Erkältung

Wie Senioren gesund durch Herbst und Winter kommen

Viele ältere Menschen klagen darüber, dass sie häufiger an Erkältungssymptomen leiden als früher. Woran das liegen kann und welche Tipps ihnen gegeben werden können, damit sie gesund durch Herbst und Winter kommen, ist Thema des folgenden Beitrages.
Sport wohl dosiert Nach einer Erkältung sollte man es im höheren Alter vorsichtig angehen lassen: Erst wenn man mindestens zwei Tage ohne Medikamente fieberfrei war, kann die sportliche Betätigung mit langsam ansteigender Intensität wieder aufgenommen werden.
Foto: Kaspar Müller-Bringmann

Viele innere und äußere Faktoren können dazu beitragen, dass ein Mensch im höheren Lebensalter anfälliger für Erkältungskrankheiten wird als er es in jüngeren Jahren war. So verläuft beispielsweise bei Senioren die Anpassungsfähigkeit an Temperaturschwankungen langsamer, was unter anderem auf den Verlust von Muskelmasse und schützendem Körperfett im Alter zurückgeführt wird. Niedrige Körpertemperaturen fördern die Infektanfälligkeit, eine Unterkühlung kann insbesondere bei sehr alten Menschen rasch zum Tode führen.

Einsamkeit macht depressiv

Bedingt durch die Auflösung traditioneller Familienstrukturen fehlt es Senioren nicht selten an vielseitigen sozialen Kontakten. Bewegungsmangel kann die Folge sein, der Antrieb, sich regelmäßige und abwechslungsreiche Mahlzeiten zuzubereiten, lässt nach. Einrichtungen wie z. B. "Fahrbare Mittagstische" können dies nur teilweise kompensieren. Eine damit verbundene unzureichende Versorgung mit lebenswichtigen Vitaminen und Mineralstoffen führt nicht selten zu einer Schwächung des Immunsystems. Verstirbt dann auch noch der langjährige Lebenspartner, kann es zu depressiven Verstimmungen bis hin zu schweren, behandlungsbedürftigen Depressionen kommen, gerade in der lichtarmen Jahreszeit.

Nebenwirkungen werden häufig unterschätzt

Häufig wird unterschätzt, dass einige Arzneimittel die beschriebenen Prozesse begünstigen oder beschleunigen. So können beispielsweise Phenothiazine oder Diuretika, die bei älteren Patienten häufig eingesetzt werden, zu Störungen der Temperaturregulation führen.

Auch Depression ist eine mögliche unerwünschte Arzneimittelwirkung. In den letzten Jahren gab es immer wieder Einzelfallberichte über Depressionen und Suizidgedanken bei Arzneistoffen aus völlig verschiedenen Wirkstoffklassen, zum Beispiel zu Levofloxacin, Gabapentin, Olmesartan oder Montelukast.

Bei ACE-Hemmern wird die bekannte unerwünschte Wirkung trockener Husten von älteren Menschen, die auf eine Substanz aus dieser Wirkstoffklasse neu eingestellt und vom Arzt unzureichend über die Nebenwirkungen aufgeklärt werden, nicht selten als Erkältungssymptom fehlgedeutet. Daher empfiehlt es sich, in der Beratung nicht nur die Erkältungssymptome, sondern auch die aktuelle Medikation genau zu hinterfragen.

Schlafmittel können Sturzrisiko erhöhen

Viele ältere Menschen leiden unter Schlafstörungen, nicht selten werden dagegen Benzodiazepine (z.B. Temazepam, Lormetazepam) oder Benzodiazepin-Analoga (z. B. Zolpidem, Zaleplon, Zopiclon) verordnet. Ihre Anwendung kann mit Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Benommenheit am folgenden Tag, Einschränkung des Seh- und Reaktionsvermögens verbunden sein. Diese erhöhen das Sturzrisiko, was bei Schnee und Eisglätte besonders relevant ist.

Auch bei Anwendung der H1 -Antihistaminika Diphenhydramin und Doxylamin, die für die Selbstmedikation leichter Schlafstörungen zur Verfügung stehen, können als Nebenwirkungen Schwindel oder Sehstörungen auftreten. Daher sollten Senioren bei der Abgabe eines Schlafmittels auf Rezept oder im Rahmen der Selbstmedikation einer Schlafstörung speziell auf das erhöhte Sturzrisiko hingewiesen werden.

Ältere Menschen, die schon häufig gestürzt sind, trauen sich bei ungünstigen Witterungsverhältnissen oft nicht mehr nach draußen und gelangen damit leicht in einen Teufelskreis, denn gerade regelmäßige Bewegung ist zur Stärkung des Immunsystems in Herbst und Winter empfehlenswert.

"Turne bis zur Urne"

Dennoch haben viele Senioren bereits erkannt, dass Bewegung fit hält. Wandern, Nordic Walking, Schwimmen oder Aqua-Gymnastik sind beispielsweise Sportarten, die bis ins hohe Alter betrieben werden können. Sportliche Betätigung erhält nicht nur die Beweglichkeit, sondern stärkt auch das Immunsystem. Im Falle einer Erkältung sollte allerdings eine Trainingspause eingelegt werden, Nicht nur, um den Körper zu schonen, sondern auch zur Verringerung der Ansteckungsgefahr, falls Sport in Gemeinschaft betrieben wird. Spaziergänge an der frischen Luft sind erlaubt, wenn die Betroffenen fieberfrei sind. Während der Einnahme von Antibiotika empfiehlt es sich, auf Sport zu verzichten. Der Arzt sollte entscheiden, wann mit dem Training wieder begonnen werden darf. Nach einem fieberhaften Infekt gilt die Faustregel, dass man mindestens zwei Tage lang ohne Medikamente fieberfrei sein muss, danach kann die sportliche Betätigung mit langsam ansteigender Intensität wieder aufgenommen werden.

Arzneimittel mit Mundtrockenheit als Nebenwirkung (Auswahl)
Indikation
Wirkstoff
Präparate
Antihypertonika
Captopril
Lopirin® Cor, CaptoBeta®
Clonidin
Catapresan® , Clonidin-ratiopharm®
Ulcusmittel
Pirenzepin
Gastrozepin®
Antidepressiva
Fluoxetin
Fluctin® , Fluoxetin AL®
Diuretika
Furosemid
Lasix® , Furogamma®

Im Freien langsam starten!

Für den Sport im Freien gelten bei kalten Außentemperaturen einige besondere Regeln. So sollte langsam gestartet werden, um Muskeln, Sehnen und Bänder allmählich zu erwärmen. Die Bekleidung wird am sinnvollsten nach dem "Zwiebelschalenprinzip" ausgewählt, das heißt, es werden mehrere dünne Kleidungsstücke übereinander getragen. Darüber empfiehlt sich eine für Wind und Nässe undurchlässige Oberbekleidung. Die ideale Zeit für die sportliche Betätigung sind die Vormittags- oder Mittagsstunden, da dann die UV-Strahlung am stärksten ist. Dies ist für Senioren deshalb besonders wichtig, weil im Alter die Hautkapazität zur Vitamin D-Produktion im Vergleich zu jüngeren Menschen etwa um den Faktor 4 abnimmt.

Mittel gegen den trockenen Hals

Auch die Speichelproduktion lässt im Alter nach, weshalb Senioren nicht selten mit Mundtrockenheit (Xerostomie) zu kämpfen haben. Verstärkt wird dieses Symptom noch durch verschiedene Medikamente, die die Speichelproduktion vermindern können (siehe Tabelle). Dazu kommt, dass Senioren häufig zu wenig trinken, weil im Alter das Durstgefühl nachlässt. Bahnt sich dann noch eine Erkältung mit Symptomen wie z. B. einem trockenen, rauen Gefühl im Mund- und Rachenraum an, leiden die Betroffenen ganz erheblich darunter.

Im Rahmen einer Beratung zur Selbstmedikation bei Erkältungssymptomen ist daher eine wohlschmeckende Teemischung immer eine sinnvolle Zusatzempfehlung – verbunden mit dem Hinweis, eine tägliche Trinkmenge von 1,5 bis 2 Litern anzustreben.

Außerdem sind zur Bekämpfung der Mundtrockenheit rezeptfreie Speichelersatzmittel (z. B. Saliva natura® Spray, Glandosane® Spray) auf dem Markt, die den Mund- und Rachenraum über längere Zeit feucht halten und damit die mit der Mundtrockenheit verbundenen Beschwerden lindern können. Sie werden mehrmals täglich in den Mund gesprüht.

Alternative Möglichkeiten zur Anregung der Produktion der Speicheldrüsen sind säuerliche Bonbons, das Kauen von Karotten oder Mundspülungen mit Öl (nach dem Aufstehen den Mund etwa 10 min lang mit einem neutralen Öl, z. B: Erdnuss- oder Mandelöl, spülen).

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Geeignete Darreichungsformen auswählen

Die übliche und sinnvolle Empfehlung, feste Darreichungsformen wie Tabletten oder Kapseln generell mit einem Glas Wasser einzunehmen, wird von älteren Menschen oft nur unzureichend umgesetzt. Einige von ihnen glauben, die Einnahme mit der Tasse Morgenkaffee oder mit drei "Schlückchen Tee" sei durchaus ausreichend. Da bei einer Erkältung eine reichliche Flüssigkeitszufuhr jedoch wichtig ist, empfiehlt sich die Auswahl von Darreichungsformen, die in Wasser aufgelöst werden müssen (Trink- und Brausetabletten, Granulat). Gerade bei Wirkstoffen gegen Erkältungssymptome (z. B. Ambroxol, Acetylcystein) steht hier eine breite Palette empfehlenswerter Darreichungsformen zur Verfügung. Generell sollte, wenn möglich, Säften und Tropfen anstelle von Tabletten oder Kapseln der Vorzug gegeben werden, da ältere Menschen häufig Schluckprobleme haben.

Impfungen bei Senioren

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) empfiehlt ab dem 60. Lebensjahr eine Immunisierung gegen Influenza und Pneumokokken (mit einem Polysaccharidimpfstoff). Bezüglich der Influenzaimpfung war in der Vergangenheit argumentiert worden, dass sie zu einer Senkung der Mortalitätsrate bei älteren Menschen führt. Die Veröffentlichung einer kanadischen Studie ließ allerdings Zweifel daran aufkommen, ob Senioren tatsächlich von einer Grippeschutzimpfung profitieren (siehe auch DAZ 2008, Nr. 31, S. 4142 ff).

Annahmen wie beispielsweise eine Senkung der Gesamtmortalität während einer Grippesaison um bis zu 50% erscheinen nach diesen Ergebnissen unrealistisch. Die Wirksamkeit der Influenzaimpfung an sich wird allerdings nach Ansicht der STIKO durch diese Studiendaten nicht infrage gestellt, sodass sie die Impfempfehlungen für Senioren nach wie vor aufrecht erhält.

"Überwintern" im Süden

Spanien, die Türkei und Florida sind die beliebtesten Ziele für Langzeiturlauber. Um den Unannehmlichkeiten der kalten Jahreszeiten zu entfliehen, entschließen sich zunehmend auch Senioren zu einem Langzeitaufenthalt in diesen Ländern. Es empfiehlt sich, einen solchen Urlaub gut vorzubereiten:

  • Wichtig ist eine Rücksprache mit dem Arzt, ob gesundheitliche Bedenken bestehen.
  • Dauermedikamente sollten aus Deutschland mitgenommen werden. Für Flugreisen empfiehlt sich die Mitnahme eines vom Arzt unterschriebenen "Medikamenten-Attests", das gegebenenfalls bei der Sicherheitskontrolle vorgelegt werden kann.
  • Über die medizinische Versorgung vor Ort sollten Informationen eingeholt werden (in vielen Regionen gibt es auch deutschsprachige Ärzte), gegebenenfalls müssen Zusatz-Krankenversicherungen abgeschlossen werden
  • Vor Reiseantritt sollte überprüft werden, ob der Impfschutz komplett ist.
  • Über die aktuelle Sicherheitslage im Urlaubsland gibt es Informationen beim Auswärtigen Amt.

Nicht zuletzt sollte jeder Langzeiturlauber in spe für sich selbst herausfinden, ob er auch im höheren Lebensalter noch flexibel und anpassungsfähig genug ist, um sich in diesem Ausmaß auf ein anderes Klima, eine andere Kultur und fremde Menschen einstellen zu können.

Pflege von Haut und Schleimhaut

Im Alter lässt die Elastizität und Widerstandsfähigkeit der Haut nach, daher sollte sie regelmäßig – möglichst täglich – eingecremt werden. Dafür eignen sich Körperlotionen, die sich gut verteilen lassen und schnell einziehen, auch Ölbäder sind empfehlenswert. Während Erkältungsbäder wegen der hohen Kreislaufbelastung für ältere Menschen eher nicht zu empfehlen sind, trifft dies auf Ölbäder nicht in dem Maße zu, da die empfohlenen Badewassertemperaturen hier zwischen 32 und 36 Grad Celsius liegen. Senioren, die nicht gern baden, können Ölbäder wie z. B. Balneum Hermal® als Duschbad verwenden; es wird unverdünnt auf der angefeuchteten Haut verteilt und danach abgeduscht.

Wenn die Nase wund ist

Viele ältere Menschen klagen in der Erkältungszeit über eine "wunde Nase" durch häufiges Naseputzen. Empfehlenswerte Salben gegen dieses Problem enthalten Kamillen- oder Hametum-Extrakt (z. B. Kamillosan® -Salbe, Hametum® Salbe) oder Dexpanthenol (Bepanthen® Wund- und Heilsalbe, Panthenol® Salbe) und werden regelmäßig – vor allem über Nacht – auf die betroffenen Stellen aufgetragen. Zum Naseputzen sollten weiche Taschentücher benutzt werden. Sind die Schleimhäute der Nase angegriffen, so sind Panthenol-haltige Zubereitungen zur nasalen Anwendung (Bepanthen® Augen- und Nasensalbe, Nasenspray ratiopharm Panthenol Lösung®) eine gute Empfehlung.

Empfehlenswerte Nahrungsergänzungsmittel

Wegen der bereits beschriebenen möglichen Unterversorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen sind Multivitaminpräparate bei Senioren eine gute Zusatzempfehlung. Zur Stärkung des Immunsystems können Zink- und Echinaceapräparate empfohlen werden.

Da die Vitamin-D-Produktion der Haut im Alter drastisch nachlässt und außerdem häufig Bewegungsmangel herrscht, empfiehlt sich die Ergänzung von Vitamin D3 , entweder als Monopräparat (z. B. Vitamin D3 Hevert® Tabletten) oder in Kombination mit Calcium (z. B. CalciCare® D3 forte, Ossofortin® Brausetabletten). Die derzeitige Empfehlung von 20 µg (800 I.E.) Vitamin D3 wird von vielen Nahrungsergänzungsmitteln, die in Drogeriemärkten erhältlich sind, nicht erreicht.

Als pflanzlicher Stimmungsaufheller empfehlen sich Johanniskrautpräparate (z. B. Jarsin® , Neuroplant®), wobei der Interaktionscheck wegen möglicher Wechselwirkungen mit der Dauermedikation nicht vergessen werden darf.

Zeit nehmen für die Beratung

Da ein höheres Lebensalter auch mit Einschränkungen zahlreicher Sinnesfunktionen verbunden sein kann ist es wichtig, im Beratungsgespräch besonders deutlich zu sprechen, sich durch Rückfragen zu versichern, dass das Gesagte verstanden wurde, zu prüfen, ob der Betreffende die Präparate auch anwenden kann (kindersicherer Verschluss, Probleme bei Schlucken großer Kapseln) und gegebenenfalls die Dosierung in großer Schrift auf der Packung zu vermerken.

Quelle

www.fitforfun.de/gesundheit/gesundheitsratgeber/sportunderkaeltung/fieber-und-grippe_aid_1657.html

www.rki.de

Eurich DT et al., Am J Resp Crit Care Med 2008, 178: 527-533.

arzneitelegramm: Nr. 01/91, Nr. 10/91, Nr. 10/08; www.arznei-telegramm.de.

Bischoff-Ferrari, H.: Vitamin D ist wichtiger als Calcium-Substitution, Dtsch. Apoth. Ztg. 2008; 148 (43): 4788-4790.

Website der Union Krankenversicherung AG, www.cms.ukv.de


Apothekerin Dr. Claudia Bruhn

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