Feuilleton

Mehr als ein Darwin-Jahr

Charles Darwin

Im kommenden Jahr feiert die ganze Welt den englischen Naturforscher Charles Darwin (1809 –1882). Er zählt zu den wenigen Persönlichkeiten seiner Zunft, die nicht nur in ihrem Fach, sondern darüber hinaus Geschichte gemacht und die Welt verändert haben. Seine Evolutionstheorie prägt unsere Weltsicht. Seit Darwin wissen wir: Die Schöpfung ist kein Akt von sechs Tagen gewesen, sondern ein endloser Prozess. Die Geschöpfe verändern sich von Generation zu Generation, und durch fortwährende Selektion beim Kampf ums Leben entstehen neue Arten. Scheinbar endlos sind auch die Debatten, ob und inwieweit es dem Menschen erlaubt ist, in diesen Prozess einzugreifen und gewissermaßen "den lieben Gott zu spielen".

Was steht sonst an Jubiläen an? Vor 550 Jahren wurden der Kaiser Maximilian und sein wichtigster Bankier, Jakob Fugger der Reiche, geboren. Während der Kaiser als "letzter Ritter" das späte Mittelalter verkörperte, steht Fugger für die Modernisierung des Finanzwesens und den aufblühenden Frühkapitalismus; er profitierte von der damaligen Globalisierung und seinen Beziehungen im weltumspannenden Habsburgerreich, in dem die Sonne nicht unterging. Apropos global: Im Mittelalter gab es nur Himmelsgloben, die das runde Firmament abbildeten. Martin Behaim (1459 –1507) war der erste, der die scheinbar flache Erde als Globus ("Erdapfel") darstellte.

Dafür, dass die Wissenschaften sich nicht zu frei entwickelten, sorgten früher die Theologen. Ein markanter Vertreter, der Franzose Jean Calvin (1509 –1564), gehört zu den Propheten, die in ihrem Land nichts galten. In seiner neuen Heimat Genf errichtete er eine Art Gottesstaat, das "protestantische Rom"; von dort nahm die "protestantische Ethik" (Max Weber) ihren Ausgang und verbreitete sich über die Kurpfalz, den Niederrhein und die Niederlande teils nach Großbritannien und Nordamerika, teils nach Preußen, wo sie der Ausbildung des modernen Kapitalismus förderlich war.

Friedrich Schiller (1759 –1805), der Dichter der Freiheit, hat innerhalb von vier Jahren sein zweites Jubiläumsjahr. Lassen wir uns überraschen, ob den Kulturschaffenden und Kulturfunktionären etwas Neues eingefallen ist, um das Ereignis zu feiern.

Vor 200 Jahren wurde der Arzt Heinrich Hoffmann geboren. Er schrieb und illustrierte den "Struwwelpeter", der vielen kranken Kindern mehr geholfen hat als die verordnete Arznei. Suppen-Kaspar, Zappel-Philipp, Hans Guck-in-die-Luft, fliegender Robert und Paulinchen – wer erinnert sich nicht mit Vergnügen an diese Geschichten?

Zum Schluss noch einige "unpersönliche" Gedenktage: Vor 2000 Jahren siegte der Cheruskerfürst Arminius über den römischen Heerführer Quintilius Varus im Teutoburger Wald. Ob die Schlacht bei Detmold, bei Kalkriese oder anderswo tobte, ist umstritten. – Vor 600 Jahren verließen Professoren und Scholaren, die sich in Prag diskriminiert fühlten, die goldene Stadt an der Moldau und veranlassten den sächsischen Kurfürsten, die Universität Leipzig zu gründen.

Auch an zwei Markenartikel mit rundem Geburtstag sei erinnert. Die körnige Würzbrühe Frugola wird 100 Jahre alt, und Asterix bereichert seit 50 Jahren die Comic-Welt.

Bei 10 Jahren spricht man im strengen Sinne nicht von einem Jubiläum, doch möchte ich Ihnen ein Ereignis, das wir wie eine Zäsur erlebt haben, in Erinnerung rufen: Am 1. Januar 1999 wurde der Euro eingeführt. Nun urteilen Sie selbst, ob das schon ewig lange her ist oder ob es erst gestern war. cae

Jubiläen 2009

Vor 550 Jahren 1459

Jakob Fugger * 06.03.
Kaiser Maximilian * 22.03.
Martin Behaim * 06.10.
Vor 500 Jahren 1509

Jean Calvin * 10.07.
Vor 450 Jahren 1559
Adam Riese† 30.03.
Vor 300 Jahren 1709
Abraham a Santa Clara † 01.12.
Vor 250 Jahren 1759
Georg Friedrich Händel † 14.04.
Friedrich Schiller * 10. 11.
Vor 200 Jahren 1809

Edgar Allan Poe * 19.01.
Felix Mendelssohn-Bartholdy
* 03.02.
Charles Darwin * 12.02.
Abraham Lincoln * 12.02.
Joseph Haydn † 31.05.
Heinrich Hoffmann * 13.06.
Vor 150 Jahren 1859
Alexander v. Humboldt † 06.05.
Jean Jaurès * 03.09.
Vor 100 Jahren 1909
Willy Millowitsch * 08.01.
HAP Grieshaber * 15.02.
Heinz Erhardt * 20.02.
Golo Mann * 27.03.
Bernhard Grzimek * 24.04.
Margarete Steiff † 09.05.
Elia Kazan * 07.09.
Eugène Ionesco * 13. 11.
Marion Gräfin Dönhoff * 02.12.

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