dass es zu Beginn der medikamentösen Therapie neben anderen Nebenwirkungen zu einer "Kurzschlusshandlung, einem Suizidversuch" kommen kann.

3. Auf der Website, die Monika K.’s Witwer seit Anfang 2008 betreibt, heißt es: "Meine Frau hatte sich in Zeitschriften und auf deutschsprachigen Internet-Seiten über die Wirkungsweise und Risiken der SSRI-Antidepressiva (…) informiert. Doch damals wurde in allen deutschen Medien behauptet, die SSRIs seien gut verträglich und sicher. Von Risiken war nicht die Rede (…)". Gerade in der am 15. November 2004 erschienenen Apotheken Umschau wurde aber explizit auf die Risiken und Nebenwirkungen hingewiesen.

4. Frontal 21 verwickelt sich selbst in Widersprüche. Die Autoren hatten den Fall Monika K. bereits in der Sendung vom 2. Dezember 2008 dargestellt, eine Woche vor der Ausstrahlung der Dokumentation "Das Pharma-kartell". Dabei wurde die Apotheken Umschau jedoch nicht erwähnt. Vielmehr wurde ausgeführt: "Erst im Oktober 2005 wurde die Selbstmordgefahr als mögliche Nebenwirkung in der Produktinformation des Medikaments erwähnt (…). Zu spät für Monika. K.. Sie nahm sich im April 2005 das Leben." Wenn Monika K. – wie von Frontal 21 unterstellt – die Apotheken Umschau vom 15. November 2004 wirklich gelesen hätte, dann hätte sie die mögliche Suizidgefahr gekannt.

Fazit: Der Vorwurf, die Apotheken Umschau sei mit Schuld am Suizid von Monika K., ist nachweislich falsch. Die Apotheken Umschau hat bereits fünf Monate vor ihrem tragischen Tod wahrheitsgemäß und ausführlich auf die Suizidgefahr und andere Nebenwirkungen hingewiesen (siehe vor allem Punkt 2).

Der Frontal 21-Beitrag enthält noch einen weiteren Vorwurf: Astrid Randerath und Christian Esser suggerieren, die Redaktion der Apotheken Umschau sei durch Anzeigenschaltungen zu beeinflussen. Den Beweis hierfür – also einen gedruckten Artikel der Apotheken Umschau, der journalistische oder presserechtliche Qualitätskriterien verletzt – bleibt Frontal 21 jedoch schuldig.

Wir stellen klar: In den Medien des Wort & Bild Verlags sind Redaktion und Anzeigen strikt getrennt. Die Unterlagen, die für eine Überprüfung unserer redaktionellen Qualität nötig sind, sind öffentlich zugänglich – Monat für Monat in der Apotheke.

Zum Nachlesen: Den Artikel "Wege aus der Depression" in der Apotheken Umschau vom 15. November 2004 finden Sie unter www.wortundbildverlag.de unter "Aktuelles".

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