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Männer zwischen Firma und Familie

Was Frauen bereits seit mehr als 100 Jahren etabliert haben, gibt es seit dem Jahr 2000 auch für "ihn": Der 3. November wurde vor nunmehr acht Jahren zum Internationalen Tag des Mannes ausgerufen. Doch braucht es den Termin wirklich – oder lenkt dieser nur von der Geschlechter-Ungerechtigkeit ab, unter der zumeist Frauen zu leiden haben?

Um das vermeintlich starke Geschlecht ist es schlecht bestellt: "Mann" hetzt im Beruf von Termin zu Termin, kränkelt viel, ist anfällig für Herzinfarkte, Prostataleiden und Magenerkrankungen. Auch um die Ernährungsgewohnheiten ist es schlecht bestellt – legt "er" doch meist wenig Wert auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung.

Sieben Jahre verliert ein Mann durch diese Verhaltensmuster im Schnitt, verglichen mit der durchschnittlichen Lebenserwartung von Frauen. Grund genug für die Gorbatschow-Stiftung, zusammen mit der Stadt Wien, der Medical Connection und den Vereinten Nationen (UN) Wien den Internationalen Tag des Mannes auszurufen. Anfangs stark belächelt, dient das Datum mittlerweile zur ernsthaften Diskussion geschlechtsspezifischer Probleme physischer und psychischer Natur.

Nachholbedarf bei Männergesundheit

Der Nachholbedarf ist groß: Noch vor zwei Jahren hat eine Studie des Vereins MANNdat e. V. ergeben, dass von den 142 befragten Krankenkassen über 66 Prozent keine Konzepte zur Männergesundheit vorweisen konnten. Mittlerweile hat sich das Missverhältnis zwar gebessert, aber in manchen Bereichen wie der Früherkennung von Prostatakrebs hinkt man noch weit hinter sinnvollen Standards hinterher. Auch die Andrologie – auf Deutsch: Männerheilkunde – steckt noch in den Kinderschuhen.

Doch was nützt die beste Vorsorge, wenn viele Männer den Gang in die Arztpraxis scheuen wie der Teufel das Weihwasser?

Mehr Teilnahme am familiären Leben

In den letzten 100 Jahren hat sich die Rolle des Mannes grundlegend geändert. Definierte sich der Patriarch von Anno Domini noch als Alleinernährer und Beschützer der Familie, so sind die Ansprüche heute zum Glück ganz anders: Männer sollen nicht nur Geld verdienen, sondern wollen auch die Partnerin entlasten und sich um die Kinder kümmern. Der Knackpunkt an dem Konzept: Immer noch verdienen viele Frauen deutlich weniger als Männer in vergleichbaren Berufen.

Andererseits wird die Chancengleichheit am Beispiel der Vereinbarkeit von Familie und Beruf meist als reines Frauenthema diskutiert. Viele Männer fordern nun auch zu Recht ihren Teil am familiären Leben ein.

Wie man das umsetzen kann, haben uns die Nachbarn längst vorgemacht: In Dänemark arbeiten beide Partner meist relativ bald nach der Geburt ihres Kindes wieder.

Auch in Österreich ist "Mann" weiter. Dort scheint es ganz normal zu sein, dass beide Eltern – jawohl, beide – ihre Stundenzahl reduzieren. Der Verdienstausfall hält sich in Grenzen, und der oft diskutierte Karriereknick bleibt aus.

Neues Elterngeld: Anreiz für Väter

Doch was kann dem gestressten Mann und Familienvater geraten werden? Kürzlich hat eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung gezeigt, dass viele Frauen nach der Geburt gern mehr arbeiten würden – etwa 35 Stunden. Auf der anderen Seite bedauern immer mehr Männer, dass sie zu wenig Zeit für die Familie haben. Sie würden gerne weniger arbeiten – etwa 35 Stunden. Mit dem neuen Elterngeld wird Vätern ein weiterer Anreiz geboten, die Erziehungszeit in Anspruch zu nehmen.

Liebe Geschlechtsgenossen, jetzt gibt es keine Ausreden mehr!

Michael van den Heuvel

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