DPhG-Jahrestagung

Neue Infektionskrankheiten ante portas

Klimaveränderungen wie der bis zum Jahre 2100 erwartete Anstieg der globalen Temperaturen um 1,5 bis 6 °C, aber auch der zunehmende internationale Reiseverkehr bleiben nicht ohne medizinische Folgen. Mit welchen neuen Krankheiten wir rechnen müssen, erörterte Prof. Dr. Emil Reisinger, Abteilung für Tropenmedizin und Infektionskrankheiten der Universität Rostock, in seinem Plenarvortrag.
Emil Reisinger

Besonders Erkrankungen, die durch RNA-Viren wie das Vogelgrippevirus H5N1 verursacht werden, haben sich in den letzten Jahren schnell ausgebreitet. Dies liegt nicht nur an Klimaveränderungen und der Zunahme des internationalen Reiseverkehrs, sondern auch an den Viren selbst, die sich durch eine große genetische Variabilität und eine enorm hohe Adaptationsfähigkeit auszeichnen.

Wenn es wärmer wird, gibt es mehr Mücken

Einen direkten Zusammenhang sieht Reisinger zwischen der globalen Erwärmung und der Zunahme von Mücken und Zecken, den Vektoren zahlreicher Infektionskrankheiten. Beispiele dafür sind

  • die Aëdes -Mücken, Überträger von Dengue, Gelbfieber und Chikungunya-Fieber,
  • die Culex -Mücke als Vektor für das West-Nil-Fieber,
  • die Anopheles -Mücken als Überträger der Malaria und
  • die Schildzecke als Vektor für FSME und Borreliose.

In den Jahren 2006 und 2007 wurden in Frankreich, Italien und der Schweiz mehrere Chikungunya-Fieber-Fälle registriert. Da die Aëdes -Mücken sich derzeit weiter nach Norden ausbreiten, rechnet Reisinger damit, dass das Chikungunya-Fieber in nicht allzu ferner Zeit auch in Süddeutschland auftritt.

Krim-Congo-Virus im Kosovo

Das Krim-Congo-Virus besitzt, wie der Name sagt, ein enorm großes Verbreitungsgebiet, Überträger sind Hyalomma -Zecken. Unter den 2001 im Kosovo Erkrankten waren auch einige Bundeswehrsoldaten. Inzwischen ist das Virus in Richtung Österreich und Deutschland auf dem Vormarsch, betonte Reisinger. Symptome der Erkrankung sind Fieber, Kopfschmerzen, Hepatitis und Pneumonie.

West-Nil-Fieber-Epidemien in den USA

Das West-Nil-Virus erhielt seinen Namen nach dem Ort seiner Entdeckung in Uganda im Jahr 1937. In Europa hat es derzeit noch keine Bedeutung, wohl aber in den USA, wo im Jahr 2003 über 9800 Infizierte und mehr als 250 Todesfälle registriert wurden. Problematisch ist, dass es hier – wie bei vielen Viruserkrankungen – nur symptomatische Therapien gibt.

cb

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