Arzneimittel und Therapie

Cetuximab zur Erst-Linien-Therapie bei Kopf-Hals-Tumoren

Die Europäische Kommission hat die Zulassungserweiterung für den monoklonalen Antikörper Cetuximab (Erbitux®) zur Erst-Linien-Therapie in Kombination mit Platin-basierter Chemotherapie von Patienten mit rezidivierenden oder metastasierten Plattenepithelkarzinomen des Kopfes und Halses erteilt. Cetuximab ist bereits in Kombination mit Strahlentherapie für lokal fortgeschrittene Kopf-Hals-Tumoren zugelassen.

Die Zulassung basiert auf den Ergebnissen der Extreme-Studie, die zeigte, dass die Zugabe von Cetuximab zur Platin-basierten Chemotherapie sowohl das mediane Gesamtüberleben als auch das progressionsfreie Überleben signifikant verlängert und die Ansprechrate signifikant erhöht. In der mit dem monoklonalen Antikörper in Kombination mit Chemotherapie behandelten Patientengruppe wurde im Vergleich zu den Patienten, die nur Chemotherapie erhielten, eine Verlängerung des medianen Gesamtüberlebens um 2,7 Monate sowie eine Verlängerung des medianen progressionsfreien Überlebens um 2,3 Monate erreicht.

Risikofaktoren

Zu den Hauptrisikofaktoren für Karzinome der Mundhöhle und des Rachens sowie für die Entwicklung von Kehlkopfkrebs gehören insbesondere Tabak- und Alkoholkonsum. Raucher erkranken an bösartigen Neubildungen der Mundhöhle und des Rachens bis zu sechsmal häufiger als Nichtraucher, wobei die Kombination von Alkoholkonsum und Rauchen das Risiko verstärkt. Weitere Risikofaktoren sind unzureichende Mundhygiene und ein zu geringer Verzehr von Obst und Gemüse. Für einige Unterarten dieser Krebserkrankungen wird auch eine Beteiligung von Viren an ihrer Entstehung diskutiert. Bekannt ist ein Zusammenhang von Tumoren des Kehlkopfes auch für eine Reihe beruflicher Expositionen, zum Beispiel Asbest, Nickel oder polyzylische aromatische Kohlenwasserstoffe. Ein Kontakt mit diesen Schadstoffen sollte durch Schutzmaßnahmen heute nach Möglichkeit ausgeschlossen sein. In Deutschland kann das Kehlkopfkarzinom als Berufskrankheit anerkannt werden, wenn ein beruflicher Umgang mit Asbest bestanden hat.

Epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor blockieren

Zu den Kopf-Hals-Tumoren, die weltweit die sechst häufigste Krebsart darstellen, zählen Karzinome der Zunge, des Mundes, der Speicheldrüsen, des Pharynx, des Larynx, der Nebenhöhlen und weiterer Bereiche des Kopfes und Halses. Etwa 40% der Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren befinden sich im rezidivierten oder metastasierten Stadium. Cetuximab ist gegen den epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor (EGFR) gerichtet. Ungefähr 90% der Kopf-Hals-Tumore sind Plattenepithelkarzinome und fast alle exprimieren den EGFR, der einen kritischen Faktor für das Tumorwachstum darstellt. Cetuximab ist ein monoklonaler Antikörper vom Typ IgG1, der hochwirksam und gezielt den epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor blockiert. Als monoklonaler Antikörper unterscheidet es sich in seiner Wirkweise von nicht-selektiven Standardchemotherapien dadurch, dass er spezifisch an den EGFR bindet. Durch diese Bindung wird die Aktivierung des Rezeptors und das nachgeschaltete Signalleitungssystem gehemmt, wodurch sowohl die Invasion der Tumorzellen in gesundes Gewebe als auch die Ausbreitung der Tumore in neue Körperregionen vermindert wird. Darüber hinaus wird angenommen, dass in der Folge die Fähigkeit der Tumorzellen, die durch Chemo- und Strahlentherapie verursachten Schäden zu reparieren, sowie die Ausbildung neuer Blutgefäße in den Tumoren verringert wird, was zu einer generellen Hemmung des Tumorwachstums zu führen scheint. Als häufigste Nebenwirkung tritt bei Behandlung mit Cetuximab ein akneartiger Hautausschlag auf, der mit einem guten Ansprechen auf die Therapie zu korrelieren scheint. Bei etwa 5% aller Patienten können unter der Behandlung Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten; etwa die Hälfte dieser Reaktionen ist schwerwiegend. <

Quelle

Pressemitteilung der Merck KGaA vom 1. Dezember 2008.

Krebs in Deutschland 2003 – 2004. Häufigkeiten und Trends. 6. überarbeitete Auflage. Robert Koch-Institut (Hrsg) und die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e. V. (Hrsg). Berlin, 2008.


ck

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